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13/11/2015 19:04 CET | Aktualisiert 14/05/2016 17:21 CEST

BKA:Kein Kriminalitätsanstieg durch Flüchtlinge

DPA

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Ein Argument hört man von Zuwanderungs-Gegnern immer wieder: Flüchtlinge würden mehr Kriminalität ins Land bringen. Die Kulturunterschiede seien zu groß und vor allem männliche Asylbewerber seien eine Gefahr. Die Angst: Deutsche, insbesondere Frauen, könnten sich auf den heimischen Straßen nicht mehr sicher fühlen.

Jetzt hat das Bundeskriminalamt Zahlen veröffentlicht, die diesem Vorurteil den Wind aus den Segeln nimmt. Obwohl nämlich immer mehr Flüchtlinge ankommen, wirkt sich das bisher kaum in der Zahl der Straftaten aus. Das geht aus der „Lageübersicht Nr. 1 Kriminalität im Kontext Zuwanderung“ des BKAs hervor, der der „Welt“ vorliegt und von einer BKA-Sprecherin aus Wiesbaden bestätigt wurde.

Demnach wächst die Kriminalität klar unterproportional zur Zuwanderung. Es sei lediglich ein „gleichförmiger Anstieg“ der Delikte zu beobachten. Das heißt: Ja, die Kriminalität steigt. Aber im Verhältnis zur Zahl der Flüchtlinge wird sie niedriger. Von Januar bis September 2015 waren an rund 141.000 aufgeklärten Straftaten Zuwanderer beteiligt. Im Vorjahr waren es laut dem BKA 116.000. Demgegenüber stehen 202.834 registrierte Asylanträge 2014 und etwa 758.000 in 2015, wie das „Bundesamt für Flüchtlinge und Migration“ angibt.

Das häufigste Vergehen: Schwarzfahren und Fälschen von Ausweispapieren. Etwa 34 Prozent der Fälle sind laut dem BKA sogenannte „Vermögens- und Fälschungsdelikte“. Die „Beförderungserschleichung“ macht etwa zwei Drittel davon aus.

An zweiter Stelle mit einem Drittel der Straftaten: Diebstahl. Körperverletzung und andere „Rohheitsdelikte“ werden in 16 Prozent der Fälle begehen. Dabei ist vor allem die Zahl der Delikte von Flüchtlingen an Flüchtlingen stark gestiegen. Schlägereien in den Massenunterkünften werden häufiger, oft sind kulturelle und religiöse Unterschiede die Ursache. Mit diesem Problem müssen sich Staat und Polizeibehörden also klar mehr auseinandersetzen.

Und eine zweite Gefahr lauert in den Unterkünften: Salafisten aus Deutschland, die bei den Flüchtlingen Rekruten suchen. Sie sollen nach Syrien gehen beziehungsweise zurückkehren und für den IS kämpfen. 56 Fälle sind bekannt, in denen so für den Extremismus geworben wurde. Hinweise auf mutmaßliche Dschihadisten, die sich als Wolf im Schafspelz mit den Flüchtlingen eingeschlichen haben, soll es laut der Polizei bisher etwas mehr als hundert geben. Jedoch erwiesen sich einige als falsch und als üble Nachrede. In keinem Hinweis ging es darum, dass jemand tatsächlich einen Anschlag geplant hätte.

Generell werden laut dem BKA Zuwanderer vom Balkan häufiger straffällig als andere - also eigentlich genau die, zu denen die kulturellen Unterschiede, auf die sich Kritiker berufen, noch am geringsten sein sollten. Staatsangehörige aus dem Kosovo, Serbien und Mazedonien seien „überrepräsentiert“, syrische und irakische Bürger „unterrepräsentiert“, heißt es im Lagebericht.

Und was lässt sich zum Vorurteil der unkontrollierten Flüchtlingsmänner sagen? Sexuelle Übergriffe machen weniger als einen Prozent der Fälle aus, Tötungsdelikte 0,1 Prozent. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung Angang Oktober von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Er wollte ebendiesen „Gerüchten über den Anstieg von Straftaten den Boden entziehen“.

De Maizières Fazit: Flüchtlinge würden genauso wenig oder oft straffällig werden wie Deutsche. Der Großteil von ihnen begehe keine Straftaten, sondern suche Frieden, sagte der Innenminister am Freitag in Berlin. Das bedeutet: Die Flüchtlinge zeigen sich bisher nicht krimineller als die hiesige Bevölkerung.

Was dagegen klar mehr wird, sind die Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte. Hier hat sich die Zahl vom Vergleich vom letzten und diesem Jahr verdreifacht. Bis Anfang November wurden über 600 Übergriffe auf die Einrichtungen gezählt. Besonders Syrer und Afghanen werden außerdem immer öfter Opfer von Angriffen auf Personen. „Nicht Flüchtlinge sollten uns Angst machen, sondern die Welle der braunen Gewalt in Deutschland“, sagte André Schulz, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter gegenüber „Spiegel Online“.

In der Flüchtlingsdebatte: Gauck fordert: Bürger sollen auch mal "das Maul aufmachen"

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