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09/11/2015 09:11 CET | Aktualisiert 09/11/2016 11:12 CET

Ex-Dschungelcamper Walter Freiwald: "Frei Schnauze und mit einem Augenzwinkern"

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"Frei Schnauze und mit einem Augenzwinkern" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 250 Seiten, 9,99 Euro) heißt die Autobiografie von Ex-"Dschungelcamper" und TV-Star Walter Freiwald. Einen Blick in die Vergangenheit und seine Zukunft wirft der 61-Jährige im Interview mit spot on news.

Wann haben Sie für sich entschieden, Ihr Leben aufzuschreiben?

Walter Freiwald: Eigentlich schon 2011, damals ist meine Mutter gestorben und ich wusste nichts über sie. Da habe ich mir zum Ziel gesetzt, dass ich ein Buch schreibe, damit meine Kinder wissen, was ihr Vater gemacht hat. Zwischenzeitlich gab es dann andere Projekte und es sind einige Dinge passiert - bis ich das Buch jetzt endlich umsetzen konnte.

In Ihrer Karriere haben Sie viel erlebt: von Ihrem ersten Job in einer Druckerei, über EMI, Sie haben die Anfänge von RTL miterlebt und Radio Gong aufgebaut. Im Fernsehen wurden Sie durch "Der Preis ist heiß" berühmt und zum Teleshopping-Star... Welche Phase in Ihrem Berufsleben war die spannendste?

Freiwald: Das Spannendste war der Sprung vom Radio in den TV-Bereich. Ich hatte keine Ahnung vom Fernsehen und dann kam plötzlich mit "Der Preis ist heiß" die Chance, eine Sendung neu aufzuziehen und diese auch erfolgreich zu machen.

Sie hatten zahlreiche Begegnungen mit anderen Prominenten. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Freiwald: Annette Humpe hat mich sehr beeindruckt. Sie war schon immer eine kreative Frau, die bereits in der Zeit der Neuen Deutschen Welle Erfolg hatte und auch danach immer weiter gemacht hat, später dann mit Ich + Ich. Das finde ich toll.

Sie beschreiben sich als Ordnungsfanatiker - wie hat das in Ihrer WG mit Hugo Egon Balder geklappt?

Freiwald: Das Haus, das ich mit Hugo Egon Balder geteilt habe, hatte ich damals gemietet. Hugo wohnte unter dem Dach. Was er in seinem Zimmer gemacht hat, hat mich nicht weiter berührt. Ich habe unten das Haus weiterhin gepflegt, wir kamen uns da nicht in die Quere.

Weniger gut klappte auf Dauer Ihre Zusammenarbeit mit Harry Wijnvoord. Trotzdem lief "Der Preis ist heiß" lange erfolgreich. Wie anstrengend war es, vor der Kamera zu verbergen, dass man sich eigentlich nicht richtig grün ist?

Freiwald: In solchen Situationen muss man Profi sein. Das hatte ich zuvor bereits durch die Zusammenarbeit mit Leuten wie beispielsweise Frank Elstner gelernt. Profi sein bedeutet: The Show must go on. Was auch immer passiert, es muss weitergehen. Ich kann den Hebel umlegen und dann läuft das.

Tragen Sie ihm noch was nach?

Freiwald: Nein. Ich bin kein nachtragender Mensch. Aber ich vergesse auch nichts - da bin ich wie ein Elefant. Rache nehmen bringt meiner Meinung nach allerdings nichts.

Sie schreiben ausführlich über Ihre Kindheit, in der Sie unter Einsamkeit und physischer und psychischer Gewalt im Elternhaus gelitten haben. Sie haben später damit Ihren Frieden gemacht. Wie schwer war es, wieder auf Ihre Eltern zuzugehen?

Freiwald: Das war überaus schwer. Meine Frau hat mir die Kraft dazu gegeben. Und ich habe an die Kinder gedacht, die Opa und Oma brauchen. Über das, was in meiner Kindheit passiert ist, habe ich aber nie mit meinen Eltern gesprochen. Das wäre sinnlos gewesen. Das hätten sie nicht verstanden.

Auch später, vor dem Dschungelcamp, haben Sie noch mal eine schwierige Zeit durchgemacht. Ihre Frau ist schwer erkrankt, beruflich lief es nicht mehr gut, Sie litten unter Depressionen. Wie haben Sie es aus dieser Negativspirale herausgeschafft?

Freiwald: Man braucht die innere Einstellung, um positiv zu denken. Das umzusetzen, ist natürlich schwer, jeder, der das schon einmal durchgemacht hat, weiß das. Zudem hatte ich 21 Kilo abgenommen, was mir sehr geholfen hat, weil das ein Erfolgserlebnis brachte. Entscheidend war aber letztendlich die Hilfe meines Arztes, der auch mit chinesischer Medizin vertraut ist, ich habe beispielsweise Akkupunktur bekommen. Die Gespräche mit ihm haben mir ebenfalls sehr geholfen. Als Krankheit hatte ich das damals aber nicht wirklich empfunden. Das weiß ich erst heute. Ich wollte einfach aus diesem Loch heraus. Es war, als wäre ich jeden Tag vor eine Betonwand gerannt. Ich war verzweifelt und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Irgendwann war in dieser Wand aber ein Loch, durch das ich hindurch konnte.

Von der Presse wurden Sie im Dschungel teilweise als Märchenonkel hingestellt. Sie berichten in dem Buch noch mal, wie es war, als Thomas Gottschalk Ihnen zu "Wetten, dass..?" geraten hat, zeigen Ihre Bewerbung als Bundespräsident. Gottschalk und die SPD waren Ihnen bereits zu Hilfe geeilt und haben die Dinge bestätigt. Wie wichtig war es Ihnen, das jetzt selbst zu sagen?

Freiwald: Damals habe ich nicht alle Menschen erreicht, auch Gottschalk kommt an die ganz Jungen nicht mehr heran. Es geht um meinen Ruf und um meine Glaubwürdigkeit. Das muss ich alles wiederherstellen und mit dem Buch kann ich das noch intensivieren. Als ich damals aus dem Dschungelcamp kam, war ich richtig baff und völlig geschockt. Ich konnte das nicht nachvollziehen, habe gedacht, die reden über jemand anderen. Das war noch in Australien. Als ich nach Deutschland kam, wurde es noch schlimmer. Da habe ich erst bemerkt, dass ich plötzlich als Bösewicht dastand. Ich wusste auch nicht, welche Hater es im Internet gibt, schließlich bin erst seit Januar auf Facebook. Damit musste ich erst mal klarkommen. Aber das verpufft Gott sei Dank auch alles wieder.

Sie haben nach dem Dschungelcamp sogar Morddrohungen erhalten. Wurden im Netz als Pädophiler hingestellt. Trotzdem bereuen Sie Ihren Ausflug nach Australien nicht. War es das alles wert?

Freiwald: Ich bereue bis heute nichts. Das sind alles Dinge, die man in Kauf nehmen muss. Die Zeit im Dschungel war wahnsinnig spannend. Ich stehe absolut dazu.

Für die Zukunft haben Sie laut Ihrem Buch noch einige Pläne und Wünsche: ein erneuter Versuch, Bundespräsidentenkandidat zu werden, ein eigenes Lokal, eine Platte mit Sido, ein Youtube-Channel. Was für Projekte stehen denn konkret als nächstes an?

Freiwald: Ich habe gerade in der Schweiz für "Pocketsoul" über 20 Episoden gedreht, das ist eine bekannte Musiksendung dort und ich bin darin als Sidekick zu sehen. Es gibt auch noch weitere TV-Projekte, über die ich noch nicht reden darf. Ansonsten will ich unbedingt einen Bambi für mein Lebenswerk, einen Echo für meine Platte "Artur", einen Comedypreis, einen Grimme-Preis für Satire und "Pocketsoul", die Goldene Henne und das Bundesverdienstkreuz.

Dann wären Sie ja ein hochdekorierter Bundespräsident...

Freiwald: Satire macht mir einfach Spaß. Wenn man depressiv durch das Leben geht, kommt man nicht weiter. Das habe ich selbst gemerkt. Man muss das alles mit Humor sehen und sich selbst auf den Arm nehmen.

Sie hatten damit zu kämpfen, dass die Leute das, was Sie sagen, nicht richtig einordnen können, das einiges, dass Sie überspitzt haben als bare Münze genommen wurde - wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Freiwald: Ich bin authentisch, verletzend ehrlich, Satiriker mit sehr viel Humor. Aber auch liebenswert und sehr gefühlvoll. Unsportlich, putzsüchtig, pedantisch. Ich bin einfach perfekt und gerecht.