POLITIK
20/10/2015 21:13 CEST | Aktualisiert 21/10/2015 12:54 CEST

Im Korridor der Verzweiflung: Flüchtlinge stürmen Grenzen zu Kroatien und Slowenien

Bis zu 5000 Flüchtlinge haben sich am Dienstag trotz hochgerüsteter Polizei illegal Zugang zu Kroatien verschafft. Das berichtete der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic gegenüber serbischen Medien. Die Menschenmenge sei vom serbischen Grenzübergang Berkasovo ins kroatische Bapska durchgebrochen, sagte der Minister in Belgrad.

Auch das weiter nördlich gelegene Slowenien wurde von Flüchtlingen regelrecht gestürmt. Allein bis zum Mittag seien 6000 Menschen eingereist, teilte der Staatssekretär im Innenministerium, Bostjan Sefic in Ljubljana mit. Eigentlich kann oder will das EU- und Schengenland nur bis zu 2500 Menschen verkraften. Die Regierung hat dem Parlament am Dienstag eine Gesetzesänderung vorgelegt, um den Armee-Einsatz an der Grenze zu ermöglichen.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete am Dienstagabend zudem, dass slowenische Polizisten Pfefferspray einsetzen mussten, um mehrere Hundert Flüchtlinge an der illegalen Weiterreise nach Österreich zu hindern. Erst eine Absperrung, aufgebaut von österreichischen Beamten, soll die Lage beruhigt haben, berichtet die Nachrichtenagentur.

Slowenien appellierte derweil erneut an die EU, bei der Bewältigung der Krise zu helfen. "Es ist ganz und gar unrealistisch, dass ein Zwei-Millionen-Land die Lage stoppen, organisieren und lösen kann", während es "viel größere Mitglieder nicht geschafft haben", heißt es in der Mitteilung der Regierung nach einem mehrstündigen nächtlichen Krisentreffen am Dienstag. Slowenien sehe in der Hilfe aus Brüssel "einen Test für die Solidarität".

Der Zustrom von Flüchtlingen, die von der Türkei aus über die Ägäis in die EU kommen, reißt indessen nicht ab. Auf den griechischen Inseln in der Ostägäis wurden seit Freitag knapp 29.000 Migranten und Flüchtlinge gezählt, wie die konservative Athener Zeitung "Kathimerini" am Dienstag unter Berufung auf die Polizei berichtete.

An Bord von zwei Fähren kamen am Dienstagmorgen nach Angaben der Küstenwache 2336 Migranten von den Inseln Lesbos und Chios in Piräus auf dem griechischen Festland an. Weitere zwei Fähren mit rund 5000 Menschen an Bord wurden am Nachmittag in Piräus erwartet. Die Küstenwache rettete binnen 24 Stunden 541 Menschen aus der Ägäis.

Mit Material von dpa

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