POLITIK
26/09/2015 09:36 CEST

Vater des toten Flüchtlingsjungen Aylan: "IS-Terroristen zogen mir Zähne mit einer Rohrzange"

dpa
Abdullah Kurdi bei der Beerdigung seines Sohnes

Das Bild des dreijährigen Aylan, der tot an einem türkischen Strand angespült wurde ging um die Welt. Bei der Überfahrt von der Türkei auf die griechische Insel Kos kenterte das Schlepperboot, in dem die Familie des kleinen Jungen saß. Neben Aylan kamen auch seine Mutter und sein Bruder ums Leben. Nun hat der Vater des Jungen, Abdullah Kurdi, im Interview mit der "Bild"-Zeitung über Details seiner Flucht gesprochen uns gleichzeitig Gerüchte, er sei selbst ein Schlepper gewesen, scharf zurückgewiesen.

"Ich war niemals Schlepper und werde es nie sein", sagte er. Monatelang habe er erfolglos versucht, für sich und seine Familie ein Visum für Kanada zu bekommen. Dort lebt seine Schwester. "Aus Verzweiflung sind wir dann in das Boot", erklärte er. In der Türkei habe er für seine Familie ebenfalls keine Zukunft gesehen. "Ich habe in einer Fabrik gearbeitet, doch weil ich ein Flüchtling war, haben sie mir kaum etwas gezahlt", sagte Kurdi der Zeitung.

Kurdi berichtete außerdem, dass er im zwischen kurdischen Einheiten und Milizen des Islamischen Staats umkämpften Kobane von IS-Terroristen gefoltert wurde: "Sie haben mir mit einer Rohrzange die Vorderzähne gezogen. Als ich über die Grenze in die Türkei fliehen konnte, musste ich schnell weg. Meine Familie ist aber nur kurz danach nachgekommen", sagte er der "Bild".

Obwohl ihm nach dem Tod seiner Familie gleich von mehreren Ländern Visa angeboten wurde, will er in seiner zerstörten Heimatstadt Kobane in Syrien bleiben. "Mein Ziel ist, dass es wieder ein Krankenhaus in der Stadt gibt, eine Schule, dass Häuser wieder aufgebaut werden. Ich will nicht weg, dass wäre Verrat an meiner toten Familie". Aylan, sein Bruder und seine Mutter sind in Kobane beigesetzt.

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