Huffpost Germany

"Unfassbare Reichweiten": 4 Zeichen, dass die Nato das Wettrüsten mit Putin verliert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WLADIMIR PUTIN
Der russische Präsident Wladimir Putin | Getty
Drucken

Die Nato protzte mit ihren Waffen: Gefechtslärm, Rauchwolken und das Knattern von Kampfhubschrauber - all das war gestern Teil einer großen Show zum Abschluss der größten Bündnisübung seit 13 Jahren. Rund 36.000 Soldaten, darunter rund 3000 aus Deutschland, haben in den vergangenen Wochen in Spanien, Italien und Portugal für Konflikte trainiert, die für die Nato in naher Zukunft ein Thema werden könnten.

Nato-Soldaten üben den schnellen Einsatz. Natürlich hat das Verteidigungsbündnis bei diesen Übungen vor allem einen potentiellen Gegner im Blick: Russland. Das Szenario der Übung: Ein instabiler Staat namens "Casa Alta" wird durch einen anderen Staat besetzt. Die Nato bekommt ein UN-Mandat und greift ein. Das erinnert an die Situation in der Ukraine.

Das Bündnis ist stolz auf sich. "Die Übung demonstriert, dass wir im großen Stil und über große Gebiete hinweg operieren können", kommentiert der am Mittwoch extra aus Brüssel eingeflogene Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Egal ob im Süden oder im Osten.

Mit dabei - offizielle Beobachter aus Russland. Die können es sich nicht verkneifen, sich über die Nato lustig zu machen. Als die Nato ein Foto von einem im Sand stecken gebliebenen Geländefahrzeug veröffentlichte, war dieses kurz darauf auch auf russischen Websites zu sehen. Mit dem Satz: "Wenn das die Leistungsfähigkeit der Nato ist, dann machen wir uns keine Sorgen."

Der deutsche General und Nato-Kommandeur Hans-Lothar Domröse ärgert sich über den Spott. Allerdings mehr über die Veröffentlichung des Fotos durch seine eigene Leute, als über die russische Verwendung. "Dies bisschen Propaganda, mein Gott, das machen die reflexartig", sagt er.

Er muss zugeben, dass die Nato völlig von der russischen Aufrüstung überrascht wurde. Hier vier Anzeichen, dass die Nato das Wettrüsten mit Russland schon jetzt verloren hat.

1. Putins Truppen machen Manöver wie diese Nato-Übung ständig

Putin kann innerhalb weniger Tage Tausende Soldaten an die ukrainische Grenze verlegen - die Nato braucht dafür zwei Jahre Vorlauf. Putins Soldtaten müssen ständig mit überraschenden Übungen rechnen, die teilweise bis zu 80.000 Soldaten auf die Beine bringen.

Mehr als ein Dutzend solcher Überraschungs-Übungen hat die Nato in Russland in den letzten zwei Jahren gezählt. Putin nutzt diese Manöver nicht nur, um seine Truppen zu trainieren - sondern auch, um die Verlegung von Soldaten zu echten Kampfeinsätzen zu verschleiern.

2. Putins Aufrüstung überraschte die Nato völlig

Putin hat so stark aufgerüstet, dass die heute Hightech haben, das hätten wir nicht gedacht», sagt General Domröse und spricht von einer "riesigen Kluft" zwischen Europäern und Russen. Als Beispiel für die Entwicklungen nennt er die Raketen, die jüngst von einem russischen Kriegsschiff im Kaspischen Meer über den Iran nach Syrien flogen.

"Sie reden heute von Reichweiten, die sind unvorstellbar", kommentiert er. Wenn dasselbe Schiff im Mittelmeer schwimme, könnten die Raketen auch Berlin erreichen. Natürlich sage er aber nicht, dass Putin irgendwelche Pläne in diese Richtung habe, fügt Domröse hinzu.

3. Die Nato ist zerstritten und unflexibel

Klar ist: Die Nato bräuchte weit mehr Manöver wie dieses. Doch wann beziehungsweise ob wieder ein neuer großer Nato-Einsatz ansteht, scheint fraglich. Zu unterschiedlich sind derzeit die Interessen der 28 Mitgliedstaaten. Die einen fordern angesichts der Bedrohung durch islamistischen Terrorismus ein intensiveres Engagement im Süden, andere eine noch stärkere Aufrüstung im Osten als Antwort auf die russische Politik.

Deutschland gehört am ehesten zur dritten großen Gruppe, die am liebsten weder das eine, noch das andere diskutieren würde. Immerhin: Die im vergangenen Jahr beschlossene Aufrüstungsinitiative - die umfassendste seit dem Ende des Kalten Krieges - versetze die Nato in die Lage, allen neuen Herausforderungen begegnen zu können, heißt es von Diplomaten.

4. Die Nato gibt schon jetzt zu, dass sie Putin in einigen Regionen nichts entgegensetzen kann

In einigen Regionen Osteuropas ist das militärische Gleichgewicht zwischen Russland und der Nato schon lange nicht mehr hergestellt. Putin ist sogar in der Lage, in einigen Regionen die Nato zu dominieren und ihr den Zugang zu Mitgliedern und Verbündeten zu verwehren, sagt Domröse: "Putin hätte das Potenzial, uns den Vorhang zu unseren Alliierten zuzumachen." Als Beispiele nennt er Moldawien, Kaliningrad, Georgien oder das Kaspische Meer.

Mit Material der DPA

Russen-U-Boote tauchen nah an Unterseekabeln - USA fürchten Ausfall des Internets

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Hier geht es zurück zur Startseite