POLITIK
12/11/2015 15:17 CET | Aktualisiert 13/11/2015 10:19 CET

Frankreich weigert sich diese muslimische Sitte zu unterstützen

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Gerade mal vier Monate ist es her, dass die Atom-Verhandlungen mit dem Iran erfolgreich abgeschlossen wurden. Die Amerikaner, Deutschen, Russen, Briten und Franzosen klopften sich damals erleichtert auf die Schultern. Die Einigung galt als historischer Erfolg.

Nun wird Hassan Rohani Anfang kommender Woche in Europa erwartet – als erster iranischer Staatspräsident seit zehn Jahren. Beide Seiten, sowohl die Iraner als auch die Nato-Mächte, wollen auf ein Ende der Wirtschaftssanktionen hinarbeiten. Die diplomatischen Beziehungen sollen fortan besser gepflegt, der Iran aus seiner weltpolitisch isolierten Lage befreit werden.

Nur Halal-Fleisch, kein Alkohol

Doch genau dieses Vorhaben droht jetzt zu scheitern. Der Stein des Anstoßes sind aber weder das Atomabkommen noch andere weltpolitische Fragen. Es geht um eine (oder mehrere) Flaschen Wein.

In wenigen Tagen ist Hassan Rohani zu einem offiziellen Abendessen in den Élysée-Palast geladen. Vorab hatte er darum gebeten, bei dem Dinner auf Alkohol zu verzichten sowie ausschließlich Halal-Fleisch zu servieren und das Essen so an die muslimischen Sitten anzupassen. Das jedenfalls berichtete der französische Radiosender RTL.

Ohne Wein? Ohne die Franzosen

Eine Bitte, der die Franzosen offenbar nicht nachkommen wollen. Die französischen Traditionen seien ihnen ebenso lieb und teuer wie dem Iran die seinigen. Auf den Wein zum Essen zu verzichten, dazu seien sie nicht bereit, berichtet der französische Radiosender RTL unter Berufung auf französische und iranische Diplomaten-Kreise.

Stattdessen habe man es mit einer Einladung zum Frühstück versucht, die einzige Mahlzeit im französischen Speiseplan, in der Alkohol unüblich ist. Das wiederum war der iranischen Delegation dann aber „zu billig“, die Frühstücks-Einladung wurde abgelehnt.

Gastfreundschaft oder Respekt gegenüber dem Gastland?

Es lässt sich sicherlich darüber streiten, welche Nation nun mehr Schuld an den geplatzten Verhandlungen trägt.

Auf der einen Seite könnte man vom iranischen Staatspräsidenten erwarten, dass er die Sitten und Bräuche eines Landes, in dem er zu Gast ist, respektiert. Auch wenn er nicht selbst zum Weinglas greift, so könnte er es zumindest für einen Abend tolerieren, wenn ein Kollege neben ihm es tut.

Andererseits könnte man den Franzosen auch mangelndes Feingefühl attestieren. Wenn ein muslimisches Staatsoberhaupt zu Gast ist und die diplomatischen Beziehungen sowieso derart strapaziert sind, wäre es wohl im Bereich des Denkbaren, auf die Wünsche des Gegenübers Rücksicht zu nehmen.

Stur gegen stur

Doch ganz offensichtlich geht es in dieser Frage gar nicht wirklich um den Wein, sondern ums Prinzip. Stur gegen stur, zwei Dickköpfe gegeneinander und wie große Frage: Wer setzt sich durch?

So wie es aussieht, wohl niemand. Stattdessen hat man sich auf einen Kompromiss geeinigt. Am kommenden Dienstag wird Hassan Rohani den französischen Präsidenten Francois Hollande zu einem zweistündigen Gespräch unter vier Augen treffen. Ein schlichter Empfang ohne Essen, ohne Alkohol also.

Hassan Rohani auch in Italien zu Gast

Übrigens wird Rohani bereits am Wochenende in Rom erwartet. Dort sind Treffen mit Papst Franziskus und dem italienischen Premierminister Matteo Renzi geplant. Ob man sich für diese Begegnungen schon auf eine Speise- und Getränkekarte geeinigt hat, ist nicht bekannt.

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