POLITIK
19/10/2015 16:16 CEST | Aktualisiert 19/10/2015 19:37 CEST

Tafeln spielen Einwanderer gegen Deutsche aus - und geben kein Essen mehr an Flüchtlinge aus

dpa
Einige Tafeln geben kein Essen mehr an Flüchtlinge aus

Es war ein Sturm der Entrüstung, der vergangene Woche über die Verantwortlichen der Dachauer Tafel hinwegfegte, nachdem bekannt geworden war, dass dort kein Essen an Flüchtlinge ausgegeben wird. Schließlich ist die Hauptaufgabe von Tafeln, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen – und dazu zählten nun einmal auch Asylbewerber, so das Argument der Kritiker. Selbst befreundete Hilfsorganisationen wie etwa die Regensburger Tafel sprachen von einem „Skandal“. Doch Dachau ist kein Einzelfall – zumindest in Bayern.

Bereits seit zwei Jahren gibt etwa die Tafel im oberbayerischen Hallbergmoos keine Lebensmittel mehr an Flüchtlinge aus. „Die werden ja bereits vom Landratsamt versorgt“, begründet die Leiterin der Tafel Tanja Voges den Beschluss, der gerade erst einstimmig von den 62 Helfern der örtlichen Tafel erneuert wurde, im Gespräch mit der Huffington Post. Für Vogel ist klar: „Aufgrund des Andrangs an Flüchtlingen könnten wir das aktuell auch gar nicht stemmen, selbst wenn wir wollten.“

Die Tafel-Chefin ist überzeugt, dass viele ihrer ehrenamtlichen Helfer aufhören würden, wenn die Tafel künftig auch Flüchtlinge versorgen würde. In einer Stadt in NRW, in der die Kommune beschlossen habe, dass auch Flüchtlinge bedient werden müssten, habe es massenhaft Austritte aus der dortigen Tafel gegeben. „Uns würden zudem viele Sponsoren abspringen.“

So lange der Andrang nicht weiter steige, wollen die Hallbergmooser immerhin anerkannten Asylbewerbern weiter Berechtigungsscheine ausstellen - allerdings nur so lange der Andrang nicht weiter steige. Voges sagt, auch andere Tafeln wie etwa im benachbarten Freising würden an Flüchtlinge, die noch keine Bleibeerlaubnis haben, kein Essen ausgeben. Tatsächlich berichtet die „Welt“, mehrere bayerische Tafeln wie der Lenggrieser Ableger hätten „wegen des großen Andrangs bereits ihre Hilfe für Flüchtlinge gestoppt“.

Zwar geben die meisten Tafeln nach wie vor an jeden Bedürftigen Lebensmittel. Doch selbst im SPD-regierten Nürnberg prüft die Sozialeinrichtung genau, ob die Asylbewerber aus einem Heim mit Verpflegung kommen – in diesem Fall werden sie wieder weggeschickt.

Kritik an dieser Praxis kommt unter anderem von der Arbeiterwohlfahrt: Deren Landesvorsitzender Thomas Beyer hält das etwa in Hallbergmoos vorgebrachte Argument, die Flüchtlinge seien ja bereits von den Behörden versorgt worden, "für vorgeschoben". Auch Menschen, die schon lange hier leben und Grundsicherung oder Hartz IV beziehen, würden ja vom Staat versorgt.

"Das Problem ist, dass viele von ihnen ebenso wie die Flüchtlinge von den staatlichen Leistungen allein schlicht nicht leben können", sagt Beyer. Asylsuchende seien „ebenso bedürftige Menschen wie auch arme Rentner oder Familien“, heißt es auch beim Bundesverband Deutscher Tafeln.

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