WIRTSCHAFT
21/10/2015 21:42 CEST | Aktualisiert 22/10/2015 19:31 CEST

Diese Entscheidung wird das Verhältnis von Lidl zu seinen Kunden grundlegend verändern

Es ist eine Kampfansage an die Konkurrenz. Nur wenige Tage nach dem Start von „Amazon Pantry“ startet der Discounter unter dem Titel „Lidl Vorratsbox“ ein eigenes Angebot. Kunden können Lebensmittel und Drogerieprodukte im Internet bestellen und zu sich nach Hause liefern lassen. Genauso schnell wie bei Amazon, innerhalb von zwei bis drei Werktagen.

Das ändert alles. Am Geschäftsmodell Lidl war bislang zumindest eines immer klar: Kunden standen an der Kasse an, Schnäppchen-Lebensmittel gab es im Regal, und für die begehrtesten musste man sich in den Laden beeilen. Doch das klassische Discounter-Kunde-Verhältnis wird nun aufweichen. Ein grundlegender Wandel.

Denn Lebensmittel gibt es - bislang -versandkostenfrei. Während die Amazon-Kunden 4,99 Euro für eine Pantry-Box bezahlen, egal wie voll oder leer sie ist, können Lidl-Kunden ein Glas Oliven für 69 Cent frei Haus bestellen. Damit ist es theoretisch nicht mehr nötig, für einen großen Teil des Sortiments in die Filiale zu gehen.

Doch ist das tatsächlich so? Die Tester von discountfan.de haben das ausprobiert. Sie schließen nicht aus, dass Lidl nachträglich eine Mindestsumme für die Online-Order einführt. Der Gutscheincode, den Kunden für eine versandkostenfreie Lieferung angeben müssen, gelte nur bis Ende November.

Allerdings bemängeln die Tester, dass das Sortiment bislang noch recht dünn sei. Grundnahrungsmittel gebe es bislang so gut wie gar nicht. Das Angebot an Drogerieprodukten sei besser, könne aber nicht mit der Konkurrenz mithalten. Nur die Auswahl an Weinen, die Lidl für den Online-Versand anbietet, überzeugte die Tester.

Die Supermärkte und Discounter gelten als die letzte Bastion des Einzelhandels. Wer Kleidung, Spielsachen oder Bücher in seinem Laden in der Innenstadt verkauft, klagt schon lange über die Online-Konkurrenz. Wenn er deren Vormarsch in den vergangenen Jahren überhaupt überlebt hat.

Lebensmittel im Online-Versand anzubieten, ist keine neue Idee. Lidl selbst hat übers Internet früher bereits erfolgreich Weine verkauft. Bei Amazon konnten Kunden bereits seit langem haltbare Lebensmittel kaufen. Allerding meistens nur in größeren Chargen und mit Versandkosten. Die „Pantry Box“ lässt sich nun individuell zusammen stellen. Auch Rewe, Edeka oder reine Online-Lebensmittelhändlern wie mytime.de liefern bereits nach Hause. Versandkostenfrei allerdings entweder gar nicht oder nur bei einem hohen Bestellwert.

Lidl ist wahrscheinlich der einzige Lebensmittelhändler, der grundsätzlich frei Haus liefert. Das Angebot „Lidl Vorratsbox“ zu nennen, ist eine spezielle Botschaft an Amazon. Denn ein Glas Oliven kommt wohl kaum in einer großen Schachtel zum Kunden nach Hause.

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