An die Islam-Hasser, die gerade wieder aus ihren Löchern kommen

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ISLAMHASSER PARIS
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An die Islam-Hasser, die gerade wieder aus ihren Löchern kommen:

Es ist nach Mitternacht. Ich sehe Bilder, die ich nicht sehen will. Reporter berichten von „apokalyptischen Szenen“ an den Tatorten.

Ich bin fassungslos, wate durch die Nachrichten wie durch einen Brei. Nichts steht wirklich fest, die Dinge fügen sich erst langsam.

Alles was ich derzeit mit Bestimmtheit weiß: Wer auch immer diese Anschläge begangen hat, war von allen guten Geistern verlassen. Und von einem unbändigen Menschenhass beseelt. Ich finde keine Worte dafür, wie abartig es ist, eine Millionenstadt an mindestens sieben verschiedenen Orten mit Tod und Zerstörung zu überziehen.

Es gibt erste Berichte darüber, dass die Attentäter im Konzertsaal Bataclan „Allahu Akbar“ gerufen haben sollen. Der französische Präsident Francois Hollande spricht von „Terror-Anschlägen“ und hat die Schließung der Grenzen veranlasst, damit die Mörder nicht das Land verlassen können. Mittlerweile hat sich der IS zu der blutigen Tat bekannt.

Und während ich hier noch auf meiner Couch sitze und versuche, die Ereignisse zu begreifen, hebt ihr an allen Ecken des Netzes den virtuellen Zeigefinger und reißt die Klappe auf. Denn Ihr habt es in Eurer unermesslichen Weisheit schon immer gewusst: Der Terror kommt mit den Flüchtlingen aus Syrien auch nach Deutschland.

Zum Beispiel der ehemals sehr lesenswerte Journalist Matthias Matussek, der aus seiner kleinbürgerlichen Paranoia seit Jahren ein genauso einträgliches wie intellektuell defizitäres Geschäftsmodell entwickelt hat. Jetzt versucht er auch noch, aus dem Leid von womöglich Hunderten Verletzten und Toten politisches Kapital zu schlagen.

Matussek im Originaltext: „Paris: Eine erneute Kriegshandlung der Islamisten gegen den Westen, und mit wird schlecht bei den Gedanken, dass wir rund 250 000 unregistrierte Personen im Lande haben...aber die Kanzlerin hat versprochen, diesen illegalen Zustand bald zu beenden und zur Legalität zurückzukehren!“

Und in solchen Momenten lernt man verstehen, woher all diese Hasskotze kommt, die derzeit durch Deutschland schwemmt. Wie dieser ganze Gestank in dieses Land geraten ist, der einem bisweilen das Atmen schwer macht.

Noch während in Frankreich Menschen verbluten, hetzt der angeblich so christlich-katholische Matthias Matussek völlig zusammenhanglos gegen Kriegsflüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchen. Und mit einem Mal kapiert man, warum bayerische Ordensobere vor einigen Tagen in einem offenen Brief vor Brandstiftern wie ihm gewarnt und die Formulierung „mit brennender Sorge“ verwendet haben – der Name jener Enzyklika, in der Papst Pius XI. im Jahr 1937 vor dem Nationalsozialismus warnte.

Aber vielleicht hat sich Matussek auch schon zu sehr in seine Wahnvorstellungen hineingezittert, um den wesentlichen Logikfehler in seinem flotten Hetz-Posting zu erkennen: Wer aus Syrien flieht, sucht Schutz vor Gewalt. Der hat keinen Bock auf 72 Jungfrauen und all den anderen Sermon, den Hassprediger ihren Märtyrer-Anwärtern gerne mal versprechen.

Wie entmenschlicht und empathieamputiert muss man sein, gerade Kriegsopfern zu unterstellen, dass sie nach der Flucht aus ihrer zur Hölle gewordenen Heimat aus Daffke und religiösem Eifer ihre neue Heimat in ein Hieronymus-Bosch-Gemälde zu verwandeln?

Matussek ist nicht allein. Die Statements der rechten Rattenfänger ploppen an allen Ecken des Netzes auf. Beispielhaft sei hier nur die AfD erwähnt.

Was für ein gefährlicher Unsinn.

Aber vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, um endlich ein Zeichen gegen die Hetzer zu setzen.

Falls es also wirklich islamistische Terroristen gewesen sein sollten, gibt es nur eine richtige Reaktion: Wir dürfen uns ihre perfide Terror-Logik nicht aufzwingen lassen. Was Freiheit für uns heißt, bestimmen wir selbst. Nur wir. Und wenn wir unsere eigenen Werte in die Tonne treten, dann haben die Attentäter von Paris gewonnen.

Panikpriester wie Matthias Matussek sind derzeit die wichtigsten Terrorhelfer der Dschihadisten. Aber wahrscheinlich merken sie das noch nicht einmal mehr.

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