POLITIK
07/11/2015 17:44 CET

Scientology: 10 Fakten zeigen, wie gefährlich die Sekte wirklich ist

thinkstock.de
Die Scientology-Zentrale in Berlin

"Troublemaker: Surviving Hollywood and Scientolgy": Das Buch, das eben in den USA erschienen ist, zieht international Aufmerksamkeit auf sich. Nicht nur, weil es die Autobiografie von Schauspielerin Leah Remini ist. Sondern weil der Titel offenbar sehr wörtlich zu nehmen ist: Remini, so schreibt sie es, hat ihre Mitgliedschaft in der Organisation Scientology offenbar nur knapp überlebt.

Die 45-jährige Scientology-Aussteigerin berichtet in ihrem Buch vom "Overboarding", einer Strafe, die Scientology angeblich anwendet. Remini selbst sei als Jugendliche dafür von einem Mann von einem Boot aus ins offene Meer geworfen worden. Sie habe es wieder ins Boot geschafft, tief gedemütigt.

Auch andere Aussteiger hatten über menschenverachtende Praktiken berichtet. So sollen vermeintlich Abtrünnige massiv unter Druck gesetzt werden. In einem Fall etwa soll ein Mann gestorben sein, weil er sich nicht einer lebensrettenden Behandlung unterziehen durfte.

Das Buch facht die Diskussion über Scientology neu an. Die Organisation selbst bezeichnet sich als Kirche. In Deutschland gilt sie als Sekte und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. 4000 Mitglieder hat sie seriösen Schätzungen zufolge hierzulande, weltweit sollen es um die 150.000 sein.

Diese 10 Fakten zeigen, was die Sekte wirklich ausmacht.

1. Gründer L. Ron Hubbard war Science-Fiction-Autor - so lesen sich auch die heiligen Schriften der Sekte

1084 Bücher verfasste der Autor L. Ron Hubbard in seiner literarischen Karriere. Die meisten davon Romane, in denen Außerirdische eine Rolle spielen. Wegen dieser Produktivität hält er den Weltrekord als Autor mit den meisten veröffentlichten Büchern. Dazu gehören auch vermeintliche Sachbücher, die so etwas wie die Bibel von Scientology darstellen - und ja, auch darin geht es um Aliens.

2. Ein kleiner Kasten gehört zur Grundausstattung

Nichts geht bei Scientology ohne das E-Meter - einen kleinen Kasten mit zwei Elektroden an Kabeln. Damit messen Mitarbeiter der Sekte angeblich das psychische Befinden eines Testteilnehmers, der Fragen beantwortet. Für Neulinge gibt es den Test kostenlos. Der wissenschaftliche Wert: null. Wer sich später, als Mitglied, einer Überprüfung unterzieht, zahlt dafür sehr viel Geld.

3. Mitglieder müssen offenbaren, wie oft sie Sex haben

Scientology ist neugierig - und durchleuchtet seine Mitglieder bis ins Intimleben. Kein Wunder: Wer der Organisation alles von sich preisgegeben hat, der ist erpressbar und kann schwerer aussteigen. Mitglieder müssen darum offenbaren, wie oft und mit wem sie Sex haben.

4. Wer nicht auf Linie ist, wird ins Umerziehungslager gesteckt

Knallhart geht das System Scientology mit Mitgliedern um, die nach Meinung der Organisation nicht treu oder gehorsam genug sind. Eine Aussteigerin berichtet von einem Umerziehungslager, in dem Gefangene 30 Stunden am Stück arbeiten müssen, Reste zu essen bekommen und auf schmutzigen Matratzen schlafen.

5. Es gibt gute und schlechte Menschen

Die Lehre der Sekte beruht auf einem hierarchischen System, das sich Gründer L. Ron Hubbard selbst ausgedacht hat. Demnach sind Menschen von den Seelen der ermordeten Mitglieder einer Raumpatrouille besessen, den Thetanen. Nur durch die religiöse Betätigung könne man sich davon befreien und irgendwann zu einem völlig gereinigten Zustand aufsteigen - dem "Operierenden Thetan".

6. Die Lebenslüge des Gründers

Hubbard lebte von 1911 bis 1986. Der Religionsstifter gilt innerhalb der Gemeinschaft als gereinigter Mensch, als "Operierender Thetan". Im echten Leben handelte er nicht besonders rein und gut. Als seine zweite Frau ihn zu verlassen drohte, soll er die gemeinsame Tochter entführt und ihren Tod vorgetäuscht haben.

7. Die Organisation zieht Promis an - weit mehr als Tom Cruise

Tom Cruise ist das prominenteste Mitglied von Scientology - und wie Hubbard ein "Operierender Thetan". Er ist allerdings nicht der einzige: Auch Schauspielkollege John Travolta gehört dazu. Er ist angeblich nur noch Mitglied, weil die Organisation so viel über ihn weiß, dass ein Austritt etliche private Geheimnisse ans Tageslicht fördern würde. Weitere Berühmtheiten, die in der Sekte waren oder sind: Nicole Kidman, Katie Holmes oder Kirstie Alley.

8. Allzeit bereit für den Weltuntergang

Zentraler Bestandteil des Scientology-Glaubens ist die Überzeugung, dass der Weltuntergang bevorstehe. Das hat die Sekte mit anderen Kultgemeinschaften gemein - doch keine nimmt es so ernst wie Scientology: In der Nähe von Los Angeles hat die Organisation einen Atombunker gebaut, in dem Mitglieder im Fall der Fälle angeblich Unterschlupf finden können.

9. Die Sekte unterhält ein Arbeitslager für Kinder

Über den Gipfel der Niedertracht berichteten australische Medien: Demnach unterhält Scientology auf dem Kontinent ein Arbeitslager, in dem Kinder gefangen gehalten werden. Dort leben junge Menschen abgeschottet von der Außenwelt zum Zweck der Indoktrination, heißt es.

10. Scientology ist eine Geldmaschine

Die Aufnahme bei Scientology ist unkompliziert und kostenlos. Dann wird es teurer: Für Kurse und Prüfungen zahlen Mitglieder Geld. Wer also aufsteigen will, der muss nicht zwangsläufig rein und moralisch sein, sondern vor allem finanziell gut ausgestattet. Der Studie eines Religionswissenschaftliches kostet der Weg zum "Operierenden Thetan" rund 270.000 Euro.

Das lohnt sich für die Zentrale: Weltweit soll die Gemeinschaft rund 100 Millionen Dollar pro Jahr erwirtschaften, wie der baden-württembergische Verfassungsschutz ermittelt hat. Ein deutsches Gerichtsurteil stufte Scientology deshalb nicht als Kirche ein - sondern als profitorientierte Organisation. So kann sich die Sekte auch ein schickes Anwerbezentrum in der Berliner Innenstadt leisten.

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