POLITIK
14/11/2015 15:53 CET | Aktualisiert 15/11/2015 14:55 CET

Nach dem Terror von Paris: Alle, die jetzt den Verstand verlieren, sind Marionetten der Terroristen

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Beim Radiosender Bayern 3 dürfen Menschen heute Fragen stellen. Menschen, die sich nach den Anschlägen von Paris Sorgen machen. Eine Hörerin fragte, ob sie heute Abend das Haus verlassen solle. Sie habe Konzertkarten. Aber nachdem ja in Paris auch ein Konzert zu den Zielen der Terroristen gehört habe, könne das doch nun auch in Deutschland passieren. "Oder?"

Was für eine Frage. Es ist in Ordnung, Angst zu haben. Angst macht vorsichtig. Aber Angst darf nicht hysterisch machen. Sie darf nicht dafür sorgen, dass alle den Verstand verlieren. Die Wahrscheinlichkeit, auf dem Weg zum Konzert bei einem Autounfall zu sterben ist gering, aber immer noch etwa tausendmal so wahrscheinlich wie die, Opfer eines Anschlags zu werden.

Allerdings hat niemand Angst davor, ins Auto zu steigen. Aber plötzlich haben so viele Angst vor Terror. Nicht nur Menschen, die sich unsicher sind, ob sie noch auf die Straße gehen sollten. Auch Politiker, die kopflos alle Grenzen dichtmachen. Oder meinen, jetzt müsse es erst recht eine Obergrenze für Flüchtlinge geben, weil unter den Attentätern auch ein Flüchtling war.

Und die Polizei werde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, heißt es. Natürlich gibt es immer wieder Fahndungserfolge. Wie aktuell bei der bayrischen Polizei, die einen mutmaßlichen weiteren Terroristen auf seinem Weg nach Paris stoppte. Und vielleicht gibt es auch noch ein paar mehr, wenn die Polizeipräsenz erhöht wird. Aber ganz sicher sein werden wir nie. Einfach nie.

"So etwas kann jederzeit auch in München oder Berlin passieren", sagt Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) über den Terror von Paris. Natürlich kann es das. Und wahrscheinlich wird es das auch irgendwann.

Die Reaktionen auf die Anschläge von Paris sind die üblichen Reflexe nach so einer Katastrophe. Aber sie helfen nur den Terroristen. Sie haben sich ihre Anschlagsziele genau ausgesucht: ein Fußballspiel, ein Restaurant, ein Konzert. Weil sie wissen, welche Hysterie sie damit auslösen würden. Sie wollen, dass unsere Gesellschaft aus den Fugen gerät. Sie wollen die Fäden in den Händen halten, die ganzen Kopflosen nach ihren Regeln spielen lassen. Niemand soll sich mehr sicher fühlen, das ist ihr Kalkül.

Und das geht auf, wenn wir uns plötzlich nur noch zuhause sicher fühlen. Weil wir außerhalb davon in allen Menschen um uns herum potenzielle Mörder sehen, ja sogar suchen. So können wir doch nicht leben wollen, oder?

Der Radio-Moderator von Bayern 3 antwortete der Frau übrigens: "Gehen Sie zum Konzert und haben Sie Spaß. Lassen Sie sich nicht von irren Terroristen verrückt machen." Er hat recht.

Wir müssen ruhig bleiben. Weiterleben wie bisher. Das ist das einzig Vernünftige, was wir tun können. Alles andere passiert sowieso.

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