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09/10/2015 12:32 CEST | Aktualisiert 09/10/2015 12:43 CEST

"Der Hass gehört wieder zu Deutschland": Deshalb ist die neue Rechte so gefährlich

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Deshalb ist die neue Rechte so gefährlich

Kaum ein Thema polarisiert gerade so stark, wie die Flüchtlingskrise. Eine überwältigende Willkommenskultur und Fremdenhass –momentan bilden sich zwei Pole in Deutschland, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Auch wenn sich eine Mehrzahl der Deutschen klar gegen Fremdenfeindlichkeit positioniert, sollten wir die Rechten keineswegs unterschätzen.

Das sagt der Autor Christoph Giesa, der jetzt ein Buch über rechtsextreme Tendenzen in Deutschland geschrieben hat. Besorgniserregend vor allem: Auch die Mittelschicht öffnet sich mehr und mehr für rechtes Gedankengut. Es entsteht eine neue Rechte. In seinem Buch schreibt Giesa: "Der Hass gehört wieder zu Deutschland."

Hier sind 6 Gründe, warum wir diese neue Rechte auf keinen Fall unterschätzen sollten:

1. Fremdenfeindlichkeit wird salonfähig. „Man wird ja wohl noch sagen dürfen ...“: Die neuen Rechten lassen gezielt Hassvokabeln weg und rechtsextreme Gedanken werden gut getarnt als legitime, harmlose Argumente. Oder als die Forderung nach „echter Demokratie“ - von der Minderheiten aber ausgeschlossen werden.

Dieser verkleidete Rassismus ist weitaus gefährlicher als offensichtliche Hasspredigten – denn diesem verkleideten Rassismus lässt es sich viel leichter anschließen.

2. Die neue Rechte ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Giesa erklärt im Interview mit "N24": Während rechte Ideen früher vor allem ein Magnet für sozial benachteiligte Menschen waren, sind sie heute genauso anziehend für die Mittelschicht – obwohl es der, trotz diverser Krisen in Europa, eigentlich sehr gut geht. Genau darin liegt die Gefahr: Wer viel hat, hat auch viel zu verlieren.

3. Rechte Gewalt nimmt zu. Brennende Flüchtlingsunterkünfte, Angriffe auf Individuen: Allein bis Juli 2015 wurden in Deutschland von der BKA 76 rassistisch motivierte Gewalttaten registriert - doppelt so viele wie im letzten Jahr. Und Experten sind sich sicher: Diese Zahl ist noch viel zu niedrig geschätzt. Insgesamt wurden in diesem Jahr bisher knapp 500 Straftaten gegen Flüchtlingsheime begangen.

4. Sie bedrohen unsere liberale Gesellschaft im Kern. Laut Giesa ist das Ziel der neuen rechten Bewegung, unsere Gesellschaft als korrupt und unrepräsentativ zu entlarven und dann zu einem Regime umzuwandeln, in dem liberale Werte keine Chance haben – ein Regime ähnlich dem in der "Türkei oder Russland". So lässt sich auch die erstmal überraschende Sympathie der Rechten zu Putin erklären.

5. Sowohl NPD, als auch AfD werden populärer. Laut Ergebnissen einer Umfrage im Auftrag des MDR wäre die NPD in Sachsen im September 2015 auf gute 5 Prozent gekommen, die AfD sogar auf 7 Prozent - beunruhigende Werte.

6. Offensichtlich rechte Gruppen bekommen immer mehr Zulauf - vor allem durch soziale Netzwerke. Bewegungen wie die „Reichsbürger“ sieht Giesa als große Gefahr für Deutschland: „Sie sind die Speerspitze der Bewegung (...). Dazu kommt, dass sie extrem gut organisiert sind: Sie geben Seminare und veröffentlichen YouTube-Videos, die hohe Klickzahlen haben.“

Aber auch Pegida ist noch aktiv: Immerhin 160.000 Likes hat die Bewegung auf Facebook. Auch sie machen sich soziale Netzwerke zu Nutze, um angebliche Fakten zu verbreiten, mit denen Rechte argumentieren können. So kann sich das Gedankengut der neuen Rechten extrem schnell verbreiten.

Was sind die Folgen des Aufschwungs der neuen Rechten?

Die neue rechte Bewegung - und davor warnen Experten schon seit Monaten - könnte für Deutschland noch viel gefährlicher werden. So warnt der Extremismusforscher Andreas Zick von der Uni Bielefeld davor, dass derzeit ein neuer rechter Terrorismus entsteht. Einer, der im Gegensatz zu den NSU-Morden womöglich von Millionen Deutschen geduldet wird. Diese Millionen Deutsche sind die neuen Rechte.

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