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Gloria von Thurn und Taxis: "Diese Völkerwanderung ist schon eine Art Krieg"

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"Auch jetzt stehen wir ja am Rand des Dritten Weltkriegs."
"Diese Völkerwanderung, die hier auf uns zuströmt, ist schon eine Art Krieg."
"Ich glaube, dass wir in Deutschland die schönsten Jahre jetzt hinter uns haben."

Kritiker der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis werden sich angesichts dieser Zitate bestätigt sehen: Der einstige schräge Vogel der Adelszene, die „Punkter-Fürstin“, ist eine kaum noch erträglich Erzkonservative geworden.

Auf Facebook geht ein Zusammenschnitt der Sendung „Über den Tag hinaus“ des Regensburger Regionalsenders TVA mit der Fürstin durch die Decke. Es scheint, als sehe die Fürstin das bedauernswerte Deutschland durch eine bedrohliche Völkerwanderung gefährdet, die unser schwaches Land einfach nicht aufhalten kann:

Seltsam geschnitten?

Wer sich allerdings die ganze knapp halbstündige Sendung ansieht, muss feststellen, dass die Zitate so geschnitten wurden, dass aus einer Reihe überwiegend vernünftiger Aussagen ein zweiminütiger Aufreger destilliert wurde.

Thurn und Taxis gibt zu, dass sie eine pessimistische Sicht auf die Dinge hat. Dass sie die Welt am Rand eines neuen Weltkriegs wähnt, die Lage für „sehr, sehr ernst“ hält, sie eine „absolute Krisensituation“ sieht. Das kann man als realistische Einschätzung der Lage bezeichnen.

Klar, man traut von Thurn und Taxis einige vermessene Aussagen zu. Insbesondere zu Menschen aus anderen Kulturen. Schließlich war sie es, die 2001 auf rassistische Art über die Gründe der AIDS-Epidemie in Afrika räsonierte: Dort "sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne", ließ die Fürstin ihre Zuhörer wissen.

Nun allerdings gibt sie eine durchaus vernünftige Analyse ab. Sie sagt, sie glaube, dass sich Sicherheit und Wohlstand in Europa wohl auf dem derzeitigen Niveau nicht halten ließen. Eine Meinung, die man vertreten kann, wenn auch nicht muss.

"Diese Völkerwanderung ist schon eine Art Krieg"

„Wir können von Glück reden, wenn wir bei uns keine Bomben fallen hören“, sagt die Fürstin. Das mag nun etwas übertrieben sein. Und der nächste Satz ist sicherlich Hohn für Millionen Menschen. „Man könnte fast sagen, diese Völkerwanderung, die hier auf uns zuströmt, ist schon eine Art Krieg.“

Allerdings nimmt der Satz, den sie danach sagt, der Aussage ihre Schärfe. „Denn wir haben ja Kriege im Nahen Osten, die wir nicht beeinflussen können“, sagt sie da. Sie führt es nicht aus, aber sie lässt die Möglichkeit zu, dass sie nicht die Deutschen als Opfer sieht, sondern die Flüchtlinge, die Deutschland durch ihre Bitte um Aufnahme aktiv ins Weltgeschehen involvieren.

„Diese Krise im Nahen Osten kann nur von den Großmächten bewältigt werden“, sagt die Fürstin. „Da sind wir leider in Europa nur Randfiguren.“ Auch das kann man durchaus so sehen.

Und dann sagt sie noch, dass es klar sei, dass Menschen, die in Regionen ohne Arbeit oder in Hunger lebten, sich einen Platz suchten, wo sie womöglich besser leben könnten. Es sei vermessen zu glauben, dass wir das Problem solcher großer Völkerwanderungen allein lösen könnten.

Man kann sich über die Fürstin prima aufregen - aber nicht deswegen

Das klingt anders als im Zusammenschnitt. Man muss Gloria von Thurn und Taxis nicht mögen. Wirklich nicht. Nur der Zusammenschnitt für Facebook taugt nicht als Aufreger.

Tipp: Wer sich trotzdem gerne über aufregen möchte, dem sei das Interview in Originallänge und das Making-of empfohlen. Die Fürstin wird derart hofiert, dass es schon absurd wirkt. Aber da kann sie ja nichts dafür.

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