ENTERTAINMENT
26/10/2015 20:29 CET | Aktualisiert 27/10/2015 12:06 CET

Diesen Preis will Xavier Naidoo sicher nicht haben

Getty Images

Deutscher Fernsehpreis, MTV Music Awards, ECHO – über all diese Auszeichnungen dürfte sich Xavier Naidoo in den vergangenen zehn Jahren gefreut haben. Doch am kommenden Freitag wird ihm ein Preis verliehen, den er sich sicher nicht abholen will: der Goldene Aluhut.

Naidoo ist dafür bekannt, in der Öffentlichkeit immer mit Kopfbedeckung aufzutreten – warum also nicht mal die Schiebermütze gegen einen Hut aus Alu tauschen? So könnte er den Preis, der ihn für sein Lebenswerk auszeichnet, auch unübersehbar gut zur Schau stellen.

Unwahrscheinlich ist es trotzdem, dass das passiert. Der Grund ist klar, sobald man sich den Negativ-Preis näher besieht. Ausgezeichnet werden die besten Verschwörungstheorien. Während man es als Schauspieler vielleicht noch mit Humor nehmen kann, wenn einem die Goldene Himbeere verliehen wird, sieht das bei Xavier Naidoo schon anders aus. Im Zentrum steht nämlich nicht seine Performance als Sänger oder seine Tätigkeit als TV-Juror.

Stattdessen geht es ans Eingemachte: seine Überzeugungen. Die sind nämlich mehr als fragwürdig und umso bedenklicher, als Naidoo nach wie vor als „The Voice“-Juror fungiert, als Vorbild für viele junge Menschen. Der Sänger ist der Meinung, dass Deutschland kein souveräner Staat sei. Stattdessen würden wir immer noch von den Besatzungsmächten des zweiten Weltkriegs regiert, also von den Amerikanern, Russen, Briten und Franzosen. Seitdem sei die Bundesrepublik kein Staat mehr, sondern eine Finanzagentur GmbH.

Das Ganze sei natürlich streng geheim. Nur wenige wüssten davon – Naidoo glaubt, sich zu diesen Glücklichen zählen zu können. Er machte es sich zur Aufgabe, sein „Wissen“ durch diverse Auftritte und T-Shirt-Aufdrucke zu verbreiten. Unter anderem reichte er 2011 eine Strafanzeige gegen hohe Regierungsmitglieder und den Bundespräsidenten ein. Der Vorwurf: Hochverrat durch ihre angebliche Mitschuld an der Finanzkrise. Komischerweise war diese Klage erfolglos.

Die Theorie des „besetzen“ Deutschlands wird insbesondere von Rechtsextremen verbreitet. Auch hier zeigt sich Naidoo aufgeschlossen: Zum Tag der Deutschen Einheit 2014 trat er bei rechtsextremen Veranstaltungen auf, unter anderem bei der „Reichsbürgerbewegung“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Dort faselte er etwas von einer Weltverschwörung, deren Teil auch die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 seien.

Es wird klar: Naidoo wird zurecht Verschwörungstheoretiker Nummer 1 gekürt. Die Wahl für den Goldenen Aluhut gewann er auch haushoch: 61 Prozent der teilnehmenden Facebook-User stimmten in der Kategorie „Reichtsesoterik, Reichsbürger & BRD GmbH“ für ihn. Ihm folgen der Neuschwabenland-Stammtisch, der Hitler nach wie vor für lebendig hält, und Eva Hermann mit jeweils 12 Prozent.

Mit seiner Auszeichnung befindet sich Naidoo auch in „bester“ Gesellschaft . In den vier weiteren Kategorien gewann unter anderem der KOPP-Verlag (Kategorie „Medien und Blogs“), der sozusagen das Mekka der Verschwörungstheoretiker ist. Auch die Initiative „Impfen – nein danke!“ gehört zu den „Geehrten“ beziehungsweise Veräppelten.

Die Preisverleihung am Freitag könnte amüsant werden: Nach der Ausgabe der Trophäen sollen die Sieger eine Performance abliefern und von einem Gremium dafür zerpflückt werden: „Wir sind gerne bereit dem Sieger der jeweiligen Kategorie 10 Minuten Redezeit zu gewähren, sofern er/sie mutig genug ist vor einer Gruppe Skeptikern zu sprechen und sich der anschließenden Diskussion zu stellen“, heißt es auf der Webseite. Der Goldene Aluhut wird dieses Jahr übrigens zum ersten Mal verliehen.

Er ist aber keineswegs der erste Negativ-Preis, für den Xavier Naidoo ausgewählt wird. Bereits 2014 „ehrte“ ihn die Skeptiker-Konferenz in Wien mit dem „Goldenen Brett (vorm Kopf)“ für seine rechte Verschörungs-Paranoia. Schon damals erschien er nicht zur Preisverleihung, auch für den Goldenen Aluhut ist nichts anderes zu erwarten. Schade eigentlich – die Reaktionen des Kritikergremiums wären sicher sehenswert.

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