WIRTSCHAFT
29/09/2015 13:28 CEST | Aktualisiert 29/09/2015 15:20 CEST

Top-Manager: "Der VW-Skandal ist längst eine Staatsaffäre"

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Über VW ziehen dunkle Wolken auf

Die Krise bei Volkswagen zieht immer größere Kreise: Gestern wurde bekannt, dass auch bis zu 1,2 Millionen Fahrzeuge der tschechischen VW-Tochter Skoda mit der Betrugssoftware manipuliert wurden. Auch bei Audi wurde getrickst: Weltweit sind mehr als 2 Millionen Audis von der Dieselaffäre betroffen, darunter mehr als 500.000 allein in Deutschland.

Der neue VW-Chef Matthias Müller kämpft an allen Fronten und versucht zu retten, was noch zu retten ist:Müller nannte den Skandal "die größte Bewährungsprobe in der Geschichte des Wolfsburger Autobauers" und versprach eine lückenlose Aufklärung. Die Chefs der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von VW-Pkw, Audi und Porsche mussten vorübergehend ihren Hut nehmen.

Gleichzeitig befürchten Wirtschaftsexperten und Politiker gleichermaßen, dass die Affäre nicht nur Deutschlands größten Automobilhersteller über Jahre hinweg schaden könnte, sondern gar das Prädikat "Made in Germany" in Mittleidenschaft zieht.

Der österreichische Automobil-Manager Siegfried Wolfgeht im Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Kurier" noch einen Schritt weiter: Der 57-Jährige, der über Jahre mit Magna einen der größten Autozulieferer der Welt leitete, nennt den Abgasskandal "eine Staatsaffäre".

Hier sind die 5 wichtigsten Aussagen von Siegfried Wolf:

1. Der VW-Skandal ist eine Staatsaffäre

Für Siegfried Wolf ist es kein Zufall, dass die US-Behörden den Skandal ausgerechnet während der IAA in Frankfurt öffentlich machten. "Hier geht es nicht nur um Umweltstandards, sondern auch darum, dass die Deutschen immer stärker in den USA-Markt eindringen", ist sich Wolf sicher. Dies zeige sich auch daran, dass mittlerweile auch BMW und Daimler unter Generalverdacht gestellt würden.

"Die USA kämpfen mit harten Bandagen. Angela Merkel wird sich mit Barack Obama auf höchster Ebene verständigen müssen, denn die Sache hat sich längst zu einer Staatsaffäre entwickelt", erklärt Wolf.

2. VW muss die Affäre lückenlos aufklären

Die Affäre ist zu groß, als dass man schnell wieder zur Tagesordnung übergehen könne, sagt er. Dabei sei der Absturz der Aktien für den Konzern nicht einmal das größte Übel. Will VW den Schaden und auch die Strafzahlungen in den USA so gering wie möglich halten, dürfe es keine Versteckspiele mehr geben - droht doch das US-Justizministerium mit einer Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar.

"Das Vertrauen kann man nur mit einer schnellstmöglichen, transparenten und lückenlosen Aufklärung wieder gewinnen", erklärt Wolf. Der Konzern müsse beweisen, dass er den millionenfachen Betrug beheben könne.

3. Der Erfolg hat den Konzern unvorsichtig werden lassen

Wolf ist sich sicher, dass Volkswagen die Tragweite der Affäre und den damit zusammenhängenden Vertrauensverlust von Anfang an unterschätzt hat. Die Wolfsburger Autobauer schwebten in den vergangenen Jahren buchstäblich von Erfolg zu Erfolg.

"Sie haben in den letzten Jahren so viel Autos wie nie verkauft, die Absatzzahlen stiegen von sechs auf neuen Millionen. Da bleibt schon mal die Wachsamkeit auf der Strecke", erklärt er. Gleichzeitig weist Wolf darauf hin, dass Rückrufaktionen in der Automobilbranche immer wieder vorkämen.

4. "Made in Germany" wird den Skandal überstehen

Laut Wolf ist es nicht zu verhindern, dass für alle Produkte, die von Kunden mit "Made in Germany" verbunden werden, zumindest kurzfristig schwere Zeiten zukommen könnten. Gleichzeitig bleibt der frühere Magna-Chef zuversichtlich: "Die Deutschen haben einen enormen Vorsprung in Technologie, Design und auch in Umweltstandards. Mit dem richtigen Krisenmanagement sollte der Ruf von "Made in Germany" recht schnell wieder hergestellt werden", erklärte er.

5. Matthias Müller ist der richtige Mann

Der neue VW-Chef sei ein sehr nüchterner, klar strukturierter, bodenständiger sowie ein vollkommen allürenloser Manager. "Man könnte sagen, der Mann ist der Inbegriff der deutschen Gründlichkeit. Mit seiner Wahl hat der Aufsichtsrat die richtige Entscheidung getroffen", sagte Wolf.

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Abgas-Skandal: "Wir waren unehrlich" - Die Entschuldigung des VW-Amerika-Chefs im Wortlaut

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