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13/11/2015 11:14 CET | Aktualisiert 18/01/2016 16:56 CET

Was vor diesem deutschen Gericht passierte, sollte uns beschämen

ARD

Volksverhetzung lautete der Vorwurf, wegen dem die bekannte Rechtsextremistin Ursula Haverbeck-Wetzel gestern in Hamburg zu zehn Monaten Haft verurteilt wurde. Die 87-Jährige hatte im April gegenüber dem ARD-Magazin „Panorama“ bestritten, dass Auschwitz ein Vernichtungslager gewesen sei. Es hätte sich dabei nur um ein „Arbeitslager“ gehandelt.

Den Mord an Millionen von Juden im Dritten Reich hätte es nicht gegeben, behauptete sie weiter. Schon im Rande des Prozesses gegen den SS-Mann Oskar Gröning, der im Juli verurteilt wurde, soll sie laut der „ARD“ den Holocaust geleugnet haben.

Nun wurde ihr der Prozess gemacht. Vor dem Hamburger Amtsgericht wiederholte sie ihre Aussagen erneut schamlos. Sie ging sogar weiter: Sie wollte dem Gericht beweisen, dass es die Judenvernichtung nicht gegeben habe. Dafür wollte sie als Zeugen einen weiteren Holocaust-Leugner vorladen. Das Gericht wies diese Forderung aber zurück und verwies auf unzählige Beweise für die Verbrechen des Nazi-Regimes.

Zur Urteilsverkündung brachte sie trotzdem Unterstützer mit, in der rechtsextremen Szene gilt sie als „Ikone“. Etwa 30 Holocaust-Gegner reisten an. Auch prominente NPD-Mitglieder, mit der sie seit Jahrzehnten in Verbindung steht, kamen nach Hamburg. Eine Anhängerin überreichte ihr vor der Verhandlung laut „Bild“ sogar Blumen, angeblich nachträglich zum Geburtstag.

Es ist nicht Haverbecks erste Verurteilung. Zuletzt wurde ihr in München 2010 wegen Volksverhetzung der Prozess gemacht, sechs Monate Bewährungsstrafe lautete das Urteil. Sie war Vizevorsitzende des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Im November 2014 zeigte sie sogar den „Zentralrat der Juden“ wegen „Verfolgung Unschuldiger“ an. Das Verfahren wurde schnell eingestellt, stattdessen wurde gegen sie wegen falscher Anschuldigungen ermittelt.

Doch auch das schien sie nicht davon abzuhalten, die NS-Verbrechen zu leugnen. Deshalb muss sie diesmal ins Gefängnis. Der Richter erklärte: „Bei Ihnen habe ich die sichere Erwartung, dass Sie es wieder tun werden, darum kann ich Ihnen auch keine Bewährung mehr geben.“ Die Staatsanwältin in Hamburg sprach laut der „ARD“ von einer „fanatischen Verblendung“.

Professor Norbert Frei nannte Haverbecks Verhalten eine „BDM-Backfisch-artige“ Weise, mit der sie „ihren geliebten Führer auch noch 70 Jahre danach“ verteidigen würde. Das sagte er laut der „Bild“ in einem Interview, das vor Gericht abgespielt wurde. Haverbeck will sich in ihrer Holocaust-Leugnung auf Frei beziehen, der die Kommandatur-Befehle aus Auschwitz veröffentlichte. Doch selbst er kann ihre Argumentation weder verstehen noch stützen

Anders sah es wohl in ihrer Familie aus: Haverbecks Mann Werner Georg Haverbeck war ein Mitglied der Reichsleitung der NSDAP. Nach dem Krieg war er angeblich auf der Seite des Ostens. Er wurde Pfarrer im Westen, wurde aber wegen seinen linken Ansichten zeitweise freigestellt. Gleichzeitig war er aber auch noch Vorsitzender des rechtsradikalen „Weltbundes zum Schutze des Lebens“. Verurteilt wurde er im Gegensatz zu seiner Frau jedoch nie.

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