POLITIK
18/10/2015 18:53 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 17:26 CET

Reker wird Kölns Oberbürgermeisterin: 6 Gründe, warum die Wahl einzigartig ist

DPA

Die Bedingungen für die Wahl waren dramatisch - und das Ergebnis ist eine Sensation: Noch am Samstag ist Henriette Reker bei einem versuchten Mordanschlag schwer verletzt worden, am Sonntag machten die Kölner sie zu ihrer Oberbürgermeisterin. Mit 53 Prozent der Stimmen gewann Reker die Wahl, die von einer Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grüne unterstützt wird.

Danke Köln! Wir freuen uns für Henriette Reker. Danke für das Vertrauen in den Neustart für Köln! -Team Reker

Posted by Henriette Reker on Sonntag, 18. Oktober 2015

Hier sind sechs Gründe, warum die Wahl in Köln so einzigartig ist.

1. Sie war mehr als nur eine Oberbürgermeister-Wahl

Die Wahl in Köln war mehr als nur eine Oberbürgermeisterwahl. Sie war eine Wahl gegen den Rechtsrutsch in Deutschland. Dazu wurde sie spätestens, als die Kandidatin Reker am Tag vor der Wahl von einem irren Rassisten niedergestochen wurde. Reker, die als Sozialdezernentin für die Unterbringung der Flüchtlinge in der Domstadt zuständig ist, hat in der Millionenstadt stets für einen offenen Kurs in der Flüchtlingspolitik geworben. Vertreter aller Parteien schlossen sich nach dem Attentat zu einer Menschenkette zusammen. Ihr Zeichen: Das war nicht nur ein Angriff auf Henriette Reker, sondern ein Angriff auf uns alle.

2. Es war ein "tragischer Wahlsieg"

Während im Rathaus der Sieg gefeiert wird, wecken die Ärzte Reker ganz langsam aus ihrem künstlichen Koma auf. Am Wahlabend bleibt unklar, wann Reker ihr Amt überhaupt antreten und erstmals auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen wird. Trotz des klaren Votums der Kölner handele es sich um einen "tragischen Wahlsieg", sagt Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann der dpa. Aber: "Die Tragik hat hoffentlich auch eine reinigende Wirkung, wenn die Menschen erkennen, wohin Hass und Fremdenfeindlichkeit führen können."

3. Die AfD hatte keine Chance

So viel Rückenwind die AfD im Bund derzeit auch hat - in Köln hat sie nichts zu sagen. Und das ist auch gut so. Die rechten Stimmenfänger gingen in Köln mit nur vier Prozent der Stimmen völlig unter. Ein starkes Statement der Stadt gegen den Rechtsruck, der gerade durch Deutschland geht.

4. Der Erfolg der Partei ist beispiellos

Eine Sensation ist die Wahl auch, weil Die Partei ein Rekordergebnis einfahren könnte. Im Endergebnis kommt sie auf 7,22 Prozent - für die eine Satirepartei ein mehr als beachtliches Ergebnis. Das ist wahrscheinlich der größte Erfolg nach dem Einzug von Martin Sonnenborn ins Europaparlament.

5. Politik geriet am Wahlabend in den Hintergrund

Das Entsetzten über die blutige Attacke blieb auch am Sonntag präsent. Der scheidende Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) fasst treffend zusammen: "Die Stadt Köln hält den Atem an." Das Wahlergebnis in der prestigeträchtigen Domstadt ist auch landes- und bundespolitisch von Bedeutung, doch diesmal rückt das gemeinsame Nein zu Gewalt in den Mittelpunkt.

Dabei wartet auf Reker gewaltige Aufgaben. Die milliardenschwer verschuldete Stadt steht vor gewaltigen Aufgaben, nicht nur in der Flüchtlingsfrage. Im Rat herrscht ein lähmendes politisches Patt. Es muss eine neue Koalition geschmiedet werden, nachdem die hauchdünne rot-grüne Mehrheit im Mai verloren gegangen war.

Weil die Kölner Grünen nun aber Reker offensiv unterstützt und damit ihren bisherigen SPD-Koalitionspartner und Jochen Ott brüskiert haben, ist unklar, in welche Richtung die Stadt hier steuert. Reker hat angekündigt, sie wolle verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Doch erst einmal muss sie genesen. Und so lächelt Henriette Reker den Kölnern am Tag ihres Sieges nur von Wahlplakaten entgegen.

6. Reker ist die erste Frau auf einem OB-Posten in Köln, der viertgrößten Stadt Deutschlands. Auch das darf nicht unerwähnt bleiben.

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