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Gewalt in Flüchtlingsheimen: 4 Dinge, die Bund und Länder jetzt sofort umsetzen müssen

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SCHLAEGEREI
Gewalt in Flüchtlingsheimen: 4 Dinge, die Bund und Länder jetzt sofort umsetzen müssen | dpa
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Nachrichten über Gewalt in Flüchtlingsheimen häufen sich in diesen Tagen. Erst am Freitag gingen 200 Menschen in Leipzig mit Stöcken aufeinander los.

Sie machen fassungslos - in den deutschen Erstaufnahmelagern ist eine explosive Mischung entstanden. Dort herrscht Enge, wächst Frust über die langwierigen Asylverfahren, prallen religiöse Gegensätze aufeinander. Das Pulverfass könnte bald explodieren, wenn die Bundesregierung und die Kommunen nicht schnell handeln.

Vier Dinge, die Bund und Länder jetzt dringend unternehmen müssen:

1. Flüchtlinge nach Religionen trennen

Ein Vorschlag macht nun die Runde, der besonders polarisiert. Flüchtlinge sollen nach Religionen getrennt untergebracht werden. Das fordert die Polizeigewerkschaft der Polizei.

Auch Mike Mohring, CDU-Landesvorsitzender in Thüringen, hält die Idee im Gespräch mit der Huffington Post für gut - allerdings mit Einschränkungen. "Ich begrüße den Vorschlag, Flüchtlinge nach Religionen getrennt unterzubringen", sagte er. Wo es möglich sei, sollte der Vorschlag "unverzüglich umgesetzt werden".

Doch die Idee sei nur schwer praktikabel: "Leider ist es in der Praxis nicht so einfach. Eine nachträgliche Sortierung ist sehr schwierig. Außerdem reichen die Kapazitäten nicht in allen Kommunen - wer nur eine Sporthalle zur Unterbringung hat, kann das nicht umsetzen." Hinzu komme, dass die Planung der Kapazitäten fast unmöglich sei - niemand wisse, welche Flüchtlinge morgen kämen. "Aber dort, wo es möglich ist, sollte der Vorschlag in Erstaufnahmeeinrichtungen bis zur Entscheidung des Asylantrages unverzüglich umgesetzt werden."

Langfristig sei die Trennung aber keine Lösung: "Die Sortierung nach Religionen und Ethnien ist einer Integration abträglich", sagte Mohring. Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster fragte sogar in der HuffPost: Wie sollen Flüchtlinge etwa lernen, wie es Deutschland zugeht, wenn sie im Flüchtlingsheim nicht mit der Realität konfrontiert würden?

Schuster hat mit seinem Argument Recht. Flüchtlinge müssen lernen, miteinander klarzukommen. Es gibt keinen anderen Weg. Deutschland muss diese Integrationsleistung von den Flüchtlingen einfordern.

Aber: Dieser Prozess ist zumindest derzeit nicht schon in der Erstaufnahmeeinrichtung zu schaffen. Es fehlen Zeit und Platz, um Erlebtes, etwa in Zusammenhang mit anderen Religionsgruppen, zu verarbeiten. Es fehlt Personal, um zu schlichten, zu erklären.

Ohne eine Trennung als Sofortmaßnahme ist Eskalation momentan nicht zu verhindern. Langfristig ist sie freilich keine Lösung.

Thüringen und Bayern - beides Bundesländer mit einem heftigen Zustrom an Flüchtlingen - praktizieren die Trennung bereits. Es ist an der Zeit, dass die anderen Länder sich ein Beispiel nehmen.

2. Heimpersonal besser ausbilden

In den vergangenen Monaten machen Berichte die Runde, dass Heimpersonal schlecht ausgebildet sei. Sie sollen sich etwa aus den Konflikten heraushalten, weil sie entweder nicht ausreichend geschult sind. Außerdem gibt es erhebliche Sprachprobleme.

Hier müssen die Kommunen sofort handeln. Es es ist ein Problem, das sich relativ einfach lösen lässt - mit Geld für Schulungen. Sechs Milliarden Euro erhalten die Länder vom Bund zur Bekämpfung der Flüchtlingskrise.

3. Mehr Flüchtlingsheime bauen

Es müssen dringend neue Flüchtlingsheime her - nicht nur, weil bestehende übervoll sind. Die Polizeigewerkschaft spricht gar von Heimen, in denen 4000 statt 750 Menschen leben. In Deutschland beginnen Kommunen damit, Immobilien zu mieten, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Das ist in der Sache nicht falsch, könnte aber toxisch für die Flüchtlingsdebatte sein.

In Berlin etwa sollen Flüchtlinge in einer Luxus-Immobilie am Spreeufer unterkommen - der Quadratmeter kostet hier 16 Euro. Über den Fall berichtete die "FAZ". Die Durchschnittsmiete in Berlin liegt allerdings bei der Hälfte. Da hört das Verständnis für die Flüchtlingskrise in der Bevölkerung schnell auf - vor allem, wenn Mietern sogar gekündigt wird wie kürzlich in einer Kommune in NRW.

4. Schneller Abschieben

Es klingt wie ein harter Schritt - aber Flüchtlinge müssen in Deutschland dringend schneller abgeschoben werden. Die EU-Kommission rügte Deutschland erst heute dafür, dass es zu lange dafür brauche. 120.000 Menschen laut einem Bericht in Deutschland ohne Aufenthaltserlaubnis - ein fatales Signal an alle, die etwa aus sicheren Herkunftsstaaten nach Deutschland kommen und kaum Aussicht auf Asyl haben.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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