POLITIK
09/11/2015 13:59 CET | Aktualisiert 10/11/2015 15:01 CET

Altkanzler Helmut Schmidt: "Wenn es vorbei ist, ist es vorbei"

Familie, Freunde und Bewunderer bangen derzeit um Helmut Schmidt. Am Montag wurde bekannt, dass sich der Zustand des Altkanzlers verschlechtert hat. Er soll bewusstlos sein. Für Deutschland ein Schock! Der 96-Jährige hingegen sah bereits im Frühling 2015 sein Alter kritisch. "Ich finde das Alter von 96 ziemlich lästig, aber verhindern kann ich das nicht", erklärte Helmut Schmidt in der Talk-Show "Menschen bei Maischberger". "Ich will nicht 100 Jahre werden, aber auch das kann ich nicht verhindern." Daran erinnert jetzt "Focus Online". Ein Leben nach dem Tod schließe der Sozialdemokrat aber demnach aus. "Wenn es vorbei ist, ist es vorbei", so Schmidt damals in der Sendung.

Mehr als ein halbes Jahr später haben die Ärzte offenbar keine Hoffnung für den Altkanzler. Seit dem Wochenende habe sich der Gesundheitszustand des 96-Jährigen "kontinuierlich und dramatisch" verschlechtert, sagte Schmidts Leibarzt Prof. Heiner Greten. Das berichtet das "Hamburger Abendblatt". "Die Lage ist außerordentlich prekär", sagte Greten weiter. Es gebe keine Hoffnung auf Besserung. Allerdings werde Schmidt nicht leiden müssen.

Zuvor hatte Greten mitgeteilt, der Altkanzler habe hohes Fieber und sei nicht ansprechbar. Schmidts Zustand habe sich seit Sonntag noch einmal dramatisch zugespitzt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Freunde rechnen "mit dem Schlimmsten". Sein Arzt sagt zudem, er habe "kaum noch Widerstandskräfte".

Greten, der laut "Abendblatt" auch Vertrauter und Freund des Altkanzlers ist, betonte, er sei in Absprache mit Schmidts Tochter befugt, Auskunft zu geben, ohne die ärztliche Schweigepflicht zu verletzen. "Die Familie akzeptiert das große Interesse der Öffentlichkeit am Wohle Helmut Schmidts und freut sich über die Anteilnahme der Hamburger."

Vor seinem Haus in Hamburg hätten sich Schaulustige und Reporter versammelt, berichtet die Zeitung. Im Inneren kümmerten sich medizinisches Personal und Schmidts Tochter Susanne um den früheren Politiker. Auch seine 82-jährige Lebensgefährtin Ruth Loah sei an Schmidts Seite.

Greten sagte, eigentlich müsste Schmidt ins Krankenhaus verlegt werden. "Allerdings ist es sein Wunsch und der seiner Familie, dass er daheim bleibt, in seinem vertrauten Umfeld also. Ich persönlich kann diesen Wunsch sehr gut nachvollziehen." Außerdem sei jeder Klinikbesuch in seinem Alter mit Strapazen verbunden. "Ob in seinem Fall also letztlich die Versorgung im Krankenhaus besser wäre, glaube ich nicht."

Schon seit Tagen geht es mit der Gesundheit des Altkanzlers bergab. Nachdem Schmidt im September aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hat sich sein Zustand in den vergangenen Tagen wieder dramatisch verschlechtert. "Helmut geht es ganz und gar nicht gut", zitiert das "Hamburger Abendblatt" aus dem Freundeskreis des 96-Jährigen.

Der Altkanzler war Anfang September in Hamburg wegen eines Blutgerinnsels am Bein operiert worden. Nach gut zwei Wochen verließ er das Krankenhaus und kehrte in sein Haus in Hamburg-Langenhorn zurück, wo er rund um die Uhr betreut wird. "Die Entlassung erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten", hatte die Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg damals erklärt.

Die erhoffte Stabilisierung ist laut dem "Hamburger Abendblatt" nicht eingetreten. "In seinem hohen Alter ist jeder Eingriff ein großes Problem", zitierte das Blatt eine Kontaktperson aus der Klinik. Nach seiner Entlassung aus der Klinik Mitte September hatte Schmidts Kardiologe Karl-Heinz Kuck die Hoffnung geäußert, dass der 96-Jährige zu Hause wieder zu Kräften kommt. Gegen eine Zigarette hatte Kuck damals nichts einzuwenden. "Schmidt raucht seit mehr als 80 Jahren. Er soll ruhig wieder zur Zigarette greifen. Hauptsache, er bewegt sich."

In der Klinik hatte der SPD-Politiker und Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" nach Angaben der Ärzte nicht geraucht. Er habe aber ein Nikotinpflaster bekommen. Bei früheren Krankenhausaufenthalten soll der Altkanzler nach Informationen aus Klinikkreisen immer geraucht haben - ungeachtet eines Verbots.

Schmidt war von 1974 und bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. In der Großen Koalition war er zuvor von 1967 bis 1969 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und danach Verteidigungs- und Finanzminister. Den Hamburgern ist Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis. Der Sohn eines Volksschullehrers kam am 23. Dezember 1918 im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek zur Welt.

Mit Material von dpa

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