POLITIK
24/10/2015 16:01 CEST | Aktualisiert 24/10/2015 16:59 CEST

11 Dinge, bei denen unsere Politiker katastrophal versagen - und die sie unbedingt besser machen müssen

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Nur 26 Prozent der Deutschen haben Vertrauen in die politischen Parteien. Das liegt auch daran, dass unsere Politiker viel zu häufig langweilig, profillos und angepasst sind. Sie begeistern nicht als Menschen und können ihre Botschaften nur unzureichend zu den Menschen bringen. Bis auf Ausnahmen - wie den brillanten Redner Gregor Gysi oder Barack Obama in den USA.

Die gute Nachricht ist: Eigentlich ist es gar nicht so schwer, ein guter Politiker zu sein, der die Wähler begeistert. Politiker müssten aber im Prinzip nur einfach alles anders machen, als die meisten es tun. Das jedenfalls glaubt der Kommunikations- und Markenexperte Frank Behrendt.

Behrendt weiß, wie man etwas verkauft und Menschen für Produkte begeistert. Er ist Vorstand von Fischer Appelt – einer der größten und einflussreichsten PR-Agenturen Deutschlands. Und er weiß auch, wie Menschen auftreten müssen, damit sie andere ansprechen, mitreißen und überzeugen. Darum weiß er auch, wie sie nicht auftreten sollten.

Bescheidenheit ist Behrendt fremd. Er habe mit seinen Ratschlägen schon Männer zu Bürgermeistern gemacht, obwohl die vorher nichts mit Politik zu tun gehabt hätten, sagt er. Eine gute Voraussetzung also, um mit ihm einmal darüber zu sprechen, was die Politiker in unserem Land falsch machen - und was sie anders und besser machen müssen.

Herausgekommen sind 11 Punkte, bei denen die meisten deutschen Politiker versagen - was sie schleunigst ändern sollten. Den Wählern zuliebe, der Demokratie und sich selbst:

1. Vermeide das übliche Parteien-Wahlkampf-Getöse.

Das machen alle und keiner will es. Wenn du keiner Partei angehörst, kannst du auch als parteiloser Kandidat Mehrheiten finden. Auf kommunaler Ebene ist das bereits immer öfter der Fall. Das stellt zudem die menschliche Seite in den Vordergrund. Wenn du mit den Menschen sprichst, bewerte die Dinge aus deiner eigenen Perspektive, nicht aus der einer Partei.

2. Sei Mensch, kein Politiker.

Lass es menscheln. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat auf Twitter mal gepostet, dass er jetzt nach Hause müsse, weil seine Kleine krank sei. Das gab eine riesige Sympathiewelle, weil ihm die Tochter wichtiger war als Politik. Da ist Gabriel den Menschen als Mensch nähergekommen. Und wenn die Menschen merken, dass sie es nicht mit Roboter-Politikern zu tun haben, sondern mit Menschen, ist ihnen die politische Position oft sogar egal.

3. Schreib keine Parolen in dein Wahlprogramm.

Sag lieber, dass du mit den Menschen diskutieren willst. Versprich kein Ergebnis, sondern sag den Leuten, dass sie das Ergebnis mitentscheiden können.

4. Versprich nur eine einzige Sache: dass du dich für die Menschen einsetzt.

Mehr kannst du eh nicht halten. Denn ein Politiker allein kann nichts erreichen. Er ist immer Teil einer Fraktion, eines Parlaments und so weiter. Du bist bei jeder Entscheidung von anderen abhängig. Und: Dass du Jobs für alle willst und bessere Bildung, brauchst du ohnehin nicht zu betonen. Das wollen sowieso alle.

5. Stell dich nicht auf den Marktplatz unter einen Sonnenschirm.

Lass die Leute nicht für Luftballons und Kugelschreiber zu dir kommen. Geh zu den Leuten. Mach keine Geschenke, sondern nimm dir einen Stuhl, setz dich zu ihnen und dann rede mit ihnen. Oder geh auf den Rummel oder an den Fussballplatz und iss eine Currywurst mit den Menschen.

frank behrendt

Frank Behrendt

6. Führe ein normales Leben.

Das geht auch auf höherer politischer Ebene, wenn man es nur will. Sei nicht der große Minister aus Berlin, selbst wenn du der vermeintlich große Minister aus Berlin bist.

7. Läufst du normalerweise jeden Tag im Anzug rum?

Falls nicht, verzichte auch als Politiker drauf, wenn du nicht gerade Gast beim G7-Gipfel bist. Selbst Top-Manager tragen nicht mehr immer Anzüge, sondern auch mal Jeans. Und die Bürger tragen schon gar nicht immer Anzug und Krawatte. Deshalb wollen sie auch keinen Politiker, der herumläuft wie ein Pinguin. Durch abgehobene Kleidung distanzieren sich Politiker von denen, die sie vertreten. Wer den Anzug mal ablegt, ist nicht weniger kompetent. Und wer nur kompetent wirkt, wenn er einen Anzug trägt, wird besser nicht Politiker.

8. Geh nicht auf Termine, die verzichtbar sind

Das lohnt nicht, nur weil du glaubst, dass es vermeintlich wichtig sein könnte, dort gesehen zu werden und den Grußaugust zu machen. Nimm nur die wirklich wichtigen wahr. Geh dahin, wo du wirklich mit Leuten ins Gespräch kommst. Mach das, was dich wirklich weiterbringt. Und entschlacke deinen Kalender. Lass genug Zeit für das Privatleben und den Urlaub. Jeder versteht, dass auch Politiker Freizeit haben müssen.

9. Nutze Twitter und Facebook.

Aber nutze es nicht, um nur deine Botschaften abzusondern. Sondern lass die Menschen auch an deinem Leben teilhaben. Über das Menscheln hatten wir ja schon gesprochen.

10. Sage nicht zu allem etwas.

Niemand kennt sich mit allem aus. Schaffe dir ein Profil, werde Experte für gewisse Themen. Und schweige zu anderen, selbst wenn du eine Meinung haben solltest. Es ist suspekt, wenn du zu allem etwas zu sagen hast.

11. Wenn du einen Wahlkampfmanager hast, halte ihn in Schach.

Die Leute wollen niemanden, der immer nach Plan funktioniert und nie davon abweicht. Lass dich auch mal gehen, empöre dich. Wie Fußballtrainer Jürgen Klopp an der Seitenlinie. Verzichte lieber auf die perfekte Hochglanz-Inszenierung, sondern sei, wie du bist. Das Bild mit echten Ecken und Kanten ist am Ende das bessere.

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