GOOD
23/10/2015 21:00 CEST | Aktualisiert 26/10/2015 16:38 CET

Diese Pille könnte Millionen von Menschen retten - und sie kostet nur einen Dollar

Getty

Es geht um die ganz große Frage: Was ist ein Menschenleben wert? Ein US-Pharmaunternehmer lieferte im September so etwas wie eine Antwort: Auf 750 Dollar taxierte er den Verkaufspreis für das Medikament Daraprim, eine Pille, die zur Verhinderung von gefährlichen Infektionskrankheiten bei HIV-Patienten verwendet wird. Wer betroffen ist, muss die lebensrettende Pille regelmäßig nehmen.

Bevor Martin Shkreli, Chef des Herstellers Turing Pharmaceuticals, sich den 750-Dollar-Preis ausdachte, war Daraprim günstiger. Erheblich günstiger: 13 Euro kostete eine Pille. Das konnten sich selbst Patienten ohne Krankenversicherung, die es auch heute noch in den USA gibt, leisten.

Das Geschäft mit einer schweren Krankheit

Dass Shkreli aus dem Geschäft mit dem dringend benötigten Medikament einen derart hohen Profit schlagen wollte, sorgte für einen Aufschrei.

Doch jetzt stellt sich ein Konkurrent dem ehemaligen Hedgefonds-Manager in den Weg: Das Unternehmen Imprimis Pharmaceuticals, ebenfalls in den USA ansässig, verkauft künftig einen gleichwertigen Ersatz. In dem neuen Medikament ist derselbe Wirkstoff enthalten, zudem ein Inhaltsstoff, der verhindert, dass der Hauptbestandteil das Knochenmark angreift.

Die Rechnung des Pharma-Monopolisten ist nicht aufgegangen

Das Ersatzmedikament ist also nicht nur besser, sondern auch bedeutend billiger: ein Dollar pro Pille, umgerechnet 90 Euro-Cent. Ob der Kampfpreis wirklich die Kosten für die Herstellung deckt oder als große Marketing-Aktion gedacht ist, ist unklar. Allerdings ist der Wirkstoff seit 1953 zugelassen, also keine Neuentwicklung, in der hohe Forschungsinvestitionen stecken. Trotzdem war Turing bisher der einzige Anbieter von Daraprim. Als Monopolist konnte das Unternehmen den Preis frei bestimmen.

Durch ein Patent ist das Heilmittel nicht geschützt. Allerdings muss jedes Medikament vor der Zulassung in den USA einen extrem komplizierten Zulassungsprozess durchlaufen. Das Monopol-Unternehmen hatte offenbar darauf gesetzt, dass es lange dauern werde, bis ein Daraprim-Ersatz auf den Markt kommt. Nun ist es so weit - und etliche Kranke können auf Linderung für gerade einmal einen Dollar hoffen.

Medizinerin behauptet Unglaubliches: Dieses rezeptfreie Medikament verdoppelt die Überlebensrate von Krebspatienten

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite