POLITIK
08/10/2015 07:05 CEST | Aktualisiert 08/10/2015 07:12 CEST

Christoph Maria Herbst: "Wir müssen die Arme doppelt und dreifach aufmachen"

dpa
Christoph Maria Herbst: "Wir müssen die Arme doppelt und dreifach aufmachen"

Wer an den Schauspieler Christoph Maria Herbst denkt, denkt an Stromberg. An den Chef, der bar jedes Anstandsgefühls und sowieso jeder politischen Korrektheit Menschen beleidigt, Mitarbeiter, Behinderte, Ausländer. Klare Worte, keine Zwischentöne, das ist Stromberg.

Wann sich Herbst schämt, Deutscher zu sein

Herbst kann beides. Im Gespräch mit "MDR Info" fand er klare Worte für jene, die gegen Flüchtlinge demonstrieren: "Wenn ich jetzt gerade lese, dass wieder Tausende von Leuten in Sachsen auf der Straße waren, um gegen Flüchtlinge zu demonstrieren, dann schäme ich mich, Deutscher zu sein. Oder ich schäme mich, dass Sachsen in meinem Deutschland leben."

Er verdamme damit nicht das komplette Bundesland Sachsen. "Das hätte genauso gut in Sachsen-Anhalt oder in Brandenburg passieren können." Und auch wenn tatsächlich viele ausländerfeindliche Demonstrationen im Osten Deutschlands stattfinden, liegt der Verdacht nahe, dass Herbsts Liste da etwas zu kurz greift.

Auf der anderen Seite will er nicht in Pessimismus verfallen. "Die Deutschen sind auch Spendenweltmeister weltweit", sagte Herbst. "Deshalb lass ich mir die Deutschen nicht komplett madig machen."

Herbst wünscht sich eine aktivere Politik

Der Schauspieler wünscht sich eine aktivere Politik, eine die mehr agiert statt reagiert.

Er nannte keine konkreten Namen, allerdings ist dies ein Vorwurf, den Kritiker insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemacht haben. Sie habe viel zu lange nur zugesehen, bevor sie eine Unterkunft für Asylbewerber besuchte, den Kurs vorgab und jetzt endlich das Thema zur Chefsache machte.

Herbst für Konsequenz bei Betrugsversuchen

Ebenso wie eine Willkommenskultur hält Herbst aber auch Konsequenz für nötig. Bundesinnenminister Thomas de Maizère (CDU) hatte kürzlich gesagt, etwa 30 Prozent der Flüchtlinge, die behaupteten, aus Syrien zu kommen, kämen in Wahrheit aus einem anderen Land.

"Da müssen dann glaube ich Behörde und Politik durchgreifen und sagen: Was ihr tut, ist nicht in Ordnung", sagte Herbst im Interview. Man müsse den Menschen klar machen, dass sie "diese sehr engen Kanülen" verstopften, durch die Menschen in Not aufgenommen werden könnten. Wer das missbrauche, müsse schneller ausgewiesen werden.

Tatsächlich handelt es sich bei den 30 Prozent um einen Schätzwert. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass das Bundesinnenministerium noch Mitte September auf Anfrage sagte, keine Zahlen dazu zu haben, um kurz darauf dann mit dieser sehr groben Schätzung an die Öffentlichkeit zu gehen. Asylgesuche von Syrern werden in Deutschland zum größten Teil relativ schnell bewilligt - anders als bei Antragstellern aus anderen Ländern.

Bei allen Unwägbarkeiten ist für Herbst allerdings klar: "Für die Menschen, die kommen und erfüllen, was im Asylrecht steht, für die müssen wir die Arme doppelt und dreifach aufmachen." Dem ist nichts hinzuzufügen.

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Was Syrer in ihrer Heimat über Deutschland googlen

Hier geht es zurück zur Startseite