POLITIK
26/09/2015 17:46 CEST | Aktualisiert 26/09/2015 18:22 CEST

Juso-Chefin Uekermann fordert legale und sichere Fluchtrouten für Menschen mit klarem Asylstatus (EXKLUSIV)

Oft wird im Moment in Deutschland über sogenannte sichere Herkunftsländer diskutiert. Über Länder wie Albanien, Kosovo und Montenegro. Wenn Menschen aus Ländern wie diesen kämen, argumentieren einige Politiker, hätten sie kein Recht auf Asyl in Deutschland. Weil es ihnen zuzumuten sei, in ihrer Heimat zu bleiben.

Es gibt aber auch Länder, die unbestritten ganz und gar nicht sicher sind. Deren Bürger aus der Heimat fliehen müssen, weil ihnen sonst der Tod droht. Das Bürgerkriegsland Syrien gehört dazu. Und Union, SPD, Grüne, Linke und FDP – alle bekannten deutschen Parteien sind sich einig, dass wir Flüchtlinge aus diesen Ländern aufnehmen müssen. Der "Spiegel" berichtete sogar über einen angeblichen Plan der Bundesregierung, wonach syrische Flüchtlinge das aufwendige Asylverfahren gar nicht mehr durchlaufen sollten. Weil ohnehin klar sei, dass sie Asyl bekämen.

Aber so einig sich die Politiker über die Aufnahme dieser Menschen sind – sie ignorieren ein wesentliches Problem: Diese Menschen, die einen klaren Asylstatus haben, müssen immer noch ihre Leben riskieren, um überhaupt nach Deutschland zu kommen.

Juso-Chefin Johanna Uekermann fordert daher nun in der Huffington Post legale und sichere Fluchtrouten für Menschen, die sicher in Deutschland bleiben dürfen. "Warum müssen Menschen, die bei uns klaren Asylstatus haben, zum Beispiel aus Syrien, illegal mit Schleppern nach Europa einreisen?", sagt sie. "Diesen Menschen müssen wir die Einreise erleichtern."

Diese Menschen müssten schon in Botschaften in ihrer Heimat oder in Nachbarländern Asyl beantragen können, fordert Uekermann. Außerdem müssten Fluggesellschaften die Menschen unkompliziert nach Deutschland bringen dürfen, sagt die Juso-Chefin. "Wieso werden für diese Flüchtlinge nicht Bestimmungen bei Airlines gelockert, damit sie mit dem Flugzeug nach Europa kommen können?"

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Uekermann

In Schweden funktioniert das schon. Dort hat sich mit Refugee Air gerade eine erste Airline gegründet, die Menschen auf der Flucht nach Europa transportieren möchte. Doch noch kommen auf Airlines in Europa hohe Kosten zu, wenn sie Flüchtlinge mitnehmen.

Ständig gibt es Meldungen, dass wieder hundert Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken sind. Groß war der Aufschrei, als 70 tote Flüchtlingen in einem LKW in Österreich gefunden wurden. "Aber am nächsten Tag ist alles wieder vergessen", sagt Uekermann. Mehr als tausend Menschen seien dieses Jahr wegen der fehlenden legalen Fluchtwege schon ums Leben gekommen.

"Die Regierungschefs wollen Schlepper bekämpfen, aber gleichzeitig zwingen sie die Flüchtlinge, die Schlepper in Anspruch zu nehmen, um zu uns zu kommen", sagt die Juso-Chefin.

Uekermann trifft einen wunden Punkt: Die Bundesregierung konzentriert sich bei der Bekämpfung der Krise auf die deutschen Probleme. Wo wir Flüchtlinge unterbringen, wie wir das bezahlen und wie schneller entschieden wird, ob sie bleiben dürfen oder gehen müssen. Die Flüchtlingspolitik der Regierungen – nicht nur der deutschen – fängt erst an, wenn die Flüchtlinge in einem Land angekommen sind. Wenn sie es gar nicht erst bis dahin schaffen, scheint das ein hinzunehmendes Übel zu sein.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

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