POLITIK
28/09/2015 07:32 CEST | Aktualisiert 28/09/2015 08:00 CEST

3 Szenarien zeigen, wie es im Syrien-Konflikt weitergehen kann

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Putin (links) und Obama

Innerhalb von nur einer Stunde könnte sich an diesem Tag das Schicksal von Syrien entscheiden. Denn so lange wollen sich US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin Zeit nehmen, um über einen möglichen gemeinsamen Eingriff in dem im Bürgerkrieg untergehenden Land zu beraten. Damit könnte endlich die terroristische Bewegung Islamischer Staat (IS) in die Knie gezwungen werden.

Doch es wird ein kompliziertes Gespräch: Putin hat bereits über 20 Kampfflugzeuge und Hunderte Soldaten in Syrien stationiert, bereit, gemeinsam mit dem Machthaber Baschar al-Assad Schläge gegen den IS zu verüben. Nun könnte Putin auch die USA dazuholen, die bereits vereinzelte Luftangriffe geflogen sind. Dabei gibt es jedoch ein Problem: Obama lehnt strikt ab, mit dem autoritären Staatschef gemeinsame Sache zu machen. Und auch zwischen den USA und Russland herrscht nicht gerade Harmonie.

Trotzdem ist das Treffen ein Signal: Eine gewisse Handlungsbereitschaft besteht offenbar, wenn es darum geht, den IS zu bekämpfen. Doch was können Obama und Putin nun tun? Können sie effektiv gemeinsam oder getrennt vorgehen? Drei Szenarien für das, was nun in Syrien passieren kann:

1. Putin und Obama lassen Assad außen vor

Für Obama hätte diese Option viele Vorteile: Er einigt sich mit Putin auf eine Militärinitiative und Machthaber Assad darf dabei nur zusehen. Der US-Präsident könnte so Stärke demonstrieren und gleichzeitig Prinzipientreu bleiben. Ein weiterer Vorteil: Putin hat mit seinen Truppen bereits eine massive Präsenz aufgebaut und die entscheidende Vorarbeit bereits geleistet. Strittig wäre dann höchstens, wer bei der Planung von Luftschlägen die Führerrolle übernimmt.

Die Möglichkeit erscheint zwar machtpolitisch reizvoll, hat aber einige Haken. Erstens haben weder Russland noch die USA bislang einen Einsatz von Bodentruppen in Erwägung gezogen. Heereskämpfe wären also weiter das Geschäft von Assads Armee. Eine Koordination, die den entscheidenden Kriegsvorteil bringen könnte, fiele weg.

Zweitens müsste Obama dazu den syrienfreundlichen Putin überzeugen. Beide waren einander bislang nicht sehr grün. Obama müsste also seine Konsequenz gegenüber Russland dafür opfern, gegen Syrien konsequent zu bleiben. Zudem würde Putin wohl einiges an Entgegenkommen erwarten - das dürfte dem US-Präsidenten schwerfallen.

2. Eine Dreier-Allianz mit dem Machthaber

Vielleicht gelingt es Obama aber auch, über seinen Schatten zu springen. Dann würden die USA, Russland und Assads Truppen gemeinsam die Allianz gegen den IS anführen. Unter allen denkbaren Möglichkeiten ist diese Zusammenarbeit diejenige mit der größten militärischen Stärke. Zudem legt Putin mit rascher Geschwindigkeit vor: 2000 weitere Luftwaffensoldaten sollen entsandt werden, nötigenfalls werde der Präsident die Militärinitiative ohne Obama durchziehen, heißt es von Insidern.

Obama könnte angesichts dieser Fakten fürchten, den Einfluss in der Region zu verlieren. Zumal ein Präsident, der sich militärisch überrumpeln lässt, als ungeschickt und wenig durchsetzungsstark gilt. Andererseits müsste er sein Versprechen brechen, mit Assad nicht zu paktieren.

Einen Ausweg aus dieser Zwickmühle gibt es höchstens, wenn Obama und Putin eine Lösung finden, nach der Assads Truppen unabhängig von den anderen Allianzpartnern kämpfen und somit nicht Seite an Seite.

3. Russland und Syrien stellen sich gegen die USA

Es ist das derzeit unwahrscheinlichste Szenario - aber angesichts der aktuellen Drohungen und Muskelspiele nicht unvorstellbar: Putin stockt seine Zusammenarbeit mit Assad auf, lässt dessen Truppen am Boden kämpfen und die russische Luftwaffe von oben angreifen.

Chancen hat diese Option auch, weil Putin vermutlich weitere Armeen mit ins Boot holen könnte: In der vergangenen Woche traf er Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, der sich von Obama im Kampf gegen den Iran alleingelassen sieht. Er sprach ebenfalls mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Selbst eine Zusammenarbeit mit Deutschland ist nicht auszuschließen, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel Assad nicht als persona non grata betrachtet.

Welche Rolle würden in diesem Fall die USA einnehmen? Vermutlich würde Obama seine Truppen weitere Luftschläge ausführen lassen. Eine Quelle aus dem Weißen Haus sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, die USA wollten sich zumindest mit Russland abstimmen, um sich bei Luftschlägen nicht in die Quere zu kommen. Ein Rückzug der US-Armee ist sehr unwahrscheinlich. Dies könnte Obama als Schwäche ausgelegt werden.

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