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09/10/2015 18:44 CEST | Aktualisiert 09/10/2015 18:45 CEST

Euer Olivenöl ist mit großer Sicherheit gepanscht

Westend61 via Getty Images
Olivenöl aus dem Supermarkt ist oft gepanscht

Olivenöl gilt als gesündestes Nahrungsmittel der Welt: Es stärkt unser Immunsystem, schützt vor Herzkrankheiten und reduziert das Risiko von Diabetes. Aber das tut es nur, wenn es sich dabei auch wirklich um reines, hochwertiges Olivenöl handelt.

Und das ist nicht bei jeder Flasche Olivenöl der Fall, die ihr in eurem Supermarkt kaufen könnt. Für ein paar Euro bekommt man im Discounter ein Olivenöl „extra vergine“ – eine Klassifizierung, die garantieren soll, dass es sich um reines, hochwertiges Olivenöl handelt. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich dabei um ein sogenanntes Mangelprodukt handelt.

Gepanschtes Olivenöl aus Italien

Zwar suggerieren uns die Olivenöl-Hersteller, dass ihre Oliven liebevoll von italienischen Bauern gepflückt und sorgfältig zu Öl gepresst wurden, aber die Wahrheit dahinter ist längst nicht so idyllisch und erinnert mehr an einen Kriminalroman.

2012 strengte die italienische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Olivenöl-Händler der Firma Azienda Olearia Valpesana (AOV) bei Siena an. Ein Ermittler fand Mischkladden mit Angaben, wie das Olivenöl „extra vergine“ gepanscht werden sollte – und zwar mit minderwertigen und ranzigen Ölen. Darunter war auch spanisches Lapant-Öl, das eigentlich nicht zum Verzehr geeignet ist. Es wird vermutet, dass dieses Öl auch nach Deutschland exportiert wurde. Aber hat sich seitdem etwas verbessert?

Eher nicht. Denn die EU-Normen sind viel zu lasch.

Beispielsweise schreibt die EU-Norm bei extranativem Olivenöl einen Säuregrad von höchstens 0,8 Prozent vor. Aber diesen Säuregrad unterschreiten selbst noch Öle, die man über Wochen auf dem Feld vergammeln lässt. "Als Kontrolleure haben wir es ungeheuer schwer", klagt der Chef des Anti-Betrugs-Labors der Lebensmittelpolizei ICCRF in Perugia, Maurizio Ingi, gegenüber N24.

Das Problem mit dem gepanschten Olivenöl geht weit über die EU-Grenzen hinaus

Der Investigativ-Journalist Tom Mueller klagt in seinem Buch "Extra Virginity: The Sublime and Scandalous World of Olive Oil" die Olivenöl-Industrie an: Illegale Fabriken in Italien würden die italienische Flagge einfach auf eine Flasche mit Fake-Olivenöl setzen und es auf Märkten verkaufen, die als anspruchslos gelten – wie China oder den USA.

Unter Fake-Olivenöl versteht Mueller minderwertiges Olivenöl oder Soja- bzw. Rapsöl, das mit industriellem Chlorophyll gefärbt und mit künstlichen Aromen angereichert wird, damit es wie Olivenöl aussieht und schmeckt.

Auch bekannte Marken schummeln

Seinen Befund unterstützt eine Studie des University of California Davis Olive Center aus dem Jahre 2009, nach der 69% aller im Supermarkt gekauften Olivenöle mit dem Label „extra vergine“ deren Standards nicht erreichte. Darunter waren bekannte Marken wie Bertolli oder Mazzola.

Als Erstes müssen wir Verbraucher uns wohl von der Vorstellung verabschieden, wir könnten Olivenöl kaufen, das billig UND hochwertig ist. Andreas März, Herausgeber der Zeitschrift Merum, erklärt N24: "Allenfalls 10 bis 15 Prozent der Olivenöle, die heute um 4 bis 5 Euro pro Flasche als vermeintliche extranative Olivenöle auf dem Markt sind, kommen wirklich aus Italien oder sind extra nativ."

Aber wie kann ich mich als Kunde gegen gepanschte Olivenöle wehren?

Verbraucherschützer meinen: Das größte Problem ist, dass viele Kunden gar nicht wissen, wie frisch gepresstes Olivenöl wirklich schmeckt. So können sie den Betrug gar nicht erkennen.

Dabei kann man aber beim Einkaufen einfach auf ein paar kleine Dinge achten: Ein gutes Olivenöl riecht fruchtig, schmeckt bitter und gibt auf seinem Etikett genaue Auskunft zu seiner Herkunft. Italienische Öle mit dem Aufdruck DOP sollen laut Experten über eine gute Qualität verfügen. DOP ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung von Gebieten, die ein Selbstkontrollsystem haben.

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