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09/11/2015 18:39 CET | Aktualisiert 27/12/2015 14:25 CET

Neue linke Terrorgruppe? "RAF 4.0" kündigt 40 Morde an

dpa
Das Justizzentrum in Gera erhöht seine Sicherheitsstufe.

Die Drohung ist kaltblütig und unheimlich: Zehn Richter, zehn Staatsanwälte, zehn Polizisten und zehn Politiker sollen erschossen werden. Die furchtbaren Ankündigungen entstammen Briefen an verschiedene Behörden in Gera.

Der angebliche Urheber: eine vierte Generation der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF), die sich offiziell vor 17 Jahren selbst aufgelöst hatte.

Terror, weil die Behörden im NSU-Fall schlampten?

Der Grund für die Drohungen ist das angebliche Versagen der Behörden bei den Ermittlungen gegen das NSU-Trio. Der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund werden zehn Morde mit größtenteils rassistischen Motiven vorgeworfen. Vor vier Jahren flog das NSU-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe auf. Die beiden Männer begangen kurz vor ihrer Stellung Selbstmord. Zschäpe wird seit 2013 in München der Prozess gemacht.

Die Briefe waren Unter anderem an das Landgericht und die Staatsanwaltschaft Schreiben adressiert, wie Gerichtspräsident Peter Granderath gegenüber der "Ostthüringer Zeitung“ bestätigte.

Schriftzug "RAF 4.0" auf den Drohbriefen

Laut "Vice" ist mittlerweile auch ein Schreiben bei der Thüringer AfD eingegangen. Überschrieben sind die anonymen Drohungen in Anknüpfung an die Rote Armee Fraktion mit "RAF 4.0". Ob es sich bei der Drohung um einen schlechten Scherz handelt oder ob sich tatsächlich eine vierte Generation des Terrorbündnisses gegründet hat, lässt sich bisher noch nicht sagen.

Die bekanntesten Gesichter der ursprünglichen Gruppe waren Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. Die Vereinigung, aufgeteilt in drei Generationen, ist für 34 Morde sowie viele Banküberfälle und Sprengstoffattentate zwischen 1970 und 1998 verantwortlich. Die bekanntesten Taten waren der Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und die Entführung und Tötung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer 1977. Die Taten gelten als größte innenpolitische Herausforderung der BRD vor der Wiedervereinigung. Nach wie vor wird die RAF kontrovers diskutiert und prägt das Land bis heute – wie auch die neusten Drohungen in Thüringen zeigen.

Ermittlungen gegen die Urheber

Das Landeskriminalamt ermittelt jetzt gegen die noch unbekannten Absender der Briefe. Das erklärte Landesgerichts-Chef Granderath gegenüber der "OTZ". Es werde eine „Gefährungdanalyse“ erstellt und die sichergestellten Briefe auf Genspuren untersucht.

Folgen haben die Briefe schon jetzt auf die Thüringer Justiz: "Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen bis an unseren Schmerzpunkt hochgezogen", sagt der Präsident der Regionalzeitung. Die Behörden sind in Alarmbereitschaft.

Besonders gründlich waren die Täter in ihrer Recherche allerdings nicht: Die Postleitzahl auf dem Brief an das Landgericht war falsch. Die Post stellte die Sendung aber trotzdem richtig zu.

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