POLITIK
09/11/2015 16:12 CET | Aktualisiert 09/11/2015 16:50 CET

Diese vier Dinge passieren, wenn Beate Zschäpe aussagt

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Das könnte die Wende für den NSU-Prozess sein: Beate Zschäpe will ihr Schweigen brechen und am Mittwoch eine Stellungnahme abgeben, wie "Spiegel Online" berichtet. Damit äußert sie sich erstmals, nachdem sie zweieinhalb Jahre lang schweigend der Anklage zuhörte, weinende Zeugen anschwieg und private Details aus der Erinnerung ehemaliger Weggefährten unkommentiert stehenließ.

Aus dem Mund der Hauptangeklagten wird allerdings kein Wort zu hören sein: Die Aussage soll sie durch ihren neuen Anwalt Mathias Grasel verlesen lassen. Dass sie sich nun äußert, wird große Folgen haben. Diese vier Dinge werden sich dadurch grundlegend ändern:

1. Wir erfahren, was Zschäpe wusste

13 Jahre lang lebte Zschäpe mit ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zusammen - in dieser Zeit sollen die beiden Männer unter anderem zehn Menschen ermordet und zwei Bomben gezündet haben. Weil Zschäpe die Vorhaben unterstützte, ist sie als Mittäterin genauso schuldig wie die Uwes - jedenfalls nach Ansicht der Anklage. In der Aussage wird Zschäpe wahrscheinlich darlegen, wie viel sie von den Plänen wusste. War sie in die Planung eingebunden oder kochte sie unwissenderweise zwei Mördern das Mittagessen? Viel spricht dafür, dass Zschäpe umfassend eingeweiht war. Am Mittwoch wird sie selbst sagen, was ihr bekannt war.

2. Für NSU-Unterstützer wird es unangenehm

Der Fall NSU ist mit dem Prozess noch nicht erledigt: Rund ein Dutzend Ermittlungsverfahren laufen derzeit beim Generalbundesanwalt gegen mögliche Unterstützer der Terrorzelle. Als Zeugen vor Gericht beriefen diese sich immer wieder auf Erinnerungslücken - schließlich liefen sie Gefahr, sich durch unbedachte Worte selbst ans Messer zu liefern. Dabei waren sie in einer komfortablen Position: Die mutmaßliche Mitwisserin Zschäpe belastete sie ja nicht. Nun aber könnte sie reinen Tisch machen - und dabei auch reichlich belastende Fakten über ihre früheren Freunde auspacken.

3. Zschäpe könnte der Höchststrafe entgehen

Mit ziemlicher Sicherheit steckt hinter der Aussage Kalkül: Wenn ein Angeklagter vor Gericht gesteht, kann er mit einer milderen Strafe rechnen. Für Zschäpe steht dabei viel auf dem Spiel: Ihr droht lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung - also ein Tod hinter Gittern. Nun will die Angeklagte wohl retten, was zu retten ist. Daher dürfte das, was sie zu sagen hat, sehr umfangreich ausfallen. Ob sie zu diesem späten Zeitpunkt jedoch noch damit punkten kann, ist unklar. Wirkliche Reue nimmt ihr zu diesem Zeitpunkt wohl niemand mehr ab.

4. Die Opfer erfahren, was sie wissen wollen

Nicht nur Juristen haben lange und inständig auf diesen Moment gehofft - auch die Angehörigen der ermordeten Einwanderer, der getöteten Polizistin und die verletzten Opfer der Anschläge wollen eine Sache von Zschäpe wissen: Warum? Warum hat der NSU unseren Vater ermordet? Warum wurde die Bombe in unserem Geschäft gezündet. Und vor allem: Was wolltet ihr damit erreichen? Wahrscheinlich ist, dass Zschäpe sich in ihrer Aussage auch zu den Beweggründen der Terrorzelle äußert.

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