POLITIK
24/10/2015 07:35 CEST | Aktualisiert 24/10/2015 07:41 CEST

Nahles: "Arbeitslosenzahlen werden durch Flüchtlinge deutlich steigen"

dpa
"Arbeitslosenzahlen werden durch Flüchtlinge deutlich steigen"

Deutschland steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Das Land muss Hunderttausende Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren. Ob und wie das funktionieren kann, darüber streiten die Experten. Jetzt befeuert Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die Debatte mit neuen Zahlen - und einem teilweise düsteren Ausblick.

Denn die berufliche Integration der Flüchtlinge wird laut Nahles ein langwieriger Prozess. "Wir kriegen das hin, aber nicht über Nacht", sagte die SPD-Politikerin der "Passauer Neuen Presse". "Für gut qualifizierte Flüchtlinge wird es wie ein Mittelstreckenlauf sein, für alle anderen eher ein Marathon."

Der Arzt aus Syrien sei nicht der Regelfall. "Wir sollten nicht denken, dass wir jeden ohne größere Anstrengungen gleich integrieren können. Es wird länger dauern, als uns lieb ist." Bis alle die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können, werde viel Zeit vergehen, erklärte Nahles.

Und das hat Folgen: Laut Nahles wird die Zahl der Arbeitslosen durch den Flüchtlingszuzug im kommenden Jahr "deutlich steigen". Die Arbeitsministerin erwartet, dass im nächsten Jahr bis zu 460 000 Flüchtlinge zusätzlich Hartz-IV-Leistungen beziehen könnten. „Wir gehen davon aus, dass sich die Kosten auf 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro belaufen werden - für Lebensunterhaltsleistungen und die Arbeitsmarktförderung“, sagte Nahles. Um die Flüchtlinge schneller in Jobs zu bringen, will sie 2800 neue Stellen in den Arbeitsämtern schaffen.

Eine positive Nachricht hat sie allerdings auch: "Allerdings entstehen auch gerade viele Tausende neue Jobs rund um die Flüchtlingshilfe, zum Beispiel im Wohnungsbau, im Catering, bei den Sicherheitsdiensten, der Betreuung und vielen mehr. Bei den Einheimischen werden wir daher weiter einen Rückgang der Erwerbslosigkeit erleben", sagte sie.

Wegen der schwierigen Aussichten für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt, fordern Experten nun ein entschiedeneres handeln der Politik. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert zum Beispiel einen Flüchtlingsgipfel von Politik und Wirtschaft.

Ohne die Unterstützung der Unternehmen und ihrer Spitzenvertreter werde die Integration scheitern, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Der Staat kann die Flüchtlinge materiell unterstützen, kann ihnen helfen bei Sprachkursen, sie begleiten bei der Integration." Aber letztlich spiele die Wirtschaft eine zentrale Rolle.

Erste konkrete Ideen kommen denn auch schon aus der Politik. So will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will Flüchtlinge mit medizinischen Kenntnissen gezielt für die Gesundheitsversorgung der Asylbewerber einsetzen. "Schon aufgrund ihrer Sprachkenntnisse können Flüchtlinge mit medizinischen Kenntnissen bei der Versorgung in Erstaufnahmeeinrichtungen eine wichtige Hilfe sein", sagte er der "Rheinischen Post". Deshalb müsse es medizinischen Helfern ermöglicht werden, deutsche Ärzte in den Aufnahmeeinrichtungen zu unterstützen. "Sie sind dann nicht als Ärzte tätig, aber an der Seite der Ärzte."

Mit Material der dpa

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