WIRTSCHAFT
04/11/2015 11:17 CET | Aktualisiert 26/01/2016 15:46 CET

Dieses vermeintliche Billig-Angebot bei Lidl ist in Wahrheit viel teurer als ihr dachtet

Egal ob Gemüse, Nudeln oder Brot: Wer Geld sparen möchte, geht zum Discounter um die Ecke. Aber die Billigketten haben nicht nur Lebensmittel im Angebot: Inzwischen bieten Aldi, Lidl und Co. auch Urlaubsreisen an.

Ein Kurztrip nach Venedig oder eine Mittelmeer-Kreuzfahrt zum Spottpreis – davon gehen die Kunden zumindest aus, wenn sie die Prospekte der Discounter in den Händen halten.

Aber stehen hinter den Discounterreisen wirklich auch Discounterpreise? Das WDR-Magazin „Servicezeit“ hat die vermeintlichen Billigangebote jetzt unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: In einigen Fällen sollten Kunden besser die Finger von den Billigreisen lassen – denn die Angebote sind bei weitem nicht so günstig, wie die Discounter versprechen.

Mehr als 100 Euro teurer

Um das herauszufinden, haben die Experten der „Servicezeit“ die Prospekte von Aldi, Lidl, Netto und Penny mit den Angeboten aus dem Internet verglichen. Der Zeitraum, Hotel und Verpflegungen waren komplett identisch.

Aldi Nord zum Beispiel bietet einen Urlaub in der Türkei für 529 Euro an. Die exakt gleiche Reise gibt’s bei einem Onlineanbieter aber schon für schlappe 385 Euro. Hier könnte der Kunde also knapp 145 Euro sparen.

Auch die All-Inklusive-Reise nach Ägypten von Lidl ist viel teurer als bei einem Onlineanbieter: 468 Euro kostet das vermeintliche Schnäppchen beim Discounter, online gibt es die Reise aber 50 Euro billiger.

Auch die Stichproben bei Penny und Netto fielen ähnlich aus. In den meisten Fällen war der Discounturlaub überteuert.

So kommen die teureren Discounterpreise zustande

Zum einen stehen hinter den Reisen bei Lidl, Aldi, Penny oder Netto häufig große Reiseveranstalter, die den Verkauf der Reisen über den Discounter-Prospekt als attraktiven Vertriebsweg nutzen.

„Es wird mit dem Image des Discounters gespielt“, sagt der Reiserechtsexperte Hans-Josef Vogel.

Auch Kurt Meier von der Plattform "Sparratgeber.de" kennt die Probleme der vermeintlichen Billigangebote: "Der Kunde sieht im Prospekt keine Alternativangebote, im Internet kann er Angebote vergleichen. Deswegen betrifft es vor allem ältere Menschen. Die Discounter schlachten diesen Vorteil hemmungslos aus", sagt er im Gespräch mit der "Huffington Post".

Bessere Preise bei Onlineanbietern

Zum anderen erwerben Discounter die Reisen häufig in Paketen zu festen Preisen. Auf spätere Preissenkungen können sie deshalb nicht mehr reagieren.

Anders ist das bei den Onlineanbietern: Die können auf Marktschwankungen reagieren und ihre Angebote anpassen. Das bedeutet: Wenn zum Beispiel ein Flug drei Monate später billiger ist, passt der Onlineanbieter den Preis der Pauschalreise spontan an. Der Discounter kann das nachträglich nicht mehr. So erklären sich die überteuerten Reisen im Vergleich mit den Onlineanbietern.

Gleiches auch bei Kreuzfahrten

Aber überraschenderweise sind nicht nur Onlineanbieter billiger als die Discounter. Auch die oft als teuer verschrieenen Reisebüros sind im direkten Vergleich oft günstiger als die Billig-Supermärkte.

Dafür haben die Experten von „Servicezeit“ acht Kreuzfahrten verglichen. Das Ergebnis: Zwei von acht Kreuzfahrten aus den Discounter-Prospekten konnte ein Reisebüro preislich deutlich unterbieten. Der Kunde zahlt bis zu 389 Euro weniger als beim Discounter.

Auf eine Anfrage von "Servicezeit" sagt Aldi zu den Vorwürfen: „Selbstverständlich bemühen sich unsere Partner, stets die besten Preise für unsere Kunden anzubieten. Hierzu gehen wir mit allen Angeboten in einen Preisvergleich mit dem Wettbewerb. (...) Jedoch können Faktoren, die nicht unbedingt sofort sichtbar sind, bei scheinbar gleichen Angeboten zu Preisunterschieden führen.“

Dazu gehören laut Aldi beispielsweise Faktoren wie Reisezeitraum, Abflughafen, Flugzeiten, Airline, aber auch Inklusivleistungen wie Ausflüge, Trinkgelder, Zimmerkategorie oder Verpflegung.

Es gilt wie immer: Lieber ein bisschen mehr Zeit für die Urlaubsplanung investieren und Preise vergleichen. So spart man auf jeden Fall Geld und es bleibt am Ende noch mehr für den Urlaub selbst übrig.

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