POLITIK
05/10/2015 17:54 CEST | Aktualisiert 13/10/2015 08:43 CEST

Dieser "Ja, aber"-Nazi redet sich um Kopf und Kragen

Was könnte falsch daran sein, wenn Menschen bei uns Schutz suchen? Bei einer Straßenumfrage für „Panorama – die Reporter“ wollte der Norddeutsche Rundfunk herausfinden, wie die Wismarer zu Flüchtlingen stehen. Der Moderator spricht einen Passanten an und fragt: „Wie ist ihr Verhältnis zu Ausländern?“

"Ich hab nichts gegen die, aber ..."

"Was halten Sie von Ausländern?" Das will Michel Abdollahi von Passanten in Wismar wissen.Im Nazidorf | Panorama - die ReporterDienstag, 06. Oktober 2015 | 21:15 Uhr | NDR Fernsehenhttp://www.ndr.de

Posted by Panorama on Freitag, 2. Oktober 2015

Nicht zufällig wird diese Frage in Wismar gestellt. Immer wieder steht die Stadt wegen rechtsradikalen Aktionen einiger Bürger in den Schlagzeilen. Unter anderem warf in diesem Jahr die "Wismarer Bürgerwehr" mit ihrem gewalttätigen Angriff auf ein Kulturzentrum ein schlechtes Licht auf die Stadt. Auch das kleine Dorf Jamel in der Nähe von Wismar ist wegen seiner intoleranten Bürger als "Nazidorf" bekannt.

Der besagte Mann denkt nach und antwortet: „Ich hab nichts gegen die.“ Soweit so beruhigend, doch dann bringt er sein völliges Unverständnis zum Ausdruck.: „Ich kann das nicht verstehen – mir könnte es noch so schlecht gehen und ich würde hier nicht weggehen, niemals“. Die Deutschen hätten ihr Land schließlich mit eigenen Händen wieder aufgebaut.

Kein seltenes Stammtisch-Argument, doch dieser Passant blamiert sich mit seinen abstrusen Ansichten vor laufender Kamera. Vielleicht hätte er sich zum Nachdenken mehr Zeit nehmen sollen. Er ist kein Einzelfall: Vordergründig ein toleranter Mensch, doch auf den zweiten Blick lehnt er Einwanderer ab - will aber nicht dafür verurteilt werden. Diese "Ja, aber.."-Kultur der Asylkritiker verbreitet sich und lässt einen nur den Kopf schütteln.

Klar liegt die Frage auf der Hand: Wer soll den nun ein zerbombtes Syrien aufbauen, wenn doch vier Millionen Menschen, also fast ein Fünftel der Bevölkerung, geflohen sind? Dieser Mann bedenkt nicht, dass ein Land erst am Ende eines Friedensprozesses wieder aufgebaut werden kann und niemand einen Gedanken an den Wiederaufbau verschwendet, solange täglich Bomben fallen. Noch ist kein Ende in Sicht.

Auch mit der deutschen Geschichte hätte er sich vielleicht auseinander setzen sollen: Ohne ausländische Hilfe wäre Deutschland nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen. Dazu konnten Millionen Menschen erst nach dem Zweiten Weltkrieg in ihre Heimat zurückkehren.

Was zeigt uns das Video? Nicht jeder versteht die Problematik „Krieg“, obwohl unserer gerade einmal siebzig Jahre her ist.

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