WIRTSCHAFT
09/10/2015 07:02 CEST | Aktualisiert 09/10/2015 07:03 CEST

Der US-Chef von VW will von nichts gewusst haben

Getty
Der US-Chef von Volkswagen sagte gestern unter Eid vor dem Kongress aus

Es war kein leichter Auftritt für Michael Horn. In den USA sagte Volkswagens US-Chef im Kongress unter Eid über den Abgas-Skandal aus.

Von den Abgeordneten wurde der Manager scharf angegangen. "Volkswagen hat eine ganze Nation betrogen", sagte der republikanische Abgeordnete Fred Upton bei der Anhörung in Washington. "Wie können Sie nachts schlafen?", fragte der Demokrat Peter Welch. Die US-Politiker wollten genau wissen, ab wann Horn von der Manipulation der Abgas-Messwerte wusste.

Horn will von nichts gewusst haben. "Ich hatte keine Kenntnis davon, dass es einen "Defeat Device" in unseren Autos gab." Erst kurz vor einem Treffen mit der US-Umweltbehörde EPA am 3. September sei er über die Installation der "Defeat Device" genannten Software zum Austricksen der Abgas-Tests informiert worden.

Der Einbau der Betrugs-Software sei keine Unternehmensentscheidung gewesen: "Es hat kein Vorstandstreffen gegeben, auf dem das beschlossen wurde." Die Kongressabgeordneten blieben skeptisch. Er könne die Darstellung, es handele sich um "das Werk einiger verbrecherischer Ingenieure" nicht akzeptieren, sagte der Republikaner Chris Collins.

Dass er gar nichts wusste, ist wenig glaubwürdig. Zuvor hatte Horn in einer vorab verbreiteten Stellungnahme erklärt, bereits im Frühling 2014 von möglichen Verstößen gegen US-Emissionsregeln erfahren zu haben. Ihm sei auch mitgeteilt worden, dass die EPA Strafen verhängen könnte.

Doch Horn ging dem nicht nach. Er sagte, er sei danach davon ausgegangen, dass die Ingenieure des Konzerns mit der EPA an einer Lösung arbeiteten. Von der Betrugs-Software, durch die die Abgasreinigung im Normalbetrieb deaktiviert wurde, habe er damals nichts gewusst.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, habe Horn damals den inzwischen beurlaubten VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer über mögliche Verstöße unterrichtet. Die Anwältin Neußers wollte dazu auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.Neußer war im Zuge des VW-Abgasskandals beurlaubt worden.

Horn konnte wenig Konkretes sagen. "Die Untersuchungen dauern an - ich kann noch keinen konkreten Zeitplan anbieten." Erst vor zwei Tagen hatte VW angekündigt, dass der Rückruf der etwa 480.000 vom Skandal betroffenen Diesel-Autos in den USA erst im Januar beginnen werde. Horn erklärte nun, er gehe davon aus, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis die Probleme behoben seien.

Auch in Deutschland nehmen die Ermittlungen Fahrt auf. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhöhtden Druck - bei einer groß angelegten Razzia stellten Ermittler am Donnerstag in Wolfsburg und anderen Orten Akten und Computer sicher.

Es seien sowohl Geschäftsgebäude als auch Wohnungen durchsucht worden. Das sagte eine Sprecherin der Behörde. Neben drei Staatsanwälten waren rund 50 Einsatzkräfte des Landeskriminalamts beteiligt. "Wir werden die Staatsanwaltschaft bei der Ermittlung des Sachverhaltes und der verantwortlichen Personen nach besten Kräften unterstützen", sagte ein Sprecher des VW-Konzerns der Deutschen Presse-Agentur.

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