POLITIK
26/09/2015 14:58 CEST | Aktualisiert 26/09/2015 15:15 CEST

Plagiatsvorwurf: Von der Leyen soll bei ihrer Doktorarbeit gepfuscht haben

dpa

Es sind brisante Vorwürfe, die Plagiatsjäger der Internetplattform "VroniPlag" erheben. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll bei ihrer Doktorarbeit Anfang der 1990er Jahre mehrfach gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben.

Die Aktivisten der Anti-Plagiats-Plattform haben nach Informationen des "Spiegel" 62 Textseiten der insgesamt 70 Seiten langen Dissertation gesichtet. "Im üblichen Vier-Augen-Sichtungsprozess" habe man dabei "37 Textpassagen festgestellt, die gegen wissenschaftlich anerkannte und auch in der damals maßgeblichen Promotionsordnung geregelte Zitierregeln verstoßen", zitiert das Blatt Gerhard Dannemann, Professor an der HU Berlin.

(Hier kann man sich die Textstellen anschauen, die "VroniPlag" beanstandet.)

Laut Dannemann gibt es in von der Leyens Dissertation Plagiate auf 43,5 Prozent der untersuchten Seiten. Darunter seien die wortgleiche Übernahme fremder Textpassagen und Verstöße gegen wissenschaftliche Zitierregeln. Drei Seiten bestünden mehr als zur Hälfte aus Plagiatstext, auf fünf Seiten machten die problematischen Stellen 75 Prozent des Textes aus, sagte Dannemann dem "Spiegel".

Ob die Vorwürfe zu einem Problem für von der Leyen werden, dürfte sich bald zeigen. Zwar bezeichnen die "VroniPlag"-Aktivisten von der Leyens Arbeit im Vergleich zu vorher untersuchten Abschlussarbeiten lediglich als "mittelschweren Fall" - die regelwidrig übernommenen Passagen seien "eher kurz als lang". Allerdings macht Dannemann auch klar, dass von der Leyens Arbeit "23 Fehlverweise" enthalte (Quellenhinweise), in denen der zitierte Inhalt gar nicht zu finden sei. "Das ist im medizinischen Bereich besonders gefährlich", zitiert das Blatt den Forscher.

Von der Leyen selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang noch nicht geäußert. Ein Sprecher teilte lediglich mit, dass die Verteidigungsministerin schon im August von der Untersuchung erfahren habe. "Die Ministerin weist den Vorwurf nicht nur zurück - sie hat noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle der Einrichtung überprüfen zu lassen", sagte der Sprecher dem "Spiegel".

Übrigens: Der volle Titel von der Leyens medizinischer Dissertation lautet: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

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