POLITIK
07/10/2015 21:44 CEST | Aktualisiert 08/10/2015 09:04 CEST

"Deutschland kann stolz auf sich sein": Merkel im Flüchtlings-Talk bei "Anne Will"

Mit ihrem "Wir schaffen das" steht Merkel in der Flüchtlingsfrage derzeit ziemlich alleine da. Die Stimmung unter den Deutschen kippt. Von der Anfangseuphorie ist nichts mehr geblieben - stattdessen herrscht Pragmatismus bis Verzweiflung.

Alleine schon deshalb musste die Kanzlerin im Flüchtlings-Talk bei "Anne Will" Optimismus verbreiten. Auch, wenn ihr das nicht leicht gefallen sein muss. Schlechte Umfragewerte, ein Brandbrief aus den eigenen Reihen und CSU-Chef Seehofer als lautester Kritiker - all das waren die Themen, mit denen sich die Kanzlerin bei "Will" konfrontiert sah.

Wir haben die spannendsten Aussagen von Merkel für euch zusammengefasst.

1. Merkel bleibt dabei - "Wir schaffen das"

Es ist ein eindeutiges Bekenntnis zu ihrer Politik. Schon zu Beginn der Sendung erneuert Merkel ihren Satz: "Wir schaffen das". Auch, wenn die Herausforderungen enorm seien. "Wir müssen die Regelungen in Deutschland besser treffen, der Bund muss den Kommunen besser helfen. Aber ich muss auch in Europa arbeiten, um eine bessere Verteilung hinzubekommen. Ich bin mit diesem Satz vorgeprescht und ich glaube weiterhin ganz fest daran, dass das klappt."

2. Merkel hat offenbar keine genauen Zahlen

Auch, wenn Merkel beteuert: "Ja, ich habe einen Plan" - Genaue Zahlen hat sie offenbar nicht. Diese will sie Anne Will zumindest nicht nennen. Und weicht aus: Es gebe sehr viele Statistiken, die alle für sich stehen. Und am Ende sei nur wichtig zu wissen: Es kommen sehr viele. Ob sich auf dieser Basis das Chaos bewältigen lässt, wo Kommunen und Bundesländer nicht mehr wissen, wie sie die Flüchtlingskrise managen sollen?

3. Merkel nimmt ihren lautesten Kritiker in Schutz

"Natürlich sind wir manchmal unterschiedlicher Meinungen", sagt Kanzlerin Merkel zu CSU-Chef Horst Seehofer. Der äußerte sich in den vergangenen Wochen extrem kritisch gegenüber Merkels Flüchtlingspolitik. Die halten eine "Gesellschaft auf Dauer nicht aus". Aber: "Ich habe mich entschieden, keine falsche Versprechungen zu machen." Horst Seehofer artikuliere hingegen die Sorgen vieler Bürger. Und das sei berechtigt. Auch Seehofer arbeite Tag und Nacht, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen.

4. Merkel ist die Nominierung zum Friedensnobelpreis fast peinlich

"Die Diskussion bedrückt mich fast", sagt Merkel zu ihrer Nominierung zum Nobelpreis. CDU-Abgeordnete hatten sie für den Preis für ihre Leistungen in der Flüchtlingsfrage nominiert. Er wird am Freitag vergeben.

5. Merkels Flüchtlingsdeutschland

Die Kanzlerin rechnet damit, dass die Mehrheit der Flüchtlinge, die jetzt nach Deutschland kommen, wieder zurück in ihre Heimat gehen. Aber bis dahin würde Deutschland Integration leisten. "Wir werden ein Deutschland sein, dass ein Stück weit stolz auf sich sein kann. Wir können nicht nur außergewöhnliche Aufgaben meistern wie bei der Mauer. Sondern auch jene, die uns die Globalisierung gebracht haben". "Jetzt zeigt sich plötzlich, dass Menschen so um ihr Leben rennen, dass diese weiten Strecken wie nach Syrien so zusammenschrumpfen, dass diese Menschen zu uns kommen." Das führe dazu, dass wir "nicht mehr zwischen Innen- und Außenpolitik unterscheiden können."

6. Merkel braucht de Maizière dringender denn je

Merkel machte ihren Kanzleramtschef Peter Altmaier zum neuen Flüchtlingskoordinator - eigentlich fällt dieser Job in den Bereich des Innenministers Thomas de Maizière. Er und Merkel sprachen in der Flüchtlingspolitik keineswegs immer mit einer Stimme, mehrmals brachte de Maizière öffentlich restriktivere Maßnahmen ins Spiel. Auf die Frage, ob Merkel den Innenminister entmachtet habe, reagiert die Kanzlerin zögerlich. Erst sagt sie nur: "Äh", Pause. Dann spricht sie schnell über die Neustrukturierung und dass es viel zu tun gebe. Ob sie de Maizière rauswerfen will? "Nein, ich brauche ihn dringender denn je".

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