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30/09/2015 05:15 CEST | Aktualisiert 30/09/2015 06:15 CEST

Mit diesen neuen Smartphones will Google Apple in die Schranken weisen

Getty
Android-Manager Dave Burke in San Francisco gestern

War was? Gestern Abend stellte Google neue Smartphones und seine neue Android-Version vor - und bis auf ein paar Technik-Blogger schien es kaum jemanden zu interessieren. Während die Präsentation eines neuen iPhones auf den Titelseiten landet, scheinen neue Android-Telefone kaum jemanden zu interessieren. Zu Unrecht: Schließlich haben Smartphones mit dem Google-Betriebssystem einen Marktanteil von 74 Prozent, während Apples iPhones nur auf 15 Prozent kommen.

Alles an der Google-Präsentation gestern sollte daher den Konkurrenten Apple provozieren. Die Firma stellte eine breite Palette neuer Geräte vor, mit dem sich das Unternehmen wieder als Innovator auf dem Mobilfunkmarkt etablieren will: zwei Smartphones, ein Tablet sowie eine neue Version seines kleinen Chromecast-Geräts vor, das Internet-Inhalte auf den Fernseher bringt.

Der Zeitpunkt war sorgfältig gewählt. Gerade erst hatte Apple seine neuen iPhones sowie ein großes Tablet und eine neue Fernsehbox Apple TV vorgestellt - nun schickt Google in den selben Produktkategorien eigene Geräte ins Rennen. Der Internet-Konzern setzt aber zum Teil andere Akzente.

Diese vier Dinge müsst ihr über die neuen Google-Produkte wissen:

1. Ein gibt ein neues Betriebssystem Android 6.0 "Marshmellow"

Das Unternehmen stellt zwar eigene "Nexus"-Smartphones her, aber die meisten Android-Telefone werden von Drittherstellern wie LTC, Samsung oder Motorola vertrieben, denen das Google-Betriebssystem kostenlos als Open-Source-Software zur Verfügung gestellt wird. Google hofft auf diese Weise, Nutzer zu Diensten wie Gmail oder Google Maps zu lotsen.

Gestern stellte Android-Manager Dave Burke in San Francisco die neue Version des Betriebssystems vor: Das herausragendste Merkmal von Marshmellow wird "Now on Tap" sein - eine Verbesserung des Assistenten "Now". Das Feature analysiert ständig den Bildschirminhalt, um dem Nutzer nützliche Informationen bereitzustellen.

Schickt ein Freund zum Beispiel die Nachricht, dass er gerade in einem bestimmten Restaurant ist, wir Now on Tap eine Karte bereitstellen. Liest man einen Text über einen Schauspieler, wird die Software Informationen von Wikipedia suchen oder einen Link zur Liste seiner Filme auf Imdb.com.

Daneben gibt es eine Reihe von Änderungen, die langweilig klingen, aber für Nutzer nützlich sind. So sollen Nutzer Zugriffsberechtigung von Apps besser kontrollieren können. Sie müssen diese nicht mehr bei der Installation der App verteilen, sondern wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Nutzer können der App einzelne Berechtigungen auch nachträglich wieder entziehen.

Marshmellow wird die Batterie schonen: Der neue Stromsparmodus "Doze" deaktiviert Apps, wenn das Gerät nicht benutzt wird, um zu verhindern, dass sie den Akku aussaugen.

Ein Cloud-Backup sichert Einstellungen und App-Daten und automatisch einmal pro Tag, wenn das Gerät eine W-Lan-Verbindung hat. Beim Kauf eines neuen Geräts werden während der Installation der Apps die gesicherten Daten übernommen.

2. Zwei neue Nexus-Smartphones

Höhepunkt der Präsentation war die Vorstellung zwei neuer Smartphones. Google benutzt seine Nexus-Modelle, um Smartphone-Herstellern vorzuführen, wie das Android-Betriebssystem idealerweise eingerichtet werden soll. Die Google-Telefone sind beliebt, weil sie ohne unerwünschte Software ("Bloatware") ausgeliefert werden, die von Herstellern und Mobilfunkbetreiber aufgespielt werden. "Nexus steht für Android, wie wir es entwickelt haben", sagte Burke bei dem Event in San Francisco.

Das ist erstmal das 5X. Es wird von LG hergestellt, hat ein 5,2 Zoll großes Full-HD-Display, einen Zwei-Gigahertz-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und wahlweise 16 oder 32 Gigabyte Flash-Speicher. Leider hat es keinen Steckplatz für microSD-Karten.

Das 6P hat einen 5,7 Zoll großen AMOLED-Bildschirm mit 2.560 mal 1.440 Pixeln, einen Snapdragon 810 mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher und wahlweise 32, 64 oder 128 Gigabyte Festspeicher.

Er scheute auch keine Seitenhiebe gegen den Rivalen Apple: So könne das Nexus 6P dank dem Anschluss des neuen Formats USB-C doppelt so schnell aufgeladen werden wie das ähnlich große iPhone-Modell.

Außerdem zeigte Burke Vergleichsfotos, bei denen die Kamera des Google-Smartphones besser abschnitt - insbesondere bei Aufnahmen in der Dämmerung. Beide haben eine 12,3-Megapixel-Hauptkamera, die viel Licht auch in dämmerigen Umgebungen aufnehmen können soll. Burk zeigte anhand eines Fotos, dass die beiden Nexus-Smartphones im Zwielicht bessere Fotos machen als ein iPhone 6s Plus.

Die beiden Geräte haben auch eine vertiefte Integration der Sensoren: Ein Telefon erkennt etwa automatisch, wenn ein Nutzer joggt, und kann die Trainingsdaten aufzeichnen. Wenn das Smartphone hochgehoben wird, geht von allein der Bildschirm im Sperrmodus an. Die Geräte bekamen auch einen Fingerabdruck-Sensor auf der Rückseite.

Die neuen Google-Smartphones kommen kommende Woche in den USA, Großbritannien und Japan auf den Markt. In Deutschland sollen sie in einigen Wochen bei Vodafone erhältlich sein.

Das 6P wird je nach Speicherausstattung 649, 699 oder 799 Euro kosten. Das 5X wird in der Version mit 16 Gigabyte Speicher 479 Euro kosten, der Europreis für die 32-Gigabyte-Version ist noch unbekannt.

3. Google-Fernsehen wird verbessert

Kurz nach der Vorstellung neuer Modelle von Konkurrenzgeräten für die Heim-Unterhaltung wie das Apple TV oder Amazons Fire TV rüstete Google seinen Streaming-Dienst Chromecast auf. Im Gegensatz zu Apple setzt Google nicht auf Settop-Boxen, sondern auf USB-Sticks, die "Chromsticks" genannt werden. Während die erste Version wie ein großer USB-Stick aussah, ist die zweite Auflage etwas aufgehübscht mit runden Formen.

Der Zweck ist, Bilder und Videos vom Smartphone auf den Fernseher zu übertragen. Da die Rechenleistung im Telefon abläuft, sind Googles Chromecast-Geräte billiger als die Boxen der Konkurrenz - auch die verbesserte Version kostet 39 Euro. Auch Chromecast Audio gibt es für diesen Preis.

4. Das Pixel C ist Googles erstes eigenes Tablet

Google hatte bereits Tablets vertrieben, die allerdings von Drittherstellern produziert wurden, und oft keine gute Qualität aufwiesen. Das Pixel C ist das erste Tablet, das direkt von Google gebaut wurde. Es ist zudem auch das erste, das mit Android und nicht mit Chrome OS läuft.

Zu ihm gibt es - ähnlich wie bei Microsoft oder Apple - eine Tastatur mit Magnet-Anschluss, die sich zudem kabellos aufladen lässt. Wenn das Tablet geschlossen ist, heften die Magneten Tablet und Tastatur zusammen und ergeben so ein kompaktes Rechteck, das sie leicht verstauen lässt. In einem "Laptop-Modus" können Tablet und Tastatur mit einem Gelenk verbunden werden.

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