LIFESTYLE

Ein Fotograf entfernt Smartphones aus Bildern und zeigt damit, wie süchtig wir wirklich sind

14/10/2015 18:20 CEST | Aktualisiert 14/10/2015 18:20 CEST

Der Fotograf Eric Pickersgill führt uns vor Augen, welchen starken Einfluss die Technologie auf uns hat. Die Idee für seine Serie „Removed“ bekam er, als er eine Familie beim gemeinsamen Frühstück in einem New Yorker Café beobachtete. Bis auf die Mutter hing die gesamte Familie am Smartphone. Sie kommunizierten mit irgendwelchen Leuten, die irgendwo anders waren, anstatt sich mit den Menschen zu unterhalten, mit denen sie eigentlich zusammen waren.

„Es war das wunderschöne Licht und die Mutter, die mich die Situation als Fotografie haben sehen lassen“, erklärt er. „Ich habe das Foto nie gemacht, aber es existiert in meinem Kopf als wahnsinnig emotionsgeladenes Bild.“

„Removed“ zeigt uns, wie abhängig wir von der Technologie sind. Pickersgill sagte gegenüber HuffPost UK Lifestyle, dass er „erschrocken darüber ist, wie oft wir unsere Smartphones im Alltag nutzen.“

„Ich wusste, dass ich nicht nur Fotos von Menschen schießen wollte, die ihre Geräte benutzen“, erklärt Pickersgill. „Es kam mir vor, als würde ich sie ausbeuten, wenn ich herumlaufe und die Kamera auf sie halte, ohne, dass sie sich beteiligen.“

removed

Die Idee für das Projekt entwickelte er aus seinen eigenen Sucht-Erfahrungen.

„Am Abend nach diesem Ausflug rutschte ich direkt zurück in meine alten Nutzungsgewohnheiten, während ich im Bett neben meiner Frau lag, trotz der Erkenntnis, zu der ich in New York gelangt war“, sagt er.

„Als mir meine Augen langsam beim Lesen meiner Emails zufielen, wachte ich durch den Knall meines Telefons, das gerade auf den Boden fiel, auf. Bevor ich mich runter beugte, um es aufzuheben, blickte ich auf meine halb geöffnete Hand, die immer noch die leere Form meines Handys hielt.“

Er erkannte, dass er die Bilder für „Removed“ auf diese Weise machen will.

Pickersgill glaubt, dass es die Abwesenheit der Geräte selbst ist, die uns ergreift. Er hofft, dass Menschen durch seine Arbeiten zu einer Erkenntnis kommen und sich bewusster darüber werden, in welchem Ausmaß sie ihre Geräte nutzen.

„Ich persönlich brauche die Erinnerung mein Gerät wegzulegen, weil es eine Sucht ist. Die Bestätigung von anderen, die wir dadurch bekommen, fühlt sich gut an und wir wollen immer mehr davon.“

Er ergänzt, dass seine Arbeit, die online veröffentlicht und in Galerien ausgestellt wurde, viele verschiedene Reaktionen ausgelöst hat. Eines der Fotos zeigt eine Frau, die aussieht, als hätte sie gleich einen Frontalzusammenstoß, weil sie auf ihr Gerät starrt. Das habe die größten Reaktionen ausgelöst.

Es gibt aber auch solche, die den Fotografen als „Heuchler“ bezeichnen, weil er die Bilder online zeigt und das im Grunde voraussetzt, ein Gerät zu benutzen. Darum geht es Pickersgill aber nicht.

„Diese Reaktionen stimmen mich zufrieden“, sagt er. „Die Fotografien sollen Menschen auf den sozialen Wandel aufmerksam machen.“

„Ich will anderen nicht sagen, was sie mit ihrer Zeit anstellen sollen. Ich möchte ihnen nur einen Moment der Erkenntnis bieten, ähnlich wie ich ihn zu Beginn meines Projektes hatte.“

'Removed' Photo Series

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Lina Frank aus dem Englischen übersetzt.

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