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Ich stille mein Baby nicht - und dafür werde ich mich nicht rechtfertigen!

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"Manchmal wünsche ich mir, dass die Leute denken, ich hätte Muttermilch abgepumpt und in die Flasche gefüllt."

Dieser Satz einer Mutter zeigt mehr als deutlich, was in unserer Gesellschaft gerade schiefläuft. Warum muss sie sich schämen, wenn sie ihr Kind mit einer Flasche füttert? Warum wird sie für ihre Entscheidung verurteilt?

Vielleicht kann sie schlichtweg nicht stillen. Vielleicht hat sie auch andere Gründe, warum sie ihr Kind mit der Flasche füttert. Es ist eigentlich auch völlig egal. Denn entscheidend ist doch, dass ihr Baby satt wird.

Viele Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt, ihre Kinder zu stillen oder stoßen auf Unverständnis und Ablehnung, wenn sie sich dagegen entscheiden. Dabei wäre allen Müttern viel mehr geholfen, wenn sie sich gegenseitig unterstützen würden, anstatt sich fertig zu machen.

Mit diesem Gedanken hat Fotografin Natalie McCain ein Projekt ins Leben gerufen, das die Vorurteile gegenüber Müttern, die ihre Kinder nicht stillen, endlich aus der Welt schaffen soll.

"Wir alle versuchen unser Bestes zu geben, als Mütter. Wir müssen aufhören, andere dafür zu verurteilen, dass sie eine unterschiedliche Entscheidung treffen. Was für eine Familie funktioniert, muss nicht für alle gut sein", sagt die Fotografin.

Ihre Fotoserie "No Mother Should Be Ashamed" enthält wunderschöne Bilder von Müttern und ihren Kindern. Die abgebildeten Frauen erklären zudem, wie es ihnen in ihrer Situation geht:

  • Natalie McCain
    "Ich hab mich so unter Druck gesetzt gefühlt, als ich das erste Mal mit meinem Baby in die Spielgruppe gegangen bin. Ich fühlte, dass ich rot wurde und es war mir unangenehm, dass ich erklären musste, warum ich ihn nicht stille."
  • Natalie McCain
    "Die Art wie du dein Kind fütterst, definiert dich nicht als Mutter. Am Ende des Tages wird niemand meine Tochter danach beurteilen, ob sie gestillt wurde oder ein Fläschchen bekommen hat. Sie wird nach ihrer Persönlichkeit beurteilt, nach ihrem Charakter, und das wird darauf zurückgeführt werden, zu welcher Art von junger Frau ich sie erzogen habe."
  • Natalie McCain
    "Als ich mit der Flaschenfütterung anfing, vermisste ich die Nähe, die wir beim Stillen hatten. Ich habe aber schnell herausgefunden, dass sie immer noch da ist. Ich habe immer noch mit ihnen gekuschelt. Ich habe sie immer noch ernährt. Ich habe sie immer noch gestreichelt. Es ist immer noch das gleiche, ich mache es nur ein bisschen anders als stillende Mütter. Meine Kinder sind trotzdem satt, glücklich, gesund und sie lieben mich nicht weniger, weil ich ihnen die Flasche gebe."
  • Natalie McCain
    "Wenn ich Vincenzo auf der nackten Brust meines Ehemannes liegen sehe, während er ihm die Flasche gibt, habe ich das Gefühl, dass es vielleicht doch kein kompletter Fehlschlag war."
  • Natalie McCain
    "Babys ist es egal, wie sie gefüttert werden, solange sie dabei geliebt werden."
  • Natalie McCain
    "Ich habe diese Mami-Kriege satt. Jede Mutter sollte Unterstützung bekommen, egal wie sie ihr Kind füttert."
  • Natalie McCain
    "Ich leide immer noch unter postnataler Depression. Einer der größten Vorteile der Flaschenfütterung ist die Tatsache, dass es mir ermöglicht, Hilfe anzunehmen, wenn es um das Füttern meiner Kinder geht. Ich brauche manchmal Zeit ohne meine Kinder. Einige Menschen sagen vielleicht, dass ich deshalb abgeklärt, selbstsüchtig oder nachlässig bin. Aber Fakt ist, dass ich Zeit brauche, um mich selbst wiederzufinden. Ich brauche Zeit, um mich wieder "normal" zu fühlen. Diese Zeit ist wichtig für mich, damit ich glücklich sein kann. Wenn die Flaschenfütterung dazu beiträgt, dass ich glücklich sein kann und Familien und Freunden ermöglicht, zu helfen, dann profitieren am Ende meine Kinder davon. Warum ist das selbstsüchtig? Alles, was ich tue, tue ich für sie."
  • Natalie McCain
    "Ich habe immer geplant, meine Kinder zu stillen. Weil ich nach der Geburt sehr niedrige Blutzuckerwerte hatte, bekamen meine beiden Söhne ein Fläschchen mit Muttermilchersatz. Ich musste mit Milchpulver zufüttern und beide mussten auf die Intensivstation, weil ihre Werte trotz der Flaschenfütterung schlecht waren. Es hat mir beide Male das Herz gebrochen. Bei meinem ersten Sohn war es am schlimmsten. Als genau das gleiche bei meinem zweiten Sohn passierte, war ich aufgebracht, aber konnte es durchstehen, ohne mich wie eine Versagerin zu fühlen. Mein Mann und das Krankenhaus-Personal waren toll und haben mich sehr darin unterstützt, weiterhin zusätzlich zu stillen. Wir sind alle drei Stunden zu ihm gegangen, dann konnte ich stillen und ihm anschließend auf der Intensivstation noch eine Flasche geben. Dann bin ich zurück in mein Zimmer gegangen und habe abgepumpt. Es war sehr hart und stressig, besonders, weil ich mich auch noch von einem Kaiserschnitt erholte. Aber ich versuchte, es so lange wie möglich durchzustehen."

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