POLITIK
05/11/2015 15:27 CET | Aktualisiert 05/11/2015 16:27 CET

Ehemaliger Islamist packt aus - diese Gefahr in Deutschland ignorieren die Politiker

dpa

Als Jugendlicher gehörte Ahmad Mansour zu den radikalisierten arabischen Jugendlichen in Israel. Sein Imam predigte ihm, dass Christen, Amerikaner, Europäer, Nationalisten, Kommunisten "allesamt des Satans" seien.

Heute lebt Mansour, der Psychologie studiert hat, in Berlin. Den radikalen Ideen hat er schon lange abgeschworen. Aber jetzt hat er ein Buch über den Islamismus geschrieben - und wie man ihn in Deutschland bekämpfen kann. Der Titel: "Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen." In dem Buch warnt er vor der Gefahr radikalisierter Jugendlicher und wie sie zu einer Gefahr für Deutschland werden.

Mansour nennt sie "Generation Allah". Viel werde jetzt schon darüber diskutiert, welche Gefahr von den Islamisten ausgeht, die von Deutschland aus für die IS-Terroristen im Irak und Syrien in den Krieg ziehen. Mansour sagte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: "Das ist eine Riesengefahr, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs."

Denn die wirkliche Gefahr - warnt Mansour - werde von Politikern und Sicherheitsbehörden noch völlig unterschätzt.

In dem Interview sagt Mansour über Jugendliche vor allem mit Migrationshintergrund:

"Teilweise sind die Jugendlichen nicht mal religiös. Sie beten nicht mal, sie wissen nicht so viel über ihre Religion, aber ihre Religion ist ihnen sehr, sehr wichtig."

Und weiter:

"Es sind Jugendliche, die an einen bestrafenden Gott glauben, der sehr ähnlich wie der patriarchale Vater agiert und funktioniert: mit klaren Regeln, mit Bestrafung, er lässt mit sich nicht reden, er ist zornig..."

Für die Islamisten und besonders die Salafisten in Deutschland seien diese Jugendlichen die perfekte Beute. Denn sie brauchten nur deren Ideen zu überspitzen, um sie zu radikalisieren.

Das Problem: Die Politik müsse sich endlich dieser Gefahr stellen - bisher werde sie verschwiegen. "Wenn wir Themen in der Mehrheitsgesellschaft, in der Mitte der Gesellschaft tabuisieren, nicht darüber sprechen, dann tun das die Radikalen", warnt er.

Das gehe sogar soweit, dass er, der Ex-Islamist, von Flüchtlingsbefürwortern als Brandstifter bezeichnet werde.

Mansour sagt in bemerkenswerten Sätzen im Deutschlandfunk:

"Aber auf der anderen Seite merke ich, dass manche politische Richtung in diesem Land nur bereit ist, uns, die Muslime, als Opfer wahrzunehmen. Wenn wir die Verantwortung übernehmen, wenn wir Missstände in unserer eigenen Community ansprechen, dann passen wir nicht in dieses Bild und werden ganz schnell entweder nicht wahrgenommen oder auch diffamiert auf eine sehr politische korrekte Art und Weise, natürlich nicht vergleichbar mit dem, was ich von der islamistischen Ecke bekomme, aber das ist für mich auch eine Art von Rassismus."

Um die "Generation Allah" nicht in den Islamismus abdriften zu lassen, müsse Deutschland deshalb eine ehrliche Debatte führen. Über die Schwierigkeiten der Integration, Parallelgesellschaften und Bildung für die Flüchtlinge und Einwanderer.

Schafft das Land das nicht, droht aus vielen Tausend Jugendlichen eine verlorene Generation zu werden.

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