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08/11/2015 21:33 CET | Aktualisiert 09/11/2015 09:39 CET

Mit einer einfachen Idee will ein Student das Leben von Millionen Menschen verbessern

Anantha Vardhan via Getty Images
concept of educating poor

Für die Einwohner des kleines indischen Dorfes Naro ka Kheda im Bundesstaat Rajasthan war es ganz normal, jede Woche sieben Kilometer zu laufen, um ihr Handy aufzuladen.

Das Dorf hatte nie eine eigene Stromversorgung. Bis Ende Juli 2015 - da wurde das erste Haus des Orts ans Stromnetz angeschlossen. Ermöglicht hatte das ein Student. Seine Idee könnte für Dörfer auf der ganzen Welt zum Vorbild werden - und das Leben von Millionen Menschen verbessern.

Prabh Singh der heute in Großbritannien lebt, aber ursprünglich aus Delhi kommt, hatte in seiner Jugend immer davon geträumt, einen Anzug zu tragen und als Investmentbanker zu arbeiten. Stattdessen hat er jetzt den Plan ausgeheckt, abgelegene Dörfer in seinem Heimatland mit Strom zu versorgen. Inspiriert wurde er von Solarzellen, die bei Ebay angeboten werden.

prabh singh

(Singh wurde von Ebay inspiriert, Foto: P. Singh)

"Ich unterhielt mich mit drei Studienkollegen über Solarzellen bei Ebay und darüber, wie viele Briten auf Angelausflügen abgekoppelt vom Versorgungsnetz leben und dabei günstigen Solarstrom nutzen", sagt er. Das brachte ihn auf seine Idee.

Die besteht aus einem leicht installierbaren Strom-Bausatz. Er enthält eine Solarzelle, drei Glühbirnen, eine Neonröhre und eine Ladebuchse für ein Mobiltelefon. Daraus wird am Ende eine Art Überall-Kraftwerk, das selbst auf dem abgelegenen Land verfügbar ist und Strom für Handys und Lampen liefert. Das Projekt heißt "Kiran", übersetzt "Lichtstrahl".

"Ich dachte mir, wenn die Menschen im Westen Solarstrom als ein Luxusgut nutzen können, warum können die Menschen in meiner Heimat sich dann nicht Solarstrom als etwas Notwendiges zu Nutze machen?", sagt Prabh.

So wie den Bewohnern von Naro ka Kheda geht es rund 1,3 Milliarden Menschen weltweit - sie haben keinen Zugang zur Stromversorgung. Die Folgen sind gravierend. Kinder können ohne Licht am Abend keine Hausaufgaben machen. Ihre Bildung leidet. Krankenhäuser können ohne Strom nicht funktionieren. Und auch Frauen bewegen sich nicht sicher durch Dörfer, wenn die Beleuchtung fehlt.

Prabh ist aber nicht allein in seinem Bemühen, die armen Regionen der Welt mit Strom und Beleuchtung zu versorgen. So hat auch das Startup "Liter fo Light" beinahe 100.000 günstige Solarlampen weltweit installiert. Die Idee ist ganz ähnlich wie bei Prabh: Aus günstigen, leicht verfügbaren Teilen baut der Startup-Gründer Illac Diaz Solarlampen.

Mit den Handyladebuchsen verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem Licht. Bauern in Entwicklungsländern nutzen Handys inzwischen für alles von Banküberweisungen bis hin zum Lesen von Wetterberichten. Damit können sie ihre Ernten besser planen und durch weniger Verluste bei den Nahrungsmitteln Hungersnöte vermeiden. Wenn Strom zum Laden der Telefone verfügbar ist, hilft das also der Entwicklung vor Ort.

house

Eine Solarzelle befindet sich auf dem Dach eines Hauses des Dorfes.

Um sein Projekt anzuschieben, musste Prabh rund 9.500 Euro sammeln. Er finanzierte es durch ein Crowdfunding von den Dorfbewohnern und dem North East Centre for Technology Application and Reach (NECTAR), einer autonomen Regierungsorganisation in Indien, die zugestimmt hat, das seine Solar-Vision zu unterstützen.

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Kinder aus dem Dorf posieren mit einer von Singhs Solarzellen.

Jetzt möchte Prabh Singh seinen "Lichtstrahl" in noch mehr Dörfer bringen. Er hofft, dass er sein Projekt zu einem profitablen Geschäft ausbauen kann, das den Unternehmergeist besonders in ländlichen Gegenden anregt. „Das Projekt soll in 50 weiteren entlegenen Dörfern in Indien ins Leben gerufen werden, basierend auf dem gleichen Service- und Einnahmen-Mechanismus.“ Funktioniert das, könnte es das Leben von Millionen Menschen verbessern.

„Die Freude und das Erstaunen, das ich in den Augen der Menschen aus dem Dorf sah, nachdem sie in ihren Häusern zum allerersten Mal Strom hatten, ist mit keinem Erfolg, den ich mir nur irgendwie erträumen könnte, vergleichbar", sagt Prabh.

Dieser Artikel erschien zunächst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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