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04/11/2015 03:48 CET

Auf Niersbach und Zwanziger könnten Millionenforderungen zukommen

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DFB-Chef Wolfgang Niersbach

Auf Niersbach und Zwanziger könnten Millionenforderungen zukommen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Der DFB könnte von heutigen und ehemaligen hohen Funktionären Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe stellen.

Außerdem drohen Gefängnisstrafen. Denn die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den früheren Präsidenten Theo Zwanziger, seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach und den langjährigen Schatzmeister und Generalsekretär Horst R. Schmidt wegen Steuerhinterziehung in einem "besonders schweren Fall".

Gestern gab es eine Razzia in der DFB-Zentrale. Mehr als 50 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Kriminalbeamte haben am Dienstag die DFB-Zentrale in Frankfurt sowie die Wohnungen von Zwanziger und Niersbach durchsucht. Der Fall, um dessen Aufklärung sich auch der DFB selbst bemüht, kreist um eine Millionen-Schieberei vor der WM 2006 in Deutschland.

Der Grund für die Durchsuchung: Das von Franz Beckenbauer zusammen mit Niersbach, Schmidt und Zwanziger geleitete Organisationskomitee (OK) der WM hatte im April 2005 unter Angabe eines falschen Zwecks 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa überwiesen.

Das Geld war offiziell als Zuschuss für eine später abgesagte Auftaktgala der WM gedacht. Tatsächlich diente es dazu, ein Darlehen, das der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dem WM-OK heimlich gewährt hatte, über den Umweg Fifa zurückzuzahlen. Das hat der DFB inzwischen zugegeben. Nach Angaben des DFB sollen die Dreyfus-Millionen im Jahr 2002 an die Fifa geflossen und eine Art Gebühr des OK für einen Finanzzuschuss des Weltverbands in Höhe von 170 Millionen Euro für die WM 2006 gewesen sein

Wohin das Geld wirklich floss, ist nicht bekannt. Nach heutigem Stand hatte das OK mit dem von Dreyfus vorgestreckten Millionenbetrag damals vermutlich eine schwarze Kasse der Fifa gefüllt. Dreyfus verlangte später sein Geld zurück.

Trotzdem wurde das Geld als Betriebsausgabe deklariert. Die daraufhin 2005 unter einem falschen Titel an die Fifa überwiesenen 6,7 Millionen Euro sind dann vom OK nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zu Unrecht beim Fiskus geltend gemacht worden. Dadurch wären zugunsten des DFB Körperschafts- und Gewerbesteuern in erheblicher Höhe verkürzt worden.

Der DFB rechnet mit Steuernachforderungen. In Verbandskreisen werden nachträglich fällige Steuern in Höhe von 2,2 Millionen Euro für möglich gehalten, plus Zinsen seit 2006. Das ergäbe insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Sollte der DFB diesen Betrag nachzahlen müssen, dann käme der Verband wahrscheinlich nicht umhin, die damaligen Verantwortlichen in Regress zu nehmen. Das wären in erster Linie Zwanziger und Schmidt. Sie hatten die Millionenzahlung an die Fifa freigegeben.

Alle wussten von dem Dreyfus-Darlehen. Über die Rückforderung des Kredits sollen laut Schmidt auch Niersbach und Beckenbauer im Bilde gewesen sein. Was sie von der konkreten Rückzahlung wussten, ist unklar.

Beckenbauer hat den Vorgang aus dem Jahr 2002 bereits als "Fehler" bezeichnet. Dafür trage er als OK-Präsident die Verantwortung. Gegen Beckenbauer wird nicht ermittelt. Er, Niersbach und der DFB äußerten sich auf Anfragen der "Süddeutschen Zeitung" nicht.

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