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10/11/2015 04:49 CET | Aktualisiert 10/11/2015 04:50 CET

Der neue DFB-Chef will es wissen: Was wusste Beckenbauer?

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In der Sommermärchen-Affäre erhöht sich der Druck auf Franz Beckenbauer

Jetzt ist Beckenbauer dran. Am Tag nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Niersbach verspricht der Deutsche Fußball-Bund weiter eine konsequente Aufklärung der immer brisanteren Sommermärchen-Affäre. Angesichts neuer - auf mögliche Korruptionsversuche zumindest hindeutenden - Erkenntnisse rückt immer mehr Franz Beckenbauer als WM-Organisationschef 2006 ins Blickfeld.

Der Übergangs-Chef des DFB verlangt Antworten. "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Interims-Präsident Rainer Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Reinhard Rauball vorläufig die DFB-Geschäfte in dessen größter Krise führen wird.

Koch will wissen, ob bei der WM-Vergabe bestochen wurde. "Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?", hatte er unmittelbar nach dem Rücktritt Niersbachs gesagt und damit Spekulationen über gravierende Verfehlungen der WM-Macher geschürt.

Zudem sind neue Unterlagen aufgetaucht. Nach einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" soll bei internen Ermittlungen im DFB ein Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000 gefunden worden sein, der einem Mitglied der FIFA-Exekutive Vorteile versprochen haben könnte.

Es ist ein alter Bekannter. Wie die "SZ" unter Berufung auf einen Insider weiter berichtete, steht der Ex-Spitzenfunktionär Jack Warner in Verdacht möglicher Nutznießer gewesen zu sein. Warner war ehemals Präsident des nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fußballverbandes (CONCACAF) sowie bis 2011 auch Vizepräsident des Weltverbandes FIFA. Warner war im September lebenslang wegen Korruption gesperrt worden.

Bisher hielt sich Beckenbauer bedeckt. Er hatte nur gegenüber den DFB-Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Freshfields ausgesagt. In einem Vier-Augen-Gespräch mit Niersbach soll es aber zu Dissonanzen zwischen den jahrzehntelangen Männerfreunden zum Umgang mit der Affäre gekommen sein.

Die Frage nach einem Nachfolger für Niersbach rückt etwas in den Hintergrund. Koch und Rauball sind als Interimspräsidenten natürliche Kandidaten. Doch die Machtfrage im DFB könnte in den kommenden Wochen intensiv diskutiert werden.

Auch Schatzmeister Reinhard Grindel werden Ambitionen nachgesagt. Oliver Bierhoff, als Teammanager der Weltmeister-Auswahl dem Profifußball zugewandt, fehlen wohl der unbedingte Wille und auch die Unterstützung der weiterhin mächtigen Amateurbasis.

Koch und Rauball müssen jetzt ihre Aufgabeverteilung klären. Etwas überraschend wollen sie dies nicht unmittelbar in der Verbandszentrale besprechen, sondern hierfür die Nationalmannschaftsreise nach Paris von Donnerstag an nutzen.

Rauball übernimmt für Niersbach die Delegationsleitung beim Auftritt des Weltmeisters beim EM-Gastgeber. Koch und Grindel sind in der französischen Hauptstadt ebenfalls vor Ort. Die Aufräumarbeiten in der DFB-Zentrale finden also zumindest in der zweiten Wochenhälfte ohne die neue Führungscrew statt.

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