WIRTSCHAFT
09/11/2015 12:56 CET | Aktualisiert 10/11/2015 09:16 CET

Praktika für Flüchtlinge: Ikea geht einen einfachen Schritt, der ein riesiges Problem in unserem Land lösen könnte

Die Zahl der Flüchtlinge, die es nach Europa zieht, steigt enorm. Sie erhoffen sich bei uns bessere Lebensbedingungen, Jobs, und ja, auch bessere Chancen für ihre Kinder.

Neben Deutschland ist vor allem die Schweiz beliebt. Aktuell versuchen dort besonders viele Flüchtlinge aus Afghanistan ihr Glück.

Das sehen viele Schweizer als Gefahr. Einige Unternehmen begreifen es aber auch als Chance. Ikea zum Beispiel.

Das schwedische Möbelhaus bietet Asylsuchenden ab sofort die Möglichkeit, Praktika in Schweizer Filialen zu absolvieren.

"Am Anfang der Programme sollen in jedem der neun Ikea-Zentren in der Schweiz zwei Praktikums-Plätze geschaffen werden", sagt IKEA-Kommunikationschef Aurel Hosennen der "NZZ am Sonntag".

Das soll aber nur der Anfang sein. Geplant sei, teilt Ikea mit, die Zahl der Praktikums-Plätze nach und nach zu erhöhen.

Für Ikea sei die Idee, Flüchtlinge einzustellen, nichts besonderes. "Schließlich ist die Schweiz ein Einwanderungsland - Menschen aus 195 Nationen leben hier", sagt Hosennen im Gespräch mit der "Huffington Post". "Integration ist für uns Alltag und die beste Integration entsteht nunmal über Arbeit."

Das ist ein Ansatz, der auch in Deutschland dringend nötig wäre. Denn auch wir müssen in den kommenden Jahren Hunderttausende Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren. Einstiege über Praktika können besonders bei ungelernten und jungen Menschen dafür eine gute Lösung sein - denn hier kommen Menschen auch mit vergleichsweise wenig Vorkenntnissen mit der Arbeitswelt in Berührung und können sich dringend benötigte Fähigkeiten aneignen.

Einsatz je nach Qualifikationen

Die eingestellten Flüchtlinge sollen ab Januar 2016 in verschiedenen Bereichen von Ikea arbeiten: Logistik und Verkauf – abhängig von ihrer Qualifikation und ihren Sprachkenntnissen.

Und für ihre Leistung werden sie auch bezahlt. "Wie viel jeder Flüchtling bekommt, hängt auch den lokalen Behörden ab. Derzeit prüfen wir noch, was eine faire Entlohnung ist", sagt Hosennen der "Huffington Post".

Ikea will den Ex-Praktikanten anschließend zudem helfen, dauerhaft einen Job in der Schweiz zu bekommen - bei Logistikpartnern zum Beispiel: „Wir planen, Ausbildungsprogramme für rund hundert Flüchtlinge anzubieten", sagt Severin Baer, Geschäftsleitungsmitglied der Logistikfirma Planzer, einem Unternehmen, das eng mit Ikea zusammenarbeitet.

Im Rahmen des initiierten Programms können sich die Asylsuchenden zum Logistiker oder Lastwagenfahrer ausbilden lassen. Natürlich, 100 Arbeitsplätze scheinen angesichts der aktuellen Lage nicht viel. Würden aber mehr Großunternehmen - auch in Deutschland - nach dem Vorbild Ikea handeln, könnten viele Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden.

All das ist übrigens keine reine Wohltätigkeitsveranstaltung: Wie andere Unternehmen auch, hat der Logistiker Planzer Schwierigkeiten, freie Stellen zu besetzen. Gelingt es, die Praktikanten und zusätzlichen Azubis unter den Flüchtlingen zu finden, würden die sofort dazu beitragen, das Schweizer Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Bislang handeln viele zu wenige Unternehmen so wie Ikea.

Auch Daimler stellt Flüchtlinge ein

Ein paar Beispiele aber, gibt es doch: Der Automobilhersteller Daimler etwa hat diese Woche 40 Flüchtlinge eingestellt, die heute ihr Praktikum beginnen. 14 Wochen lang werden sie im Werk Stuttgart-Untertürkheim in verschiedenen Abteilungen mitarbeiten.

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