POLITIK
13/11/2015 11:36 CET | Aktualisiert 13/11/2015 11:58 CET

Flugzeugabsturz: Ägyptische Medien beschuldigen den Westen des "Terrorismus"

dpa
Ägyptische Medien werfen jetzt dem Westen vor, Schuld am Flugzeugabsturz zu sein.

Ägyptische Medien beschuldigen den Westen im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz über dem Sinai des "Terrorismus". Wie der britische "Independent" berichtet, wehren sich mehrere ägyptische Medien gegen die Vermutung Großbritanniens und der USA, das Flugzeug sei durch eine Bombe zerstört worden. Das sei eine Verschwörung, die dazu diene, die ägyptische Wirtschaft zu ruinieren.

Offiziell steht die Unglücksursache noch nicht fest. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew hat am Mittwoch einen Terroranschlag als mögliche Ursache genannt - nachdem Russland lange von einem technischen Defekt gesprochen hatte. Verschiedene Geheimdienste, darunter der britische, halten die Bomben-Theorie ebenfalls für sehr wahrscheinlich. Die die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat in einem Video behauptet, das Flugzeug mit einer Bombe vom Himmel geholt zu haben.

Dazu muss man wissen: Man kann davon ausgehen, dass die ägyptische Regierung diese Berichterstattung über das Unglück vom 31. Oktober mit 224 Toten verbreitet haben will. Denn unter anderem schreibt die staatliche Zeitung "Al-Gomhuria" über die angebliche "Verschwörung" des Westens. Allerdings stimmten auch formal unabhängige Medien in den Tenor ein, wie der "Independent" schreibt. Dies zeige, dass die Medien sich nicht trauten, die Regierung zu kritisieren.

Angesichts der Faktenlage sollen die ägyptischen Berichte wohl vor allem die eigene Bevölkerung beruhigen. Denn der ohnehin schwer gebeutelte Tourismus im Land ist durch den Vorfall noch weiter in die Krise geraten. In der vergangenen Woche hatte Großbritannien alle Flüge nach Scharm el-Scheich gecancelt. Russland ist dem Beispiel am vergangenen Wochenende gefolgt. Tourismusminister Hischam Sasu sagte nach Angaben der unabhängigen Tageszeitung "Al-Masry al-Youm" am Mittwoch in Kairo, dass der Stopp der Flüge das Land monatlich umgerechnet rund 260 Millionen Euro kosten werde.

Die ägyptische Regierung steht deswegen unter Zugzwang. Der Tourismus ist eine der Haupteinkunftsquellen im Land - geht es der Branche nicht bald besser, drohen neue Unruhen. Und so versucht die Regierung offensichtlich wenig überzeugend, die Schuld nicht eigenen laxen Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen zuschreiben zu müssen. Und der Tatsache, dass sie auf der Sinai-Halbinsel ganze Regionen de facto nicht mehr kontrollieren kann.

KORREKTUR: In einer ersten Version des Textes hieß es fälschlich, die Zeitungen beschuldigten den Westen, den Absturz herbeigeführt zu haben. Korrekt ist, dass sie laut "Independent" die britische und US-amerikanische Interpretation der Absturzursache als Terror bezeichnen.

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