WIRTSCHAFT
08/11/2015 10:34 CET | Aktualisiert 09/11/2015 09:41 CET

Alkohol, Drogen, wilde Partys: So krass rechnet ein Investmentbanker mit seiner Branche ab

screenshot twitter
Eine durch und durch versaute Branche

Der Hedge-Fons Manager John LeFevre wurde bekannt als "Maulwurf" der Großbank Goldman Sachs. Jahrelang twitterte der 35-jährige Texaner vermeintliche interne Plaudereien aus den Aufzügen der glamourösen Investmentbank. LeFevre nahm kein Blatt vor den Mund: Er berichtete von Alkohol-, und Drogenexzessen und brutalem Erfolgsdruck. All das, was die Öffentlichkeit nach der Finanzkrise mit der Branche in Verbindung brachte.

Doch LeFevre hatte sich seine Tweets nur ausgedacht, angeblich sollen sie aber das spiegeln, was er tatsächlich erlebt hat, als Banker. Wenn auch nicht als Banker bei Goldman Sachs, für die Bank hat er nie gearbeitet.

Im vergangenen Jahr flog sein Schwindel auf. Seiner Popularität hat das wenig geschadet: Jetzt hat der Banker seine Autobiographie mit dem Titel "Ab in die Hölle. Die wahre Geschichte eines Investmentbankers von Exzessen, Wahnsinn und Milliarden-Deals“ geschrieben, in der er gnadenlos mit seiner Branche abrechnet.

Im Interview mit dem "Business Insider" erzählte LeFevre seine Geschichte:

Auch im Interview mit der "Welt am Sonntag" prangert LeFavre die Kultur des Bankenwesens an. Denn: "Es gibt keinen Hedgefondsmanager, der nicht im Job regelmäßig mit Drogen und Nutten gehandelt hätte". Ähnlich hatte er sich auch im "Business Insider" geäußert.

Hier seine 5 krassesten Aussagen:

1. Der Kunde war den Bankern vollkommen egal

"Wir immer wieder unsere eigenen Interessen über die unserer Kunden gestellt", sagte LeFevre dem "Business Insider". So habe er einen vom Kunden gewünschten Deal verschoben, obwohl die Bedingungen dafür offenbar günstig waren und jedes Warten Risiko bedeutete - nur, um den erwarteten Gewinn auf den eigenen Bonus im nächsten Jahr anrechnen zu können.

2. Ein exzessiver Lebensstil ist Teil des Jobs

"Drogenkonsum mit Kunden, Ausgehen und Trinkgelage, jede Nacht Party", sagte er der "Wams". Vor allem zu den Geschäften im Hedge-Fonds-Bereich gehöre ein Leben in Luxus. Komme man damit nicht klar, hat man laut LeFevre in diesem Business keine große Zukunft.

3. Höhere Boni für besseres Partymachen

Hält man sich an die Regeln, steige das Vertrauen der Vorgesetzten und die Aussicht auf hohe Boni. "Wenn ich mir meine damaligen Boni ansehe und meine Performance, dann hing die Höhe meines Gehalts definitiv damit zusammen, wie gut ich im Trinken, Golfen oder beim Dinner mit Kunden war", sagt LeFevre der Zeitung.

4. Ehrliche Typen haben keine Chance

John LeFevre berichtet, dass Ehrlichkeit als Schwäche ausgelegt wurde. Und als Illoyalität. "Wenn einer der älteren Kollegen illegale oder unethische Sachen machte, dann hast du das alles für dich behalten, um dazuzugehören", sagte er der "Wams". Im "Business Insider" erzählt er allerdings auch, wie er einen zwielichtigen Kollegen hereinlegte und dafür sorgte, dass der gefeuert wurde. Allerdings offenbar weniger aus moralischen Erwägungen. Sondern weil der Kollege alle nervte.

5. Sexismus ist allgegenwärtig

LeFevre erzählt, dass vor allem die Hedge Fonds stets junge gut aussehende Mitarbeiterinnen bei den Meetings dabei haben wollten. Diese Frauen, erklärt er, dachten, sie dürften wegen ihrer beruflichen Qualitäten an den Treffen teilnehmen. Weit gefehlt, es ging nur um Äußerlichkeiten. "Wir nannten sie ,Tittered goats', Ziegen mit Brüsten."

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