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20/10/2015 14:20 CEST | Aktualisiert 21/01/2018 14:31 CET

Studie zeigt: Ein Drittel aller Kinder erlebt emotionalen Missbrauch

Penny Tweedie via Getty Images
Ein Kind hat Angst

Körperlicher Missbrauch von Kindern ist unverzeihlich – dieser Meinung sind viele Menschen. Prügel und Schläge sind nicht nur verletzend, sie beeinträchtigen auch die Kinder massiv in ihrer seelischen Entwicklung.

Die Kinderpsychiaterin Alfia Dietmayer erklärt der Augsburger Allgemeinen, welche Auswirkungen körperlicher Missbrauch haben kann: „Bei kleineren Kindern äußert sich die erlebte Gewalt häufig dadurch, dass sie viel weinen, schlecht schlafen und sehr schreckhaft sind. Ältere Kinder und Jugendliche dagegen werden eher aggressiv und können sich nur noch schlecht konzentrieren.“

Als Erwachsene verlieren sie dann schneller die Kontrolle über ihr Leben und neigen zu Drogenmissbrauch. Außerdem leiden sie öfter an psychischen Erkrankungen wie Angststörungen.

Jetzt fanden Wissenschaftler heraus: Emotionaler Missbrauch wirkt sich genauso schlimm auf die Psyche der Kinder aus.

Zu psychischem Missbrauch zählen beispielsweise Vernachlässigung, Zurückweisung, Erniedrigung, Spott, aber auch harte Worte. Kinder, die emotionalem Missbrauch ausgesetzt sind, neigen zu Angststörungen, Depressionen, Regelverletzungen und Aggressionen – und zwar genauso häufig wie Kinder, die unter körperlicher Gewalt leiden.

Die Forscher untersuchten in der Studie 2.300 Kinder, die in einem Zeitraum von über 20 Jahren an einem Sommercamp teilnahmen. Alle Kinder stammten aus ärmlichen Verhältnissen und waren zu dem Zeitpunkt zwischen 5 und 13 Jahre alt.

Das Camp wurde von professionellen Sozialarbeitern betreut, die psychische Auffälligkeiten der Kinder gut beobachten konnten. Darüber hinaus ließen sie die Kinder einen Fragebogen über sich und die anderen Kinder ausfüllen.

David Vachon von der McGill University, der die Studie unter anderem leitete, erklärte: „Es scheint, dass die verschiedenen Formen von Kindesmisshandlung dieselben umfassenden Auswirkungen haben.“

Die Ergebnisse zeigen, wie sehr die Folgen von seelischer Gewalt und psychischem Missbrauch gegen Kinder unterschätzt werden.

Das Jugendamt in Deutschland kann beispielsweise nur bei körperlichem Missbrauch wirklich einschreiten. Dabei zeigt diese Studie, dass die Folgen von emotionalem Missbrauch genauso schlimm sein können. Wir sollten alle umdenken und als Gesellschaft ein Bewusstsein für emotionale Misshandlungen entwickeln.

Das ist vor allem wichtig, weil emotionaler Missbrauch weiter verbreitet ist als körperlicher Missbrauch: Marije Stoltenborgh von der Universität Leiden schätzt, dass weltweit etwa ein Drittel aller Kinder unter emotionalem Missbrauch leidet.

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