POLITIK
01/10/2015 05:00 CEST | Aktualisiert 01/10/2015 05:08 CEST

Russische Bomben fallen nicht auf IS-Gebiete - sondern ganz woanders

Screenshot Youtube
Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte diese Bilder der Luftangriffe

Erstmals hat Putin seine Kampfbomber in Syrien losgeschickt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden am Mittwoch mit 20 Luftangriffen acht Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beschossen. Auf der Webseite des Ministeriums wurde ein Youtube-Video veröffentlicht, das anscheinenden Aufnahmen einer Drohne zeigt. In dem Film ist zu sehen, wie Flugzeuge einen Hang beschießen und zwei Bomben in der Nähe einer Ansammlung von Gebäuden niedergehen.

Angeblich richten sich die Luftschläge ausschließlich gegen die Terrormiliz. In der Beschreibung des Videos heißt es, dass russische Flugzeuge vom Stützpunkt Hmeymim aus "hochpräzise Luftschläge" gegen den IS ausgeführt und dabei acht Ziele getroffen hätten, darunter Munitions-, Waffen- und Treibstofflager sowie Befehls- und Kommunikationszentren.

Der russische Generalmajor Igor Konaschenkow sagte nach einer Meldung der Agentur Interfax: "Alle Attacken wurden nach den Daten der syrischen Armee durchgeführt." Ziele in der Nähe von "zivilen Objekten" seien nicht angegriffen worden.

Syrische Aktivisten sagen etwas anderes. Ihnen zufolge attackierten die Kampfflugzeuge Orte nördlich von Homs. Die werden von gemäßigten Rebellen gehalten. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die bombardierten Gebiete stünden nicht unter IS-Kontrolle, sondern würden von gemäßigten Rebellen gehalten, die ein demokratisches Syrien aufbauen wollten. Der Gruppe zufolge starben bei den Angriffen mindestens 27 Menschen.

Nach Angaben der syrischen Opposition sind 36 Zivilisten getötet worden. Sie seien in Bezirken gestorben, "die gegen Extremisten ankämpften", sagte der Präsident der Syrischen Nationalen Koalition, Chaled Chodscha, der Nachrichtenagentur AFP in New York.

Die US-Regierung glaubt Putin nicht. Verteidigungsminister Ash Carter sagte zu den russischen Angriffen: "Es scheint, dass sie in Gegenden waren, wo vermutlich keine IS-Kräfte waren." Russlands erklärter Kampf gegen den IS und die gleichzeitige Unterstützung Assads drohe die Lage eskalieren zu lassen. Russland "gießt Öl ins Feuer", sagte Carter.

Klarheit verschafft eine Karte des US-amerikanischen Institute for the Study of War. Auf der Karte sind drei Regionen zu sehen, in denen russische Luftschläge stattgefunden hatten: Homs, Latakia und Hama. Alle liegen weit vom IS-Gebiet entfernt.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier glaubt Moskau nicht. Er verlangte schnellstmögliche Aufklärung über die Ziele der Angriffe. Er habe "keine wirklich belastbaren Hinweise über Ziele und Methoden dieser Luftschläge", sagte der SPD-Politiker in New York.

Nach den Luftschlägen werden die Außenminister Russlands und der USA ein Krisentreffen am Rande des UN-Gipfels abhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Es gehe darum, "unbeabsichtigte Konflikte" zu vermeiden, sagte Außenminister John Kerry am Mittwoch nach einem kurzen Treffen mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow. "Wir haben uns auf die Wichtigkeit geeinigt, so schnell wie möglich, vielleicht sogar schon morgen, aber so schnell wie möglich, eine deeskalierende Diskussion von Militär zu Militär zu haben", sagte Kerry vor Journalisten.

Das Risiko eines "Unfalls" - einer Konfrontation zwischen westlichen und russischen Flugzeugen über Syrien - ist gestiegen.

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