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10/11/2015 15:13 CET | Aktualisiert 10/11/2016 11:12 CET

Darum geht es in Terry Pratchetts Abschiedswerk Scheibenwelt

Manhattan
Das Buch des kürzlich verstorbenen Autors ist lesenwert.

"Die Krone des Schäfers" (Manhattan, 384 Seiten, 17,99 Euro) wurde von vielen Pratchett-Fans mit gemischten Gefühlen erwartet - schließlich ist der 41. Scheibenwelt-Roman des am 12. März verstorbenen Autors auch der letzte. Und dazu die bange Frage: Kann das Buch, an dem Terry Pratchett (1948-2015) bis zu seinem Tod geschrieben hat, überhaupt die hohen Erwartungen erfüllen oder ist es ein unvollendetes Werk, das besser in der Schublade geblieben wäre? Die gute Nachricht: Zwar wirkt "Die Krone des Schäfers" hier und da etwas unfertig, lesenswert ist es jedoch allemal.

Tod einer Lieblingsfigur

"Die Krone des Schäfers" von Terry Pratchett können Sie hier bestellen

Man wird das Gefühl nicht los, dass Pratchett, der in seinen letzten Jahren zunehmend von seiner Alzheimer-Krankheit gezeichnet war, sich beim Schreiben intensiv mit seinem eigenen Tod beschäftigt hat. Denn er eröffnet das Abenteuer mit einem Paukenschlag, und lässt mit Oma Wetterwachs eine seiner ältesten und beliebtesten Figuren sterben. Wie es sich gehört, wird die alte Hexe vom Sensenmann in einer rührenden Szene persönlich abgeholt, ihr Ableben schlägt unterdessen auf der Scheibenwelt ähnliche Wellen wie das von Pratchett in der Literaturwelt.

Als Erbin hat Oma Wetterwachs die junge Hexe Tiffany Weh vorgesehen, eine der letzten Hauptfiguren, die Pratchett erfunden hat. Mit dem Erbe fällt Tiffany auch Wetterwachs' Rolle als inoffizielle Anführerin der Hexenzunft zu - eine große Aufgabe, zumal sie nun zwei Hexen-Reviere betreuen muss. Obendrein hat Oma Wetterwachs zu Lebzeiten einen alten Feind in Schach gehalten, der nun eine neue Chance wittert, um auf der Scheibenwelt Unheil zu stiften.

Gerade das Geschehen um Oma Wetterwachs' Tod und Tiffanys mühsamen Antritt ihres Erbes gehören vielleicht zu den stärksten Seiten, die Pratchett verfasst hat und zeigen alle Qualitäten, die seine Fans so lieben: Den erfrischenden Humor, einen scharfsinnigen Blick auf das Treiben der Menschen und tiefempfundenes Mitgefühl. Danach baut "Die Krone des Schäfers" doch etwas ab, viele Passagen wirken etwas gehetzt und schematisch, die Actionszenen kommen arg slapstickhaft daher und manches erinnert etwas zu sehr an frühere Romane.

Die Scheibenwelt steht Kopf

Allzu oft hat man auch das Gefühl, dass Pratchett noch einmal alle Themen unterbringen wollte, die ihm wichtig waren, und darüber das Gesamtbild etwas aus den Augen verloren hat. Zu den Stärken des Buches zählt allerdings, dass der Autor offenbar dennoch der Versuchung widerstehen konnte, einen Schlussstrich zu setzen. Stattdessen stellt er die Scheibenwelt ein Stück weit auf den Kopf, lässt einer neuen Generation den Vortritt und zeigt, dass die Geschichte dieser skurrilen Fantasywelt noch lange nicht auserzählt ist. Pratchett überlässt gewissermaßen dem Leser die ganze Scheibenwelt als Abschiedsgeschenk: Die Saga weiterzuspinnen, bleibt nun der Fantasie jedes Einzelnen überlassen.