WIRTSCHAFT
09/11/2015 12:32 CET | Aktualisiert 12/11/2015 13:38 CET

Deutsche Bahn warnt vor Abzocke bei "Bahnheld"

Getty
Billige Bahntickets im Netz sind für viele Kunden verlockend. Gegen das Schnäppchen-Portal "bahnheld.de" wird aber nun ermittelt.

Spontan verreisen kann teuer werden. Zumindest wenn man mit der Deutschen Bahn fahren will und sich nicht bereits Wochen vorher um ein Ticket bemüht hat.

Wer zum Beispiel am kommenden Wochenende mit dem ICE von München nach Hamburg reisen möchte, muss mit dem Normalpreis von 142 Euro rechnen. Mit Glück ergattert man noch einen Sparpreis zwischen 95 oder 125 Euro.

Das Internetportal "bahnheld.de“ (beziehungsweise "bahnheld.com") verspricht genau für diese Fälle verlockende Schnäppchen-Angebote: 50 Prozent Rabatt auf jede Fahrt, die mindestens 24 Stunden vorher gekauft wird. Im oben genannten Beispiel könnte ein Bahnkunde also für 71 statt 142 Euro reisen. Ein unschlagbarer Preis.

Und noch besser: Mit der Buchung bei "bahnheld.de“ unterstützt der Kunde angeblich sogar noch einen guten Zweck. "Die Erlöse von Bahnheld werden komplett an Spendenorganisationen gespendet“, steht auf der Website. Daneben prangen die Logos von SOS-Kinderdorf, Unicef und WWF.

Ermittlungen wegen bandenmäßigen Betrugs

Doch das auf den ersten Blick tolle Angebot trügt: Gegen den Betreiber des Schnäppchen-Portals, laut Impressum ein Mann namens Bernhard Thill, wird wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen bandenmäßigen Computerbetrugs ermittelt. Das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin gegenüber der Huffington Post.

Demnach vermuten die Ermittler, dass die Betreiber der Website die Fahrkarten anhand von "missbräuchlicher Verwendung von Kreditkarten-Daten erlangen“ und weiterverkaufen würden.

Deutsche Bahn warnt Tickets bei Online-Portal "Bahnheld" zu kaufen

Die Deutsche Bahn warnt daher jetzt Kunden eindringlich davor, Online-Tickets auf "bahnheld.com" zu kaufen. Tatsache ist, dass es keine Zusammenarbeit mit der DB gibt, so die Deutsche Bahn in einer Pressemitteilung. Hinzu kommt, dass die Online-Tickets durch den mutmaßlichen Betrüger vor dem Versand manipuliert werde und damit bei einer Kontrolle als gefälscht erkannt werden könnten. "Kunden, die solche Online-Tickets kaufen, laufen demnach Gefahr, Teil eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens zu werden", warnt das Unternehmen. "Außerdem stellt die DB nicht bezahlte Online-Tickets den Nutzern in Rechnung, so dass die Kunden die Fahrkarten letztlich doppelt bezahlen. Darüber hinaus geben sie dem mutmaßlichen Betrüger im Zuge des Bezahlvorgangs persönliche Daten preis, die für weitere strafbare Handlungen genutzt werden könnten."

"bahnheld.de“ weist die Vorwürfe in einem Statement, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, zurück. Angeblich seien die Vorwürfe "nicht bewiesen" und fußten auf "stupiden Behauptungen".

Ihren FAQs zufolge kommen die günstigen Preise zustande, weil viele Bahnkunden ihre Gutscheine, die sie zum Beispiel bei Streiks oder Verspätungen als Entschädigung von der Bahn bekommen, spenden. "bahnheld.de“ verkaufe diese Freifahrten dann zu günstigen Konditionen weiter und spendet den Erlös an Hilfsorganisationen.

Keinerlei Spenden geflossen

Auf Anfrage der Huffington Post aber gaben die Hilfsorganisationen an, noch keinerlei Zuwendung von "bahnheld.de" erhalten zu haben. Sowohl der WWF als auch Unicef und SOS Kinderdörfer haben bereits rechtliche Schritte gegen den Betreiber der Website eingeleitet.

"Da schmückt sich jemand unerlaubter Weise mit dem Image unserer Organisation. So funktioniert Sponsoring nicht“, sagt beispielsweise Jörn Ehlers, Sprecher vom WWF Deutschland. "Wir halten das für eine Betrugsseite“, bestätigt auch Louay Yassin, Sprecher der SOS Kinderdörfer.

Auch dazu hat der Geschäftsführer von "bahnheld.de" etwas zu sagen: Dass bislang noch keine Spenden geflossen seien, erklärt er mit Werbe- und Personalkosten die zunächst beglichen werden müssten.

Hinweise auf Scheinfirma

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt derzeit gegen Unbekannt. "Die Verantwortlichen konnten bislang noch nicht ermittelt werden“, sagte ein Sprecher der Behörde der Huffington Post. Im Impressum steht eine Firma, deren Sitz nach eigenen Angaben in Luxemburg ist. Im Handelsregister ist die Firma allerdings nicht zu finden. Alles Hinweise auf eine Scheinfirma.

Das Problem: Dass die Website die Tickets womöglich mit den Kreditkartendaten fremder Personen erwirbt, ist für den Käufer auf den ersten Blick so nicht ersichtlich. "Wir ermitteln derzeit gegen mehrere solcher Betrugs-Portale. 'bahnheld.de’ ist allerdings außergewöhnlich professionell aufgezogen“, so Martin Steltner von der Generalstaatsanwaltschaft Berlin.

Warum es für Kunden gefährlich werden kann

Die Deutsche Bahn hat öfter mit solchen Betrugsfällen zu tun und erleidet dadurch einen Schaden in Millionenhöhe. Denn wenn die Inhaber der Kreditkarten die von ihnen nicht getätigte Buchung beanstanden, muss die Bahn in der Regel den geprellten Karteninhabern den Preis zurückerstatten.

Seit vergangenem Jahr hat die Bahn daher ihr Kleingedrucktes geändert: Wer über eine illegale Website ein Bahnticket kauft und die Beförderungsbedingungen online akzeptiert, kann später für das falsche Schnäppchen belangt werden.

Wenn der betrogenen Kreditkarten-Besitzer sich bei der Bahn meldet, kann die Bahn den Betrag dem Reisenden in Rechnung stellen. Im Ernstfall zahlt ein Schnäppchen-Kunde also doppelt: Erst den vermeintlichen Rabatt-Preis und dann nochmal den vollen Preis an die Bahn.

Kunden, die online ihre Tickets buchen, sollten also am besten bei der Bahn direkt buchen oder den Weg über einen der rund 40 autorisierten Händler gehen.

Wie ihr auf seriöse Bahn-Angebote aufmerksam werdet, lest ihr hier.

Nur ein Portal, bei dem der Buchungsprozess von der Auswahl eines Zuges bis zur Übermittlung der Fahrkarte für den Kunden komplett transparent abläuft, ist vertrauenswürdig.

Anmerkung der Redaktion: Suchanfragen auf "bahnheld.de" haben am Montagvormittag nicht funktioniert. Auf seiner Facebookseite hat das Portal diesbezüglich in der Vergangenheit öfter von technischen Fehlern gesprochen.

Anmerkung der Redaktion vom 12.11.2015:

In einer vorherigen Version hat die Redaktion an dieser Stelle ein Statement der Betreiber von bahnheld.de veröffentlicht. In diesem wurde behauptet, dass das Projekt gemeinsam mit einem der Geschäftsführer von FromAtoB.de betrieben wird.

Auf Nachfrage der Huffington Post Deutschland bei den Betreibern von FromAtoB.de hat sich herausgestellt, dass diese Behauptungen nicht haltbar sind und nicht der Wahrheit entsprechen:

"fromAtoB distanziert sich vollständig von jeglichen Äußerungen der Betreiber von Bahnheld.com / .de. Es bestanden weder in der Vergangenheit noch zum aktuellen Zeitpunkt irgendwelche Geschäftsbeziehungen zu den Betreibern dieser Internetseite. fromAtoB.de ist offizieller & akkreditierter Vertragspartner der Deutschen Bahn und verkauft seit vielen Jahren erfolgreich Tickets im Auftrag der Deutschen Bahn. Auf die automatische Weiterleitung beim Besuch von bahnheld.com oder .de auf fromAtoB.de haben wir leider keinerlei Einfluss."

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