POLITIK
11/10/2015 13:31 CEST

Finnische Kinder müssen erst spät lesen lernen. Es funktioniert toll

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Finnische Kinder müssen erst spät lesen lernen. Es funktioniert toll

In den USA sollen Kindergartenkinder schon lesen lernen, verbringen mehr und mehr Zeit mit akademischen Tätigkeiten als mit spielen. Anders in Finnland, wo die Kinder am Anfang ihrer Bildungskarriere sich aufs Spielen konzentrieren und später trotzdem hervorragende Ergebnisse im Lesen erzielen.

Der Lehrer und Autor Tim Walker aus der finnischen Hauptstadt Helsinki zeigt in einem Text in „The Atlantic“, dass das finnische System zunächst auf spielerisches Lernen wie Kunst und Handarbeit/Werken setzen statt auf Lernen, das die Kinder an den Schreibtisch zwingt, wie Schreiben und Lesen.

Eis verkaufen und rechnen lernen

Ein Beispiel Walkers: Die Kinder spielen Eisverkäufer. Und üben rechnen, indem sie den Preis für mehrere Kugeln ausrechnen und Wechselgeld herausgeben müssen.

„Spielen ist eine sehr effiziente Lernmethode für Kinder“, sagte Arja-Sisko Holappa vom Staatlichen Bildungsamt zu Walker. „Und wir können das so nutzen, dass die Kinder mit Freude lernen.“ Zu diesem Schluss kommen mehr und mehr Bildungsforscher. Sie gehen sogar davon aus, dass zu wenig praxisbezogenes Lernen kleine Kinder unter Stress setzt und den Lernerfolg behindert.

Später lesen lernen heißt nicht, schlecht zu lesen

Dass die Kinder zu Beginn ihrer Schulzeit erst einmal mehr spielen, scheint ihre Lesefähigkeit später nicht zu beeinträchtigen. Laut einer Analyse der Stanford University ist Finnland eine der Gesellschaften mit dem höchsten Bildungsstand. 94 Prozent der Schüler, die so etwas wie die Oberstufe des Gymnasiums anfangen, machen den Abschluss. Im Pisa-Test und in internationalen Rankings der Abschlussnoten landet das Schulsystem Finnlands unter den fünf besten weltweit.

Augenmerk auf jedes einzelne Kind

Das heißt nicht, dass Lesen aus Finnlands Vorschulen verbannt wurde. Lehrer und Erzieher können Lesen unterrichten, wenn sie es für richtig halten und mit den Eltern jedes Kindes gesprochen und einen Lernplan erarbeitet haben.

Walker weist darauf hin, dass es in Finnland einige landesspezifische Besonderheiten gibt, die es schwierig machen könnte, diesen Bildungserfolg woanders zu wiederholen – darunter eine der weltweit niedrigsten Kinderarmutsraten. Das kein eine Hürde sein. Aber sicher kein unüberwindbares Hindernis.

Dieser Text erschien ursprünglich in The Huffington Post USA und wurde von Susanne Klaiber aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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