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"1000 Jahre Deutschland": Der widerliche Auftritt von AfD-Mann Höcke bei "Jauch"

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Es war ein starkes Signal. Köln wählte Henriette Reker am Sonntag zur neuen Oberbürgermeisterin. Am Tag zuvor hatte ein irrer Rassist sie niedergestochen. Ein tragischer Akt, den viele einem aggressiveren Klima in Deutschland zuschrieben. Auch deswegen, weil die Bewegung Pegida und die Partei AfD immer härtere Töne anschlagen - und gegen Flüchtlinge Stimmung machen.

Nur wenige Stunden nach Rekers Wahl konnte man einem Hetzer zuhören - live beim ARD-Talk "Günther Jauch". Es war ein Skandalauftritt - das Thema der Sendung: "Pöbeln, hetzen, drohen - wird der Hass gesellschaftsfähig?" Und da kam vor allem einer zu Wort: AfD-Mann Björn Höcke, Vorsitzender der Thüringer Fraktion, der sich eine Deutschlandflagge über die Armlehne legte.

Gleich zu Anfang sprach der AfD-Mann theatralisch von einem "Bekenntnis". "An diesen historischen Ort in Berlin" wolle er Farbe bringen, sagte er - und holte demonstrativ eine Deutschlandfahne aus der Tasche und faltet sie über der Stuhllehne. Er faselte von "1000 Jahren Deutschland", wie es schon die Nazis taten. Warnte vor Überfremdung - und drohte mit einer Notbremse, die das Volk in der Flüchtlingsfrage irgendwann ziehen würde.

Seltsame Reaktion des Rests der Runde: Sie taten nichts. Waren sie einfach zu überrascht von diesem Talkshow-Neuling? Offensichtlich wussten sie nicht, wie sie mit ihm umgehen sollten. Höcke war nicht zu stoppen. Gastgeber Jauch wies er dabei genauso zurecht - "Sie haben mich noch nicht verstanden" - wie Justizminister Heiko Maas - "Lassen Sie mich ausreden!"

Schade, dass er diese Sendung so an sich riss. Es gab andere, interessantere Gäste. Da war zum Beispiel Klaus Bouillon, Innenminister des Saarlands. Er hatte vier Wochen lang sein Büro in einer Container-Siedlung aufgeschlagen. Der CDU-Mann wiederholt zwar Merkels Satz: "Wir schaffen das!" Aber sein Standpunkt war differenzierter.

Er konnte die Probleme der Integration ansprechen. Bouillon hat gesehen, dass muslimische Männer von Frauen in der Kantine kein Essen entgegennehmen wollen, weil diese Speisen von weiblicher Hand verunreinigt seien. Helferinnen würde der Handschlag zur Begrüßung verweigert.

Aber immer wieder kam die Sendung zurück auf Höcke. Maas griff er frontal an: Der lebe in einem "ideologischen Wolkenkuckucksheim" und höre sich an wie "Honecker in seinen letzten Reden“. Unter Ausländern machte er viele Sexualstraftäter aus und faselte, die Angst-Räume für die blonde, deutsche Frau würden größer durch die Flüchtlinge.

Der Justizminister war auch der Einzige, der mit Höcke umzugehen wusste. "Widerlich", nannte er einen Einspieler mit Zitaten von Höcke. Auf die unablässigen Provokationen des AfD-Mannes ging er nicht ein und ließ sie einfach ins Leere laufen.

Jauch hatte dagegen kein Rezept. Wenn er doch mal vorsichtig nachhakte, polterte Höcke zurück: "Sie haben mich nicht verstanden. Ich erkläre es Ihnen gerne nochmal langsam." Auf Jauchs Frage, ob er denn die ARD auch zur "Lügenpresse" zähle, antwortete er: "Sie haben sich selbst konditioniert." Jauch, der stets Verständnis zeigende Moderator, fragte tatsächlich nach: "In welche Richtung?"

"Ist egal! Lassen sie ihn!", bemerkte Maas trocken zum Moderator. Und das ist der einzige Weg, um mit diesen Menschen umzugehen.

Auf Twitter brach während der Sendung ein unglaublicher Shitstorm gegen Höcke los.

Doch auch Jauch wurde kritisiert.

Den besten Kommentar zur Sendung hatte aber wohl das NDR-Satiremagazin EXTRA 3:

Kein Wunder, dass er sich ständig bei Jauch beschwert.

Posted by Extra 3 on Sunday, October 18, 2015

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