POLITIK
04/11/2015 04:52 CET | Aktualisiert 04/11/2015 10:35 CET

Deutscher General nennt 3 Gründe, warum wir im Hindukusch bleiben müssen

DPA
Der deutsche Nato-Kommandeur Hans-Lothar Domröse

Ein deutscher General fordert einen neuen Afghanistan-Einsatz. Der Nato-Kommandeur Hans-Lothar Domröse hat sich angesichts der schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan dafür ausgesprochen, den Bündniseinsatz am Hindukusch wieder auszuweiten.

Die Politik müsse über das Thema noch einmal reden. Dies forderte der Vier-Sterne-General am Dienstagabend am Rande einer Übung im spanischen Saragossa.

Er möchte Nato-Luftangriffe gegen die Taliban. Als sinnvolle Optionen nannte er die Möglichkeit von Attacken von Nato-Flugzeugen gegen die radikal-islamischen Taliban sowie die Weitergabe von Aufklärungsbildern an die afghanischen Sicherheitskräfte. Beides ist nach dem derzeitigen Nato-Mandat eigentlich nicht möglich.

Domröse nannte drei Gründe, warum Deutschland und die Nato ihren Einsatz ausweiten sollten:

1. Die afghanische Regierung ist zu korrupt, um Sicherheit zu gewährleisten

Den Grund für die gefährliche Lage sieht er in Kabul. Als eine Ursache für die noch immer angespannte Sicherheitslage nannte Domröse die schwache Regierung in Kabul. Viele Provinzen machten, was sie wollten. "Das Krebsgeschwür heißt Korruption. (...) Deswegen brauchen die dringend noch Stärkung", sagte der Deutsche. "Die Lage ist ernüchternd. Sie ist nicht so stabil, wie wir es uns erhofft haben."

2. Afghanistan droht zum Rückzugsort für den IS zu werden

Als weiteres Argument für eine mögliche Ausweitung des Bündnismandats nannte Domröse die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Seiner Einschätzung nach droht Afghanistan ein Rückzugsort für deren Kämpfer zu werden.

3. Es gibt auch eine moralische Komponente

"Das ist auch eine Moralfrage", sagte Domröse. Man müsse überlegen, ob es fair sei, den "afghanischen Brüdern" nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit eine stärkere Unterstützung zu verweigern. Seiner Meinung nach müsse "robuste Beratung" möglich sein.

Nato-Luftangriffe gegen die Taliban sind zurzeit nicht möglich. Das Mandat für die aktuelle Nato-Mission "Resolute Support" erlaubt lediglich die Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte sowie Aktionen zur Selbstverteidigung. Wenn es zuletzt Luftunterstützung im Kampf gegen die Taliban gab, wurde sie von den USA im Rahmen bilateraler Vereinbarungen geleistet. Der Nato-Kampfeinsatz lief offiziell Ende 2014 aus.

Ursprünglich war 2016 eine Truppenreduzierung vorgesehen gewesen. Angesichts der Verschärfung der Sicherheitslage hatte US-Präsident Barack Obama aber zuletzt entschieden, dass zumindest die US-Afghanistantruppe mit 9800 Soldaten bis Ende 2016 in voller Stärke im Land bleibt.

Auch die Deutschen wollen bleiben. Zudem haben Länder wir Italien und Großbritannien deutlich gemacht, dass sie ebenfalls ihre Präsenz aufrechterhalten wollen. Eine Richtungsentscheidung der Nato soll beim Außenministertreffen Anfang Dezember verkündet werden.

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